Führen Google-Suchen auf Verlagssites? Die meisten nicht.
9. September 2009 | Von Ulrike Langer | Kategorie: Neu, ZeitungszukunftDie Beratungsfirma The Reach Group (TRG), Spezialistin für Suchmaschinenmarketing, gab heute eine Presseerklärung mit der Schlagzeile heraus:
Warum die „Hamburger Erklärung“ am Thema vorbeigeht
Hamburg, den 09. September 2009: Die Präsenz von Verlagen in Google Suchergebnissen ist deutlich geringer als bisher vermutet.
Hintergrund ist die “Hamburger Erklärung” von 166 Verlagen (darunter 148 deutsche), die unausgesprochen auch oder sogar vor allem auf Google abzielt, weil die Suchmaschine mit dem Anzeigen von Suchergebnissen glänzende Geschäfte macht. Wörtlich heißt es in der Erklärung:
Zahlreiche Anbieter verwenden die Arbeit von Autoren, Verlagen und Sendern, ohne dafür zu bezahlen. Das bedroht auf die Dauer die Erstellung von Qualitäts-Inhalten und von unabhängigem Journalismus.
TRG will nun nachgewiesen haben, dass die vermeintlichen oder tatsächlichen Ansprüche der Verleger – so sie denn jemals durchgesetzt werden können – für lange Gesichter in den Chefetagen sorgen würden. Tatsächlich sähen die ersten Seiten der allermeisten Suchanfragen laut TRG nämlich kaum anders aus, wenn man die Verlagsinhalte der betreffenden Verlage einfach aus den Suchergebnissen ausschließt:
Demnach führen nur 5 Prozent aller jeweils als erste zehn Treffer angezeigten Treffer auf die Websites der Unterzeichner der Hamburger Erklärung. Dieser Ausschluss ist insofern sinnvoll, als dies ungefähr der ersten Ergebnissseite bei Google entspricht und die meisten Webnutzer die nächsten Ergebnisseiten nicht einmal aufrufen.
Die zweite Tortengrafik zeigt, dass die Verlage über alle untersuchten Stichworte hinweg nur auf 4,13 Prozent der ersten Treffer kommen, Wikpedia aber auf 13,63 Prozent. Angesichts von nur 0,01 Prozent an allen geschätzten fünf bis zehn Milliarden deutschen Seiten im Google-Index ist Wikipedia demnach ein Riese bei den Suchergebnissen und die Verlagsseiten (4,01 Prozent aller Seiten) sind Zwerge.
Allerdings ist die Studie nicht vollständig, was auch meedia bemängelt. Ohne zu wissen, wonach die Deutschen denn am häufigsten suchen, diese Suchwörter entsprechend ihrer Häufigkeite zu gewichten, und die gewichteten Suchen mit den Ergebnisssites zu vergleichen, ist die Studie wenig wert. ”Wir haben mehrere Millionen Keywords ausgewertet” sagte mir TRG-Chef Christoph Burseg. Allerdings käme auch TRG nicht an die Gewichtung der Suchworte heran.
Google-Sprecher Stefan Keuchel bestätigte mir, dass Google in absoluten Zahlen nicht veröffentlicht, wie oft nach einzelnen Stichworten gesucht wird. Die Aussage von Google-Europa-Chef Philipp Schindler, dass nur ein geringer Teil der Suchergebnissen auf Verlagsseiten führt beruht allerdings auf gewichteten Daten, wie Keuchel bestätigt.
Immerhin ganz interessant ist jedenfalls die Anzeige der Top-Ten-Suchbegriffe in den letzten 90 Tagen laut ”Google Insights for Search”:
Dies sind keine Suchanfragen, hinter denen man große Zeitungs-Website-Relevanz vermuten würde. Ich habe die jeweils ersten Seiten dieser Suchen mal überprüft. Und in der Tat würden die Verlage mit Werbeetragsanteilen an diesen Treffern wohl nicht reich werden. Es tauchen auf bei der Suche nach:
- youtube: Spiegel Online (6. und 7. Stelle)
- wetter: Golem (Klaß & Ihlenfeld Verlag, 10. Stelle)
- ebay: Golem (11. Stelle)
- google: kein Verlag
- facebook: Bild.de (4.), Zeit.de (6.), Golem.de (7.) Bild.de (9.)
- you: kath. Jugendmagazin you (4.), Heise (5.)
- münchen: kein Verlag
- gmx: kein Verlag
- tv: tvtoday (2.), tvmovie (3.), tvspielfilm (7. und 8.), Spiegel Online (11.)
- web.de mz-web (Mitteldeutsche Zeitung, 4. und 11.)
Dies ist wohlgemerkt nur eine Momentaufnahme vom 9.September zwischen 16 und 17 Uhr, die Trefferlisten aktualisieren sich ja ständig. Dieser kleine Test zeigt aber dennoch, dass tatsächlich nur ein Bruchteil der sehr häufigen Suchen auf Verlagswebsites führt. Das Ergebnis sieht natürlich anders aus, wenn man z.B. nach tagespolitischen Begriffen sucht – aber die meisten Suchen sind eben viel banaler.
Überhaupt keine Aussagekraft hat es jedenfalls, wenn man wie Klardeutsch, die Studie von TRG von vornherein für “halbgar” erklärt, nur weil seine eigene Suche nach einzigen Begriff (!), nämlich “Dieter Althaus”, 81 Prozent Verlagstreffer ergab. Wen wundert das – zehn Tage nach der Langstagswahl in Thüringen und wenige Tage nach seinem Rücktritt und dem Rücktritt vom Rücktritt.
Am Rande: Interessant finde ich übrigens, wieviele Leute ohne weitere Zusätze nach genau den Begriffen googeln, die sie einfach nur in die URL eingeben müssten…









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