Dann boykottiert doch Google!

30. Juni 2009 | Von Ulrike Langer | Kategorie: Neu, Zeitungszukunft

google

Nun also auch Hubert Burda. Von ihm hatte man ja auch bisher noch nichts vernommen bei den seit Wochen währenden Verlagsvorstössen für eine Leistungsschutzabgabe. Heute aber hat sich Burda mit Verve in die Debatte geworfen und setzt sich mit der ”Link-Ökonomie” auseinander. ”Wir werden schleichend enteignet” ist sein Meinungsbeitrag in der FAZ übertitelt, in dem er argumentiert, dass Google sich mit der Verlinkung von Inhalten in Verlagsportalen ungerechtfertigt bereichere.

Der Verleger ist nicht per se dagegen, dass Suchmaschinen Links zu Verlagsinhalten setzen. Dass Google dann aber den Löwenanteil an Werbeeinnahmen aus diesem Konstrukt erzielt und die Verlage im Internet “nur lousy Pennies” verdienen – das sind Burda, Springer und Co. nicht gewohnt. Denn zu Vor-Internetzeiten waren sie es, die Anzeigenflächen zu horrenden Preisen vermarkten konnten. Das weiß jeder, der mal einen dürren Fünfzeiler ohne Foto oder grafische Gestaltung als Anzeige in einer Lokalzeitung aufgegeben hat.

Dass diese seligen Zeiten für immer vorbei sind, das wissen Hurbert Burda oder auch Matthias Döpfner nur zu gut. Genau deshalb gibt es ja diese in immer kürzen Abständen zu lesenden Meinungsbeiträge. Sie stehen fast immer auf den Feuilletonseiten und nicht im Wirtschaftsteil, denn es geht ja vordergründig um den Erhalt des Qualitätsjournalismus, und nicht um Besitzstandswahrung. Doch in Wahrheit ist es doch so: Die Verlage sehen es offenbar als ein Naturgesetz an, dass ihnen die zweistelligen Renditen aus dem Printzeitalter auch im Netz zustehen. Und wenn sich jemand – also vor allem Google – von diesem Kuchen ein so großes Stück abschneidet, dass für die Verlage weniger als gewohnt übrigbleibt, dann muss aus ihrer Sicht eben aus anderen Quellen Geld in die Verlagskassen geleitet werden, per Leistungsschutzabgabe oder Kulturflatrate.

Doch zurück zu Google und der Link-Ökonomie. Burda argumentiert:

Suchmaschinen, aber auch Provider und andere Anbieter profitieren überproportional von unseren teuer erstellten Inhalten. Doch wer die Leistung anderer kommerziell nutzt, muss dafür bezahlen.

Und genau hier liegt das große Missverständnis. Google erbringt mit der Verlinkung eine Dienstleistung. Hierfür als Verlag die Hand auf zu halten, wäre genauso absurd, wie von Kioskbesitzern eine Abgabe dafür zu verlangen, dass der Focus in der Auslage liegt. In der Logik von Burda verkauft der Kioskinhaber nur deshalb so viele Schokoriegel und Bierflaschen, weil die Käufer in erster Linie wegen des Focus zum Kiosk gehen. Also müsse der Burda-Verlag angemessen am Umsatz mit den Schokoriegeln und den Bierflaschen beteiligt werden.

Die Dienstleistung besteht darin: Internetseiten, die bei Suchmaschinen indiziert werden und nach dem Eingeben von Suchbegriffen in den Trefferlisten auftauchen, werden dadurch für  viele Nutzer erst auffindbar. Nebenbei: Auch Aggregatoren wie Rivva machen Webseiten von Verlagen an prominenter Stelle sichtbar (auf den Plätzen 3 bis 5 in der Rivva-Rangliste der am meisten verlinkten Leitmedien stehen mit geringen Schwankungen seit Wochen beispielsweise Spiegel Online, Zeit Online und FAZ.net), auch Blogs verlinken auf Print-Websites – umgekehrt allerdings sehr selten. Aber Burda hat sich ja auf Google als großen Bereicherer eingeschossen, deshalb bleiben wir bei diesem Aspekt.

Der Suchmaschinenbetreiber könnte theoretisch auch Gebühren dafür verlangen, dass sein Suchalgorithmus den Printportalen täglich, stündlich, minütlich frische Besucher zuführt. Für dieses Geschäftsmodell hat sich Google aber nicht entschieden, sondern für Werbefinanzierung. Neben den organischen Suchergebnissen tauchen weitere Links auf, deren Platzierung von Unternehmen erkauft wurde. Außerdem bietet Google allen Websites an, relevante Kontextwerbung zu platzieren (AdSense) und die Einnahmen zu teilen. Mit diesen beiden Diensten verdient Google so viel Geld, dass der Konzern es sich leisten kann, weitere kostenfreie Dienste wie GoogleMaps, Google Docs, Google Reader, Googlemail etc. anzubieten und seine besten Leute für die Erforschung neuer Dienste wie das Kommunikationsnetzwerk Wave freizustellen. Nach eigenen Angaben hat Google im Jahr 2008 übrigens fünf Milliarden Dollar über AdSense und Co. an Partner ausgeschüttet.

”Google ist ein moderner Imperialist, der seine monopolartige Stellung nutzt und ausnutzt”, sagt Hans-Jürgen Jakobs, Chefredakteur von Süddeutsche.de im Interview mit meedia. Doch dass Google als Suchmaschine in Deutschland einen Marktanteil von rund 90 Prozent hat, bedeutet noch lange kein Monopol im Sinne einer erzwungenen Marktmacht, wie Jakobs suggeriert. Es gibt einen fundamentalen Unterschied zwischen meinem lokalen Energieversorger und meiner favorisierten Suchmaschine. Einem Monopolisten kann man nicht ausweichen, weil es keine Alternativen gibt oder weil diese nur mit großer Mühe genutzt werden können. Doch es gibt Dutzende von Alternativen zu Googlemail und es gibt auch andere Suchmaschinen. Google beherrscht den Weltmarkt der Websuchen, weil die Internetnutzer mit Milliarden von Mausklicks so abgestimmt haben. (In China ist die Suchmaschine Baidu übrigens beliebter). Google hat seine Marktmacht nicht durch Nötigung erzwungen, anders als Microsoft jahrelang mit seinem vorinstallierten Explorer als Browser. Auf meinen Rechnern ist Google jedenfalls nicht vorinstalliert.

Ebenso freiwillig wie die Nutzung einer bestimmten Suchmaschine für Verbraucher ist es für Webseiten-Betreiber, ihre Seiten für Google und Co. auffindbar zu machen. Mit einem einzigen Mausklick lässt sich verhindern, dass die Crawler vorbeikommen und Seiten indizieren. Diese Option wählt aber kein Verlag, denn die zusätzlichen Besucher sind natürlich hochwillkommen. Zu den Focus Online Seiten finden rund die Hälfte der Besucher per Google. Chris Anderson, Autor der Bücher  ”The Long Tail” und ”Free” und Chefredakteur der US-Zeitschrift Wired, beziffert den Anteil der Besucher, die von Google auf die Wired-Seiten kommen, auf 40 Prozent. ”Ich nenne das ein Geschenk, aber die Zeitungen nennen es Diebstahl”, sagt Anderson in einem lesenswerten Beitrag des Guardian.

Burda plädiert für die “rechtliche Absicherung der wirtschaftlichen Basis” als  “Selbsterhaltungstrieb unseres Rechtsstaats”. Das ist der Ruf nach dem Staat. Er soll jetzt mit Gesetzen einspringen, weil die Verlage es bis heute nicht geschafft haben, funktionierende Erlösmodelle im Internet etablieren.  Doch was wird passieren, wenn Google per Gesetz in Deutschland verpflichtet wird, für die Verlinkung zu bezahlen?  Das hat der Konzern bereits vorexerziert, als er lieber die Clips von einzelnen Plattenfirmen bei YouTube löschte, als dafür Gebühren an die Majors zu zahlen. Ebenso werden die Links auf Verlagsportale einfach ausbleiben. Und die Verlags-Websites werden zu Inseln im Netz, die allmählich veröden.
Das wird auch einer der Gründe sein, warum Verlage sich nicht einfach verabreden, ihre Angebote für Google zu sperren. Zumindest diejenigen Verlage, die sich momentan für eine Leistungsschutzabgabe einsetzen. Mit ihrer gemeinsamen Marktmacht dürfte es für die Verlage doch ein Leichtes sein, dem deutschsprachigen Internet soviel Qualitätsjournalismus zu entziehen, dass Google sich auf Verhandlungen über eine ”faire” Gewinnbeteiligung einlässt, oder nicht? Doch es gibt noch einen weiteren Grund, der gegen einen Google-Boykott spricht: Nachrichtenanbieter, die dabei nicht mitmachen, werden gestärkt, und die ersten, die aus der Phalanx der Verweigerer ausscheren, ebenfalls.

Nebenbei: Freie Journalisten, die per Total-Buy-Out-Vertrag ihre Verwertungsrechte online und offline gegen Einmalhonorar an Verlage wie Springer oder FAZ abtreten müssen, sollten von dieser Stelle in Burdas Text Notiz nehmen:

“Bei alldem geht es um viel mehr als die rechtliche Beanspruchung eines „fair share and faire use“, eines fairen Umgangs mit Informationen und eines fairen Anteils an der Wertschöpfung im Internet. Es geht um die Bewahrung eines Kulturguts.”

Foto: Flickr / Yodel Anecdotal

[Post to Twitter] Tweet This Post 

  • Share/Save/Bookmark
Tags: , , ,

Empfehlungen

  1. Das Ranking bei Google News, von Google erklärt
  2. ,
  3. Führen Google-Suchen auf Verlagssites? Die meisten nicht.
  4. ,
  5. Was Verlage von Google lernen können
  6. ,
  7. Googeln ohne Google? Sehr schwierig!
  8. ,
  9. 5 Fehler von Printmedien beim Umgang mit Online-Kommentaren

59 Kommentare
Hinterlasse einen Kommentar »

  1. Schöne neue Wörter braucht das Land:

    Zugangserschwerungsgesetz (neudeutsches Synonym für Zensur)
    Leistungsschutzabgabe (die verschärfte Version des klerikalen Zehnt)

  2. Bravo!
    [stehend ausgerufen]

  3. Hier ein Review von Chris Andersons Buch “Free” im New Yorker. Malcolm Gladwell hat einige sehr gute Punkte gegen Andersons “Freemium”-Idee.

    http://www.newyorker.com/arts/critics/books/2009/07/06/090706crbo_books_gladwell

    Es wäre doch interessant zu wissen, was Kioskbesitzer von Google halten….

  4. Wunderbar! Ich habe gestern Burdas Beitrag gelesen und konnte nicht so recht in Worte fassen, woran ich mich dabei gerieben hab. Aber hier steht’s ja!

  5. Sehr guter Artikel. Nur eine kleine Anmerkung. Surf mal mit dem IE6 auf google.
    Dann wird dir doch stark nahe gelegt auf google chrome umzusteigen … Klar ist Google nicht Microsoft udn zwingt Nutzer eine bestimmte Software zu nutzen … aber es ist schon scary

  6. wo ist das Problem? Einfach ein Noindex in die Metatags setzen und schon kommt keine böse Suchmaschine mehr …. Allerdings auch kein kunde. Doof irgendwie :)

  7. Zitat: “Doch wer die Leistung anderer kommerziell nutzt, muss dafür bezahlen.” … Das ist das Ende des Leserbriefs, hurra! So hieß früher der User-Generated-Content, von dem verdammt viele Webseiten leben und Geld verdienen. Aber das aktuelle Jahrundert mit dem zementierten Basiswissen des vergangenen Jahrunderts zu verstehen, war schon zu allen Zeiten schwer.

    Schlimmer finde ich, daß nach Contentindustrie, Banken und Autobauern jetzt auch noch die Verlage vom Staat verlangen, ihre Probleme zu lösen. In guten Zeiten den Staat möglichst rausdrücken und wenig Steuern zahlen. Und kaum läuft’s mal nicht wie vorgestellt, soll der Staat ran und Pfründe sichern. Jämmerlich!

  8. Endlich bringt das jemand mal so auf den Punkt.
    Das Gejammere der Verlage geht ziemlich auf den Zeiger.

    Wenn hat denn die meisten Website-Besucher im deutschen Internet? Die Verlage … und die TV-Sender.
    Da finde ich natürlich, dass mir irgend jemand eine Ausgleichszahlung leisten muss, da ich nicht in der Lage bin, diese Geballte Aufmerksamkeit auf mich zu ziehen!

  9. urgh. diese unsäglichen google-kiosk-vergleiche – gibt es einen weltumspannenden riesenkiosk, bei dem alle kaufen und verkaufen müssen? monopole haben eben die ungute eigenschaft, dass man sie nicht einfach ignorieren/boykottieren kann… natürlich sind verleger-interessen auch wirtschaftliche, aber trotzdem spiegeln sich darin eben auch journalistische interessen! gesetze sind sicher nicht die goldene lösung, aber man sollte doch bitte das google-monopol-modell als solches in frage stellen dürfen (müssen), ohne vorgehalten zu bekommen, man könne es ja einfach boykottieren.

  10. @Benny:
    Mit dem IE 6 kann ich als Mac-Nutzerin gar nicht surfen, und selbst wenn ich Windows-Nutzerin wäre, würde ich es nicht tun, weil es seit Jahren viel bessere Browser gibt. Es gibt einen Programmiererwitz: 10 Prozent Zeitaufwand für das Codieren, 15 Prozent für die Optimierung für alle gängigen Betriebsysteme und Browser, 75 Prozent Zeitaufwand, um ein neues Programm oder eine neue Website auch mit dem IE 6 darstellen zu können – was trotzdem nicht immer gelingt. Darauf bezieht sich wohl die Anmerkung von Google. Und dass sie dabei dann auch gleich Werbung für ihren eigenen neuen Browser machen, kann man ihnen wohl kaum verdenken.

    @Katharina:
    Meine Argumentation ist aber doch gerade, das Google nur deshalb eine herausragende marktführende Stellung hat, weil die Verbraucher sich freiwillig in Massen für Google entscheiden. Niemand zwingt sie dazu. Und solch eine Position kann man auch wieder verlieren, wenn man beim Innovationsdruck nachlässt. Sieht momentan aber nicht danach aus.

    Und an dieser Stelle auch mal eine allgemeine Anmerkung:
    Auch wenn es allmählich so aussehen mag: Ich besitze keine Google-Aktien, ich werde in keiner Form von Google entlohnt oder bevorzugt und ich kenne auch niemanden persönlich bei Google. Mir juckt es allerdings in den Fingern, Widerreden zu schreiben, wenn ich lese, wie dieser Tage Google von Verlagen systematisch als Sündenbock für eigenes unternehmerisches Versagen aufgebaut wird.

  11. Ich kann nur empfehlen, 6:13 unterhaltsame Minuten zu investieren und sich Lawrence Garfield aka Danny DeVito anzusehen:

    http://www.youtube.com/watch?v=MfL7STmWZ1c

    Díe deutschen Verlage sind zwar noch nicht an dem Punkt angelangt, an welchem sich die fiktive New England Wire & Cable Co. in dem Movie befindet – aber sie dürften bald dort sein, wenn sie weiterhin nach Papa Staat rufen, anstatt sich mit dem Wandel kreativ auseinanderzusetzen.

  12. Ich lasse mal irgendwann ein Banner drucken: 2*5 Meter groß und schreibe darauf:

    robots.txt:
    User-agent: *
    Disallow: /

    Das hänge ich dann auf jedem Medienkongress auf, wo sich Presseheinis äussern.

    Eine robots.txt wie oben jedem offen, der jammert. Warum machen die das nicht einfach mal, wenn sie meinen, sie hätten die Macht? Früher hatten sie die Macht: Die Anzeigenkunden, den Platz im Kiosk, die Druckerei und den Vertrieb. Heute kommt jeder an den Anzeigekunden heran und der Platz im Kiosk ist nicht mehr der beschränkende Faktor. Aus einem oligopolartigem Markt ist jetzt echter Wettbewerb geworden.

    Alte Industrien passen sich erfahrungsgemäß nur langsam an derartig veränderte Wettbewerbsbedingungen an. Und einige zerlegt es dabei. Mal schauen, ob Burda dazu gehört …

  13. @ Stefan aka SUSUH
    Grandios! Danke für den Link. Du hast recht, die Verlage stehen derzeit noch nicht an dem Abgrund, wo die Cable Company steht. Opel und Arcandor sind dafür schon einen Schritt weiter.

    Ich fände es ja auch nicht verkehrt, wenn eine von Mäzenen (und auch mit Steuergeldern) unterstützte Stifung praktisch erprobt, wie künftig Qualitätsjournalismus finanziert werden kann. Auch der ”Guardian” und die ”Saint Petersburg Times” – beides sehr innovative Zeitungen plus Webplattformen – werden von Stiftungen finanziert. Aber hier sollen mit Hilfe des Staates nicht mehr tragfähige Geschäftsmodelle subventioniert werden, damit die Verlage – um mit Danny de Vitos Worten zu sprechen – weiterhin Peitschen für Kutscher verkaufen können.

  14. Klug, informativ, unterhaltsam, wertvoll. Danke !

  15. Guter Artikel!

    Fehlt nur noch, dass die Diskussion wieder aufflammt, ob man Deep Links setzen darf, weil den Betreibern von Websites dann ja die Werbeeinnahmen auf der teuer verkauften Homepage verloren gehen… Genau so ein Unfug ist das jetzt wieder!

    Es wird wirklich Zeit, dass Google News endlich mit Werbung versehen wird. Dann würde sich nämlich zeigen, wie viel Geld wohl auch die Verlage dafür bereit wären zu zahlen, dass Google ihnen Besucher bringt.

    Natürlich profitiert Google von der Arbeit der Verlage. So wie von der Arbeit aller anderen, die Inhalte online stellen, die Google finden kann.

    Die Verlage wiederum profitieren, dass in der Welt überhaupt etwas passiert. Sonst hätten sie nichts zu berichten. Sehen die Verlage sich denn etwa in der Pflicht, den Erben von Michael Jackson etwas dafür zu bezahlen? Auch angebliche Qualitätsmedien schlachten den Tod des Musikers in einer Größenordnung aus, dass da wohl größere Summen fließen müssten nach der Logik.

  16. Ich fühle mich in letzter Zeit, wenn ich die Varlage jammern höre, immer an etwas erinnert das meine Mutter mir einmal erzählte.
    Als sie ein Kind war, gab es keine Kühlschränke für Privathaushalte. Sie erzählte mir, dass es in den meisten Dörfern dafür irgendwo zentral eine Art Kühlhaus/Kühlkeller gab in dem man Fächer mieten konnte um etwas kühl zu lagern. Mit fortschreitender Technologie wurden Kühlschränke irgendwann privat finanzierbar und dies war das aus für diese Kühlhäuser. Zumindest sehe ich heute keine mehr in dieser Form.
    Ich frage mich immer was wäre wenn die Betreiber damals eine Lobby gehabt hätten. Wären Kühlschränke dann verboten? Oder müsste bei jedem Kühlschrankkauf und jeder anfallenden Reperatur eine Sonderabgabe gezahlt werden um die Kühlhäuser zu subventionieren?
    Es ist nicht die Aufgabe der Gesetzgebung obsolete Geschäftsmodelle die vom Fortschritt der Technologie schlicht überholt wurden durch gesetzlichen Zwang am leben zu erhalten. Auch hier gilt wohl Darwins zentrale Aussage: “Survival of the fittest”. Oder zu deutsch: “Überleben des Bestangepassten.” (Keinesfalls des stärkeren.) Wenn die Verlage so weiter machen und ihre Bemühungen darauf konzentrieren die Welt ihnen durch Gesetze, an zu passen, statt sich selbst der Welt an zu passen, werden sie bald untergehen. Dann werde ich meinen Enkeln von ihnen erzählen, so wie meine Mutter mir von den Kühlhäusern.

  17. @buchnekromant:

    Eine schöne Geschichte. Ich glaube, die werde ich in meine Anekdotensammlung rund um das Thema digitalen Medienwandel übernehmen :-)

  18. Hier mal eine Einschätzung von einer ganz anderen Seite:
    Arne Schulze-Geißler, Chefredakteur Adzine analysiert das Problem von der Vermarktungsseite.
    http://adzine.de/de/site/Handeln-nicht-fordern-/21274/page/news/details.xml

  19. @ Albert Warnecke

    Danke für den Link. Was Arne Schulze-Geißler schreibt, klingt für mich sehr überzeugend.

  20. leider schade, daß auch hier allgemein rumschwadroniert wird.
    Und auch hier die konkrete Studie von Dr. R. Albrecht (2007) mit
    dem Nachweis, daß und wie speziell google.de nachzensiert
    (in: Aufklärung und Kritik 2007 sowie in: SUCH LINGE 2008 gedruckt)
    nicht zur Kenntnis genommen wurde … Gruß Sponti/13.07.2009

  21. @egghat, @heikoseifert – ihr glaubt ja wohl nicht, dass sich die Tanten und Onkels (Sumas) wirklich an die robots.txt halten? dann seid ihr aber ein wenig naiv, und nicht gerade erfahren :o)

  22. Tja…dann soll er halt seine Seiten vom Netz nehmen, wenn ihn das stört. Aber wie hier schon gesagt, da kommt sicherlich kein potienzieller Kunde mehr vorbei. Oder Google kann ihm ja auch für vermittelte Besucher eine Rechnung stellen.

    Gruß
    Erik

  23. Also, dass die meisten Website-Besucher auf Verlags- oder TV-Sender Seiten gehen halte ich ehrlich gesagt für ein gerücht. Und wenn ich meine offene Meinung sagen darf: Wer Google boykottiert schiesst sich ein
    grandioses Eigentor. Nicht umsonst sind heutzutage oftmals 90% mehr der Klicks über Mr. Google.

  24. @Michael:
    Google gibt die Zahlen nicht offiziell heraus, aber es ist mittlerweile ein offenes Geheimnis, dass nur rund 5 Prozent aller über Google-Suchen gefundenen Seiten Verlags-Websites sind (in den vorderen Suchergebnissen, ab der 2. Seite der Suchergebnisse klickt sowieso kaum jemand darauf). Dazu gibt es inzwischen auch eine Studie, über die ich hier berichtet habe:
    http://medialdigital.de/2009/09/09/fuhren-google-suchen-auf-verlagssites-die-meisten-nicht/

  25. Solange die Verlage volle Werbekassen hatten war die Welt für die in Ordnung. Gerade Burda versucht ja mittlerweile mit diversen Ablegern wie der Burda Media im Internet Fuß zu fassen aber in diesen Fällen nicht mit Kontent! Auch Holtzbrinck wurde ja kreativ mit seinen VZ Netzwerken und nutzt im Grunden nun fremden Kontent.
    Vielleicht müssen die sich mal selbst neu erfinden und z.B. interessante Artikel der Bloggosphäre aufgreifen und vergüten – wer weiß?
    Paid Kontent ist tot und damit kommen die Verlage natürlich nicht klar.
    Der Weg jetzt bei Google die Hand aufzuhalten ist sicher nicht der Weg.

Trackbacks

  1. [...] Kleiner, gemeiner und feiner Artikel über die Medienökonmie aus Sicht der Burdas dieser Welt bei der famosen Ulrike [...]

  2. [...] Mehr zum Thema: Medial Digital – Dann boykottiert doch Google [...]

  3. [...] Update: Medial Digital nimmt den Burda Artikel auch auseinander und gibt ihm eine einfache Lösung: Dann boykottiert doch Google! [...]

  4. [...] Produzenten von Inhalten gibt. Und bitte alles so belassen. Nur keine Veränderung. P.P.S.: Media Digital hat einen sehr, sehr schönen Kommentar zu Hubert Burdas Beitrag geschrieben. Die Autorin Ulrike [...]

  5. [...] Überschrift Verleger fordern Schutz vor und Geld von Suchmaschinen zusammen. Weitere Reaktionen hier, hier und [...]

  6. [...] banque Hubert! andere Stimmen zum gleichen Sujet: “Denkfehler” von Martin Oetting “Dann boykottiert doch Google” von medial digital Frei nach David Weinberger “Link, Link, Link!” findet sich bei Carta [...]

  7. [...] Medial Digital – Medien, digitale Medien, Medienwandel, Journalismus, Internet, soziales Internet,…medialdigital.de [...]

  8. [...] Menschen im Netz erreichen, die sich jetzt an ihm und seinen Argumenten abarbeiten (Martin Oetting, Ulrike Langer und viele andere). Seine Adressaten sind jedoch seine Leute im VDZ und in der [...]

  9. [...] bedingt die Rede sein. Medienjournalistin Ulrike Langer geht trotzdem noch einen Schritt weiter und fordert die Verleger auf, Google einfach zu boykottieren – schließlich ließen sich die Crawler leicht [...]

  10. [...] Ähnlich wie die Gelben Seiten, mit dem Unterschied, dass ein Eintrag in diese Geld kostet. Medienjournalistin Ulrike Langer präzisiert das: „Hierfür als Verlag die Hand auf zu halten, wäre genauso absurd, wie von Kioskbesitzern eine [...]

  11. [...] einem sehr lesenswerten Blogartikel hat Ulrike Langer die letztlich von Hubert Burda geforderte Verwertungsabgabe von Suchmaschinen an [...]

  12. [...] Ulrike Langer: Dann boykottiert doch Google! [...]

  13. [...] Menschen im Netz erreichen, die sich jetzt an ihm und seinen Argumenten abarbeiten (Martin Oetting, Ulrike Langer und viele andere). Seine Adressaten sind seine Leute im VDZ und in der [...]

  14. [...] Langer erinnert daran, dass Google mit der Verlinkung eine Dienstleistung erbrint, so dass der Geldfluss auch [...]

  15. [...] Langer hat sich bei Medialdigital auch mit dem Artikel von Hubert Burda beschäftigt: Dann boykottiert doch Google! Und genau hier liegt das große Missverständnis. Google erbringt mit der Verlinkung eine [...]

  16. [...] kann sich an Burda inhaltlich versuchen, wie es Ulrike Langer großartig vormacht, man kann mit Julius Endert feststellen, dass Burda sich seiner zweifelhaften Argumente wohl [...]

  17. [...] Verlagen eigentlich noch entgegenkommt. Sonst kann man Google ja auch immer noch boykottieren, wie mediadigital vorschlägt [...]

  18. [...] ausgebremst Bezirksverwaltungsstelle Dortmund-Huckarde, Serviceteam 2 Quelle – Von wegen fair Dann boykottiert doch Google! Peinliche Twitter-Schlammschlacht nach der Bundespräsidentenwahl Lammlachse / Rinderfilet mit [...]

  19. [...] sehen. Zur Forderung von Herrn Burda zum Weltkulturerbe erklärt zu werden hat Ulrike Langer in Dann boykottiert doch Google! eine scharfe und sehr deutliche Replik geschrieben. Der Perlentaucher erklärt und entlarvt Herrn [...]

  20. [...] ist vor allem ein Unternehmen: Google. Ulrike Langer zum Beispiel beurteilt diesen Vorstoß Burdas folgendermaßen: “Der Verleger ist nicht per se dagegen, dass Suchmaschinen Links zu Verlagsinhalten setzen. [...]

  21. [...] in der FAZ einerseits, sowie die sehr guten Antworten darauf von Anja Seeliger im Perlentaucher und Ulirke Langer auf medial digital. Mein Artikel auf Carta zielt auf die technische Ebene und endet mit einem Plädoyer an die Kraft [...]

  22. [...] Dann boykottiert doch Google! Boykott von Google ist wohl keine Lösung, oder? (tags: Google Medienwandel Journalismus Internet Urheberrecht online Hubert_Burda) [...]

  23. [...] ist dazu schon viel geschrieben worden, mir erscheint es vor allem absurd, das bloße Finden-Lassen der [...]

  24. Burdas Google-Bashing ist ein Hilferuf…

  25. [...] – Hubert Burda und das Leistungsschutzrecht perlentaucher.de – Die vierte Gewalt ist jetzt im Netz medialdigital.de – Dann boykottiert doch Google wirres.net – Hubert Burda will lieber nehmen als [...]

  26. [...] http://medialdigital.de/2009/06/30/dann-boykottiert-doch-google/ [...]

  27. [...] Langer, Media Digital // Dann boykottiert doch Google! But please notice that I’m not saying there has never been a more lucrative or prestigious [...]

  28. [...] Google hier für die Medien erbringt ist ein Dienst an die Medien ist in Zustimmung auch für den Beitrag von Ulrike Langer eine Leistung, die eigentlich von den Medien bezahlt werden müsste. Und nichts, wofür diese eine [...]

  29. [...] Dann boykottiert doch Google! Na gut, ein klitzekleines bisschen Senf zur Google-Spitze von Hubsi Burda in der FAZ sei gestattet. Auch wenn der Sturm bereits vorbeigeschwappt ist und jeder weiß: Es ist doch alles Taktik und Politik. Aber dieser Text bringt es so schön auf den Punkt. Von Ulrike Langer, medialdigital.de (tags: Medien Google Internet Journalismus) [...]

  30. [...] ist und wie die Parteien dazu stehen. Jörg Rings erklärt den Quantencomputer. Ulrike Langer erklärt Hubert Burda und Google. Der Ecoluddit erklärt sich [...]

  31. Rohrkrepierer: Alte Ideen gegen moderne Medienkultur…

    Was wohl mit den traditionellen Medien passiert, wenn Google sie aus den Trefferlisten streicht oder nach hinten verbannt? Was wohl mit Spiegel und Co. passiert, wenn sie in der Onlinediskussion der digitalen Generationen nicht mehr berücksichtig…

  32. [...] (lesenswert: Die Diskussion bei http://carta.de und Ulrike Langers Replik auf den Burda-Beitrag: „Dann boykottiert doch Google“ in ihrem Blog http://medialdigital.de [...]

  33. [...] bedingt die Rede sein. Medienjournalistin Ulrike Langer geht trotzdem noch einen Schritt weiter und fordert die Verleger auf, Google einfach zu boykottieren – schließlich ließen sich die Crawler leicht [...]

  34. [...] Publisher kann Google ganz einfach boykottieren und seine Seiten von der Indexierung durch die Suchmaschine ausschließen. Wer aber die positiven [...]

Schreibe einen Kommentar