Wirtschaftsprüfer rät Verlagen: Konsolidieren, spezialisieren oder sterben gehen
24. Juni 2009 | Von Ulrike Langer | Kategorie: Neu, ZeitungszukunftDas Wirtschaftsprüfungs- und Consultingunternehmen Deloitte hat heute eine Studie der Ertragssituation von Verlagen veröffentlicht: ”Finanziellen Spielraum aktiv nutzen“. Als wesentliche Handlungsoptionen, mit denen Verlage angesichts seit Jahren rückläufiger Auflagen ihre Einnahmen verbessern können, benennen die Finanzberater:
- Aktive Konsolidierung – mit dem Ziel einer Markt- und Kostenführerschaft im Printgeschäft
- Diversifikation zu einem integrierten Medienkonzern – mit dem Ziel, digitale Wachstumsmärkte zu erschließen und Synergien zu schaffen
- Internationalionalisierung – mit dem Ziel, außerhalb des gesättigten Marktes zu wachsen
- Fokussierung auf Nischenmärkte – mit dem Ziel, spezielle Informations- und Unterhaltungsbedürfnisse abzudecken
- Geordneter Rückzug – mit dem Ziel, loyale und zahlungsbereite Leser zu halten, um den Free Cashfloy zu optimieren
- Deinvestition – mit dem Ziel, über einen kurzfristigen Marktaustritt den maximalen Verkaufserlös zu erzielen.
Und hier die Übersetzung von mir:
- Noch mehr Kosten sparen, indem Redakteure entlassen, die Honorare für freie Journalisten noch weiter gedrückt, Redaktionen zusammengelegt und Titel aus einem gemeinsamen Inhaltepool gefüllt werden. Unklar, wie damit der neuerdings als Begriff überstrapazierte ”Qualitätsjournalismus” aufrecht erhalten werden kann.
- Alle neuen Web- und Mobile-Kanäle bespielen. 100 Dinge ausprobieren, damit 10 funktionieren und am Ende vielleicht 2 oder 3 richtig zünden. Wahrscheinlich der richtige Weg. Damit hätte man aber auch schon vor einigen Jahren beginnen sollen, als die Gewinne noch sprudelten.
- Kaufen, was Potenzial hat und gerade unter Wert zu haben ist. Wird als Investitionsstrategie vom Axel Springer Verlag seit Jahren beherzigt und der macht bekanntlich auch in der Krise gute Gewinne. Als Tipp zur kurzfristigen Einnahmeverbesserung (vulgo: Auspressen) nicht unbedingt geeignet. Siehe Montgomery und der Berliner Verlag.
- Der beste Tipp: Hört auf, der Aktualität der Berichterstattung im Netz hinterherzuhecheln. Besinnt Euch auf Eure Kernkompetenzen: Lokales, Analyse und Berichte, die über den Tag hinaus Bestand haben. Hört auf, beliebig und austauschbar zu sein.
- und 6. Geht sterben (und versucht zumindest, vorher noch ein hübsches Sümmchen aus dem Verkauf zu erzielen).
Interessant ist auch, was den Deloitte den Verlagen NICHT rät, nämlich:
- Versucht, unter Wiederholung der ewig gleichen Parolen (z.B. auf Medienkongressen) wie ”Qualitätsjournalismus muss auch im Internet seinen Preis haben” oder ”Das Netz darf kein rechtsfreier Raum sein” oder ”Die Kostenloskultur im Internet muss ein Ende haben” Bezahlmodelle für Allerweltsjournalismus einzuführen, die durch Boykott leicht ausgehebelt werden können, weil es immer jemanden geben wird, der Allerweltsinhalte im Netz kostenlos anbietet.
- Lobbyiert für eine “Leistungsschutzabgabe”, die das Verlinken zu Euren Netzangeboten kostenpflichtig macht, damit weniger Nutzer Eure Angebote finden und Eure Werbeeinnahmen sinken.
- Wenn Ihr die Leistungschutzabgabe nicht bekommt, dann plädiert zumindest für eine ”Kulturflatrate” als Zwangsabgabe für zahlungsunwillige Nutzer und sorgt dann dafür, dass der Begriff Kultur im Netz möglichst eng angelehnt ist an das, was Zeitungen produzieren.
Eine Pressemeldung zur Deloitte-Studie gibt es hier, die gesamte Studie kann kostenfrei hier heruntergeladen werden.
Foto: Flickr/just.Luc





