Flat-Think-Mentalität in der “FAZ”: Wenn Analogien wehtun
31. Juli 2009 | Von Ulrike Langer | Kategorie: Internetnutzung, Journalismus, Neu
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Armes Internet. Es gibt kaum einen Missstand auf der Welt, für den du nicht verantwortlich gemacht wirst. Kinderschändungen, Amokläufe, Gewaltverherrlichung, das “Übersehen der Opfer in der realen Welt” . Und jetzt bist Du auch noch schuld daran, dass immer mehr jugendliche Säufer auf den Plätzen in unseren Innenstädten herumlungern. Das liegt nämlich daran, dass diese jungen Leute die Flatrate-Mentalität (Wieso eigentlich nicht auch die Gratis-Mentalität?) aus dem Netz auf den Konsum von Alkohol übertragen haben. Ist ja auch logisch: Wenn junge Menschen damit aufwachsen, dass Online-Shops immer geöffnet und per WLAN oder mobiler Flatrate von überall zu erreichen sind, dann müssen diese Digital Natives doch zwangsläufig denken, dass sich man sich auch immer und überall besaufen darf und sollte. So die Kernthese in Richard Kämmerlings intellektuell bestechend schlichtem FAZ-Beitrag “Ausweitung der Trinkzone”.
In seiner wüsten Aneinanderreihung von Analogien, die mit dem Übel des entgrenzten Einkaufens beginnt (auch offline, da ja auch die Ladenschlusszeiten nicht mehr das sind, was sie mal waren), den Fluch der ständigem Erreichbarkeit durch Email und Handy nicht vergisst und schließlich auch die Einrichtung von Langen Nächten in Museen als Flatrate-Mentalität geisselt, vergisst Autor Richard Kämmerlings nur eines: Die Logik.
Was bitte, hat das alles miteinander zu tun? Außer, dass dieser Text sich nahtlos einfügt in die anschwellenden Bocksgesänge von Feuilletonisten, denen das Internet offenbar unheimlich geworden ist. Nebenbei: Wie man sich als Zeitungsredakteur in seiner Kurzbio rühmen kann, man habe gelernt, “die Popkultur ernst zu nehmen” und dabei die Netzkultur so vollends missdeuten kann, ist mir ein Rätsel.
Ich schreibe diese Zeilen übrigens aus Kanada – einem Land, in dem trotz 24-Hour-Stores und Sonntagseinkäufen der Alkoholkonsum im öffentlichen Leben außerhalb von lizensierten Gaststätten verboten ist. Ebenso wie fast überall in den USA. Vielleicht sollte ich meinen kanadischen und amerikanischen Freunden den FAZ-Text mal übersetzen. Die würden sich totlachen.







