Serie Multimedia-Tutorial RGMP (2): Starten Sie ein Blog

journalism-wordleDies ist Teil 2 meiner ins Deutsche übersetzten Tutorial-Serie “Reporter’s Guide to Multimedia Proficiency” der amerikanischen Journalismus-Dozentin und Bloggerin Mindy McAdams. (Teil 1 vom letzten Dienstag: Blogs lesen und RSS benutzen).

Starten Sie ein Blog

Das heutige Thema mag Ihnen banal erscheinen, aber ein Blog zu schreiben – regelmäßig und mit einem gewissen Anspruch  – schult Ihre Fähigkeit, sich in neue Themen einzuarbeiten.

Der Vorteil für Journalisten, die sich neue Fähigkeiten für das Online- und Multimedia-Publizieren aneignen wollen und müssen: Die selbstauferlegte Verpflichtung, das Blog zu füllen, zwingt Sie dazu, sich intensiver mit neuen Themen zu beschäftigen. Es ist wie an der Uni ein Seminar mit anschließender Prüfung zu belegen, anstatt das gleiche Thema nur in einer Vorlesung zu hören. Wenn Sie nur passiv und unverbindlich Informationen aufnehmen, erlahmt Ihr Eifer sofort wieder, sobald Sie anderweitig sehr beschäftigt sind.

Natürlich vernachlässigen manche Blogger ihre Blogs auch schnell wieder. Aber diejenigen, die dran bleiben, werden feststellen, dass das Blog sie in einer Weise mit Gleichgesinnten und Themen verbindet, die sie nicht vorhergesehen haben.

Bevor wir ans Eingemachte gehen: Der Schlüssel für ein ein erfolgreiches Blog ist Vernetzung. Ein Blog ist eine Schatzkiste für Ihre persönlichen Gedanken. Blogs sind großartige Werkzeuge, um Informationen, Wissen und Ansichten mit anderen zu teilen, und das funktioniert in zwei Richtungen.

Ein Blog ist ein Knotenpunkt in einem ganzen Netzwerk voller Knotenpunkte, mit einem Mensch hinter jedem Knoten. Ihr Blog gibt Ihnen eine Chance wahrgenommen zu werden – aber nur, wenn sie es mit der Einstellung Geben und Nehmen betreiben.

Diese beiden Praktiken sind wichtig:

  • Auf andere Blogs und Seiten verlinken. Und zwar zu einzelnen Beiträgen, nicht nur auf die Startseiten. Das macht Sie für andere Blogger und deren Leser sichtbar. Und führt Ihrem Blog über trackbacks neue Leser zu.
  • Kommentieren Sie auf anderen Blogs. Vor allem auf Blogs, die mit Ihrem thematisch verwandt sind. Im Kommentarfeld sollten Sie immer Ihren vollständigen Namen und Ihre Blog-URL angeben — auf diese Weise kommen Kommentarleser mit einem Klick auf Ihren Namen auf Ihr Blog. Und Sie haben wieder neue Leser.

Ihre Blogeinträge können ruhig kurz sein. 300 Worte ist schon reichlich für viele Einträge. Dieser Eintrag hat jetzt schon mehr als 300 Worte, also wird es Zeit für eine Zwischenüberschrift.

Worüber sollte ich bloggen?

Sie können über ihr Spezialgebiet bloggen, wenn Sie eins haben. Aber wenn Sie diese Serie lesen, weil Sie Ihre Online- und Multimedia-Fähigkeit steigern wollen, dann empfehle ich Ihnen ein persönlicheres Themenfeld. Hier sind einige Beispiele:

  • Multimedia Reporter: Ron Sylvester war ein über 40jähriger Gerichtsreporter, als er sein Blog startete, um seine Lernfortschritte im Online- und Multimedia-Journalismus zu dokumentieren. Obwohl er das Blog inzwischen wieder aufgegeben und 2007 ein neues Blog gestartet hat , ist Multimedia Reporter immer noch ein schönes Besispiel für den Aufbruch eines Reporters in neue Gefilde.
  • Meranda Writes: Noch ein Journalistenblog, diesmal aus der jungen Generation. Meranda Watling startete ihr Blog ungefähr zur gleichen Zeit, als sie, frisch von der Journalistenschule, ihre erste Vollzeit-Redakteurs-Stelle bei einer Tageszeitung im Bundesstaat Indiana antrat. Ich liebe dieses Blog! Es ist meiner Meinung nach besser als jedes Lehrbuch über “How to be a reporter”.
  • The Linchpen: Journalistenschüler schreiben auch Blogs. Während die Inhalte verständlicherweise von sehr unterschiedlicher Qualität sind, ist dieses hier von Greg Linch, der an der University of Miami Journalismus studiert, konsistent interessant und professionell. Es hat  Gregs Sichtbarkeit in der Medienwelt spürbar erhöht, und ich erwarte, dass dieses Blog ihm nach seinem Abschluss seine erste Redakteursstelle verschaffen wird.

Wie man mit dem Bloggen anfängt

Ich empfehle  WordPress.com als kostenfreie Blogplattform, und zwar aus mehreren Gründen. Einer ist die Vielzahl von Online-Tutorials und Support-Seiten. (zum Beispiel dieses  einminütige Video dass zeigt, man man einen neuen Blogpost veröffetnlicht. Hier ist eine Übersicht mit WP Features.

Gehen Sie einfach auf die Seite und klicken Sie den blauen Button Sign Up Now! an. Einfacher geht es wirklich nicht. Die ersten Schritte sind:

  1. Bei WordPress.com registrieren (Sie können Ihren Nutzernamen später nicht mehr ändern, also wählen Sie ihn sorgfältig)
  2. Starten Sie Ihr Blog und geben Sie ihm einen Namen, z.B. meinBlog.wordpress.com. Auch diesen Namen können Sie später nicht mehr ändern, also überlegen Sie sich gut, was Sie anstelle von “meinBlog” einsetzen.
  3. Wenn Sie nervös sind, lesen Sie Getting Started .
  4. Passen Sie die  Settings an. Vieles davon kann aber auch später noch geändert werden.
  5. Wählen Sie ein Blogtheme. Das bestimmt das Aussehen Ihres Blogs. Diese Einstellung können Sie oft ändern, wie Sie wollen. (Cool!)
  6. Schreiben Sie ihren ersten Blogeintrag und veröffentlichen Sie ihn.
  7. Löschen Sie den ”Hello World!” Blogeintrag, der Ihnen von WordPress mitgegeben wurde.
  8. Editieren Sie Ihren neuen Blogbeitrag und  fügen Sie einen Hyperlink hinzu (anschließend auf “Aktualisieren” klicken)
  9. Testen Sie den Link auf der Seite. Funktioniert er? Wenn nicht, gehen Sie zurück zum Dashboard und beheben Sie den Fehler.
  10. Gestalten Sie Ihre Sidebar(s) mit Widgets — das macht Spaß!

Resourcen für Blogger, die WordPress.com verwenden, sind zum Beispiel  how-to videos, das offizielle WordPress.com blog, und  — am allerbesten! — die offizielle  Support Seite, wo Sie Ihre Frage oder ein Stichwort in ein großes Suchfeld eintippen können. Sie werden für fast jedes Thema eine klare Antwort finden. (Es funktioniert, ich habe das viele Male ausprobiert).

Warum probieren Sie nicht schon am nächsten Wochenende Ihr neues Blog aus? Worauf warten Sie noch? Es ist keine Geheimwissenschaft. Jeder Journalist oder Autor kann das schaffen.

Lesetipps bei Teaching Online Journalism:

Using WordPress.com with new Dashboard (January 2, 2009)

5 tips for blog beginners (July 17, 2008)

Von Paul Bradshaw: Starting a blog? 12 ideas for blog posts

Anmerkungen von Ulrike Langer:

Eine sehr gute deutschsprachige Quelle mit Tipps zum Blogstart ist Blogprojekt von Peer Wandiger. Ich empfehle als Lektüre z.B. seine Blogstart-Serie für Einsteiger.

Die von Mindy McAdams empfohlene und auch von mir verwendete WordPress Software ist sehr gut, aber ihrem Tipp, bei WordPress.com zu starten, kann ich nur bedingt zustimmen. Ich habe dort selbst die ersten sechs Monate gebloggt, bevor ich im Juni mit medialdigital auf eine eigene Domain umgezogen bin.

Vorteile von WordPress.com: Man kann sich anfangs vollkommen auf das Bloggen konzentrieren, ohne sich um Software, Software-Updates oder das Hosting kümmern zu müssen. Was ja auch Geld kostet. Allerdings nicht viel. Mein Host ist die Blogstraße und die berechnet mir sehr faire 4 Euro im Monat.

Nachteile von WordPress.com: Man stößt in der Gestaltung sehr schnell an seine Grenzen: Sehr viele fremde Plugins und Widgets funktionieren nicht. Code, der Java enthält, darf grundsätzlich nicht verwendet werden. Außerdem macht ein selbstgehostetes Blog mit einem Theme, das nicht ganz so häufig im Netz zu sehen, einen professionelleren Eindruck. Wenn man später sein Blog auf eine eigene Domain verlagern will, ist das zwar technisch möglich, aber die vorhandenen Links werden alle umgeleitet und Google erkennt das nicht. Wenn man also schon eine ganz gute Verlinkung hatte, muss man bei Google wieder von vorne anfangen, um eine gute Platzierung in den Suchergebnissen zu erreichen. Es dauert einige Monate, bis man wieder dort ist, wo man schon mal war.

Image: Wordle