Wem nutzen E-Books? Nutzern oder Verlagen?

Kindle_2_-_FrontEin dominantes Thema auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse  werden E-Books und E-Reader sein. Laut einer Studie der Frankfurter Buchmesse, Buchreport  und Publishers Weekly glauben mehr als die Hälfte von 840 befragten Branchenexperten , dass 2018 die Umsätze mit digitalen Inhalten die des klassischen Buchgeschäfts überholen werden.

Das ist ein durchaus ehrgeiziges Ziel angesichts der Tatsache, dass in den USA der Umsatzanteil von E-Books  erst zwei Prozent betrug. Und das, obwohl der Kindle dort schon seit fast zwei Jahren auf Markt ist, 350.000 Bücher über Amazon geladen werden können (darunter fast alle New York Times-Bestseller) und auch eine Reihe von Zeitungen verfügbar sind.

Verlage haben aber in der Tat Vorteile, wenn sie sich dem Markt der  E-Reader und E-Books nicht verschließen:

  • Druck-, Lager- und Vertriebskosten entfallen, beim Absatz gleich vieler elektronischer Ausgaben gegenüber gedruckten Exemplaren ist die Gewinnspanne also höher.
  • Das Geschäft bleibt bei den Verlagen. Zehn Jahre Musik-Filesharing haben hinreichend bewiesen, dass die Existenz und Verbreitung digitaler Kopien nicht dadurch unterdrückt werden können, dass die Rechteinhaber sich dem Markt verschließen. Der Markt findet dann halt ohne sie statt, zur Not eben illegal.
  • Auch-Mini-Auflagen exotischer und selten nachgefragter Bücher werden nach dem Long-Tail-Prinzip lohnenswert, wenn man die Bücher nirgendwo vorrätig halten muss. (Nach diesem Prinzip funktioniert auch Amazon Marketplace für den Long Tail einer Vielzahl von Waren sehr gut, denn auch dort es ist nicht Amazon, dass sich mit Lagerung und Versand abgibt.)
  • Doch was sind die Vorteile eines E-Books für Nutzer? Dem oft vorgebrachten Argument, dass man ein Gerät in der Größe eines Taschenbuchs mit dem Inhalt einer ganzen Bibliothek mit in den Urlaub nehmen kann, anstatt sich mit einer beschränkten Auswahl von Taschenbüchern abzuschleppen, überzeugt mich vergleichsweise wenig, so lange die Nachteile und offenen Fragen schwerer wiegen:

  • Warum soll ich für eine elektronische Ausgabe eines Buches genausoviel bezahlen, wie für eine gedruckte, wie beispielsweise der Holtzbrinck-Verlag zum Start seines E-Book-Angebots ankündigt.? Immerhin spart der Verlag wie oben ausgeführt zumindest mittelfristig Geld, warum reicht er nicht einen Teil davon als Anreiz an Kunden weiter? Wahrscheinlich wieder wegen der Buchpreisbindung, die sich allmählich zum echten Hemmnis für neue Geschäftsmodelle entwickelt.
  • Wenn E-Book-Käufer schon genausoviel bezahlen sollen, warum haben sie dann nicht die gleichen Rechte wie die Käufer eines gedruckten Buches? Letztere dürfen ihr Buch beliebig oft verleihen, E-Book-Käufer dürfen die Buchdatei auf fünf Geräten zum persönlichen Gebrauch nutzen.
  • Zumindest beim Kindle/Amazon Modell bezahlen E-Book-Käufer obendrein auch noch Transaktionskosten, und zwar 40 Prozent mehr als US-Kindle-Nutzer, berichtet The Guardian. Als Kosten obendrein auf das hier ohnehin teurer über den US-Amazon-Store vermarktete Gerät. (Zollgebühren fallen an).
  • Wenn sich ein Buch als Fehlkauf erweist, dann bringe ich es zum Flohmarkt oder verkaufe es bei Amazon. Aber was macht man mit einem gebrauchten E-Book? Erlaubt das DRM in diesem Fall die Übertragung von Rechten?
  • Schon gar nicht sehe ich E-Reader nicht als Paid-Content-Lösung für Zeitungsverlage. Vor allem nicht, solange e-Reader nur Schwarz-Weiß-Druck, kein Layout und keine Illustrationen abbilden und keinen Zugang zum Netz über Links ermöglichen.
  • Warum ich nicht einmal an iPhone Apps als Paid-Content-Chance für Zeitungsverlage glaube, solange die Anwendungen nicht die Multimedia-Funktionalitäten des iPhones mit einbeziehen, habe ich bereits in diesem Beitrag ausgeführt: Auch ein Apple Tablet wird deutsche Zeitungen nicht retten
  • Und was sind Ihre Argumente Pro und Contra E-Book? Glauben Sie an einen schnellen Druchbruch?

    Foto: ShakataGaNai / Wikimedia Commons

    6 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

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    3. wenn der reader tatsächlich toll und ausgereift sein sollte, was er zur zeit nicht ist, dann ist der gedanke, mehrere (internationale) zeitungen abonnieren zu können, schon sehr reizvoll. (deutsche zeitungsabos sind in österreich beeindruckend teuer, wie ich meine.) das mit der preisgestaltung und drm wird und muss sich entwickeln. war doch beim musikmarkt auch so. wenn ich einen wöchentlichen blick in meine altpapier-schachtel werfe, dann freue ich mich auf einen guten reader….

    4. @Alvy Singer:
      Das ist grundsätzlich schon richtig. Ich ärgere mich darüber, dass ich z.B. für ein “Wired”-Abo dreimal soviel bezahlen soll wie in den USA. Da bezahle ich dann 2/3 des Preises nicht für Inhalt + Produktion, sondern für den Papiertransport über den Atlantik. Eine wesentlich (!) preiswertere iPhone-App mit diesem Inhalt und aufwändiger wäre etwas, wofür ich bezahlen würde. In schwarz-weiß auf dem Kindle oder Sony Reader allerdings nicht.
      ABER: Wired ist ein opulent gestaltetes Monatheft, in das ich mehrmals reinschauen würde. Bei einer Tageszeitung würde ich das nicht tun. Ich lade ich ja auch keinen Musiktitel bei iTunes herunter, um ihn mir dann nur einmal anzuhören. Deshalb hinkt der Vergleich mit der Musikwirtschaft.

    5. wir haben offenbar unterschiedliche rezeptionsvorlieben. zwar finde ich es beeindruckend, wie gut sich texte auf dem iphone lesen lassen, doch kann ich mir nicht vorstellen, dass eine wired-app auch nur annähernd an das vergnügen eines wired-magazins herankommen kann (gerade das grossartig gemachte wired ist ein gemein-anschauliches beispiel). doch am sonntag-morgen neben dem bett nicht nur eine zeitung, sondern einen ganzen kiosk zu haben und unter wams, sz, nzz oder nyt wählen zu können, beflügelt meine fantasie. (zumindest die wochenend-ausgaben haben eine längere beständigkeit als die tageszeitung selbst). schwarz-weiss würde mich (als gelernten zeitungsleser) nicht so stören – entscheidend ist ein klug kalkulierter preis. ich finde, da ist itunes schon eine referenz mit dem anfänglichen “jeder song 99 cent”-konzept. stimmt, dass ich für einen song, den ich nur einmal hören will, nicht zahlen will. aber informationen sind eben flüchtiger – cds und platten hebe ich auf oder verkaufe sie weiter. zeitungen landen im altpapier und trotzdem zahle ich dafür.

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