NowPublic – eine Plattform für crowd-powered journalism

NowPublic ist eine feste Größe in der Medienlandschaft von Kanada und darüber hinaus. Mit einem Stamm von 20 bis 25 Mitarbeitern (darunter fünf Redakteure) stellt  die Nachrichtenplattform seit fünf Jahren Nachrichten zur Verfügung. Qualität  und Wahrheitsgehalt beruhen – ähnlich wie bei Wikipedia – auf dem Prinzip der Schwarmintelligenz. Mehr als 200.000 aktive Nutzer stellen weltweit Beiträge ein. Kollaborativ wird daraus das Prinzip des “crowd-powered journalism”. Ein Begriff, der sich schwer übersetzen lässt – vielleicht am ehesten  als “Schwarmintelligenz-Journalismus”. NowPublicFernseher

Das Prinzip dahinter: Der einzelne kann ruhig aus seiner subjektiven und journalistisch laienhaften Sicht berichten. Aus der Vielzahl verschiedener Perspektiven entsteht dennoch ein vielschichtiges und journalistisch ausgewogenes Bild. (Einen Leitfaden mit journalistischen Mindeststandards gbit es ebenfalls). Vom Hurrican Katrina berichteten für NowPublic  2.000 Augenzeugen – und somit mit weitaus mehr Stimmen, als die Nachrichtenorganisationen mit ihren professionellen Reportern vor Ort. NowPublic ist 2009  für einen Emmy nominiert worden,  der Guardian nannte die Plattform eine der “fünf nützlichsten neuen Websites” und Time Magazine listete sie als eine der “Top 50 Websites for 2007″.

Micheal+ich2NowPublic hält mit einem Baukastensystem multimedialer Reporting-Tools die Schwelle zum Mitmachen möglichst niedrig und war laut Tippett Vorbild für CNNs iReport, dass seit 2008 seinen Nutzern ebenfalls ermöglicht Fotos, Videos und Textnachrichten zu publizieren.

In der Zentrale in Vancouver habe ich mit Michael Tippett ein Interview geführt über die Stärken und Grenzen von NowPublic, darüber was “crowd-powered journalism” von traditionellem Journalismus unterscheidet, und darüber, wie sich beide gegenseitig ergänzen und befruchten können.

Im ersten Teil (9:44 min) spricht Tippett u.a. über die Organisation von NowPublic, das Prinzip “crowd-powered journalism”, was ihn am Begriff “citizen journalism” stört, Maßnahmen zur Qualitätssicherung und die Finanzierung des Projekts.

Im zweiten Teil (7:56 min) geht es u.a. um Reporting-Tools, um die Zusammenarbeit mit der Zeitung Vancouver Sun, und Widgets für die Einbindung von nutzergenerierten Nachrichtenperspektiven auf traditionellen Medienseiten, um Perspektiven für die Kollaboration von crowd- und professional-powered journalism und die Rolle von Journalisten in einem solchen Modell.


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