“Für Verlage sind soziale Netzwerke noch zu sehr Spielwiese” – Interview mit Peter Schink


Bild 1Peter Schink, der als Leiter Produktentwicklung im Axel Springer Verlag Welt Online mit drei Relaunches in der Reichweite weit nach vorne gebracht und das Internet-Manifest mitverfasst hat, und Medienberater Steffen Büffel, Redaktionsleiter der Blogpiloten, gründen gemeinsam die mediati – Agentur für mediale Zukunft. Sie will Verlagen mit Konzepten und Strategien und der konkreten Umsetzung beim Übergang ins digitale Zeitalter helfen. Was sind dabei die größten Baustellen? Ein Interview mit Peter Schink.

Was bietet die Agentur mediati?

Peter Schink: Wir bieten Strategieberatung. Was will ein Verlag im Internet? Wie kommt er zu möglichst vielen Lesern oder Nutzern? Und wir bieten die konkrete Umsetzung beim Projekmanagement oder Relaunchprojekten.

Haben Sie auch schon Kunden?

SchinkJa. Ohne Namen zu nennen: Wir werden künftig für mehrere größere Verlage arbeiten.

Versprechen Sie sich mehr davon, Konzepte von außen aufzusetzen anstatt intern für die Umsetzung verantwortlich zu sein?

Auf jeden Fall ist es ein Vorteil, wenn man zwar die Verlagsbranche von innen kennt, aber auch einen übergeordneten Blick hat und von außen mit Ideen kommt. Es ist leichter, innovativ zu sein und Dinge auch wirklich state of the art umzusetzen, als wenn man im Verlag sitzt und von dort aus während des Tagesgeschäfts schauen muss, was sich draußen im Internet tut.

Sie waren Head of Product Development bei Springer. Konnten Sie dort Ihre Konzepte nicht genügend umsetzen?

Ich bin letztlich bei Springer weggegangen, weil ich drei Relaunches von Welt Online verantwortet habe. Da fragt man sich natürlich, was kommt denn jetzt danach? Letztlich war für mich dann die Entscheidung klar: Es ist nicht der vierte Relaunch, sondern ich will jetzt mal einen Tapetenwechsel vornehmen.

Was sind die größten digitalen Baustellen in den Verlagen?

Das wichtigste Momentum: Viele Verlage tun sich schwer, tatsächlich Innovationen im Internet umzusetzen. Sie hinken den Entwicklungen im Internet oft hinterher. Der zweite Punkt: Wenn man ins Internet geht, muss man auch schauen, wie man neue Technologien und neue Kanäle möglichst gut adaptiert und den Kunden das bietet, was sie auch haben wollen. Im Internet erfolgreich sein, ist für Verlage gar nicht so einfach.

Wird zu wenig ins Ausland geschaut? Z.B. in die USA und nach Großbritannien, wo die digitale Revolution viel weiter fortgeschritten, aber auch der Druck durch das Zeitungssterben größer ist?

Das ist ein zweischneidiges Schwert. Zum einen: Ja, gerade in den USA tut sich viel mehr als bei uns und viele Entwicklungen passieren auch viel früher. Zum anderen kann man die Entwicklungen aber auch nicht eins zu eins adaptieren, sondern muss deutsche Nutzungsverhältnisse berücksichtigen. Man muss als Verlag herausfinden: Wie kann ich Facebook oder Twitter für mich nutzen? Wie muss ich da auftreten, um tatsächlich neue Leser zu gewinnen oder vorhandene Leser nachhaltiger zu binden?

Mein Eindruck: Die Umwälzungen, die sich durch soziale Medien ergeben, werden von den Verlagen hierzulande noch gewaltig unterschätzt. Teilen Sie diesen Eindruck?

Tatsache ist, dass vor allem soziale Netzwerke wie Twitter oder Facebook von den Verlagen noch zu sehr als Spielwiese aufgefasst werden, die dahinter stehenden umwälzenden Veränderungen der Kommunikationsgewohnheiten aber unterschätzt werden. Gerade junge Menschen kaufen viel weniger Tageszeitungen als die Generation 50+. Das heißt nicht, dass sie sich nicht informieren wollen. Aber sie informieren sich eben anders als ältere Menschen. Darauf müssen Verlage Antworten finden.  Und dabei wollen wir helfen.

via meedia