5 Fehler von Printmedien beim Umgang mit Online-Kommentaren

21. Oktober 2009 | Von Ulrike Langer | Kategorie: Neu, Zeitungszukunft


Je mehr ich mich im sozialen Netz bewege, desto unangenehmer stoßen mir die Kommentarregeln und -darstellungen vieler Printmedien auf ihren Online-Seiten auf. Hier sind fünf grundlegende und häufige Fehler, die ich beheben würde, wenn ich in einer Onlineredaktion Verantwortung trüge:

1. Begegnen Sie Ihren Lesern mit Vertrauen, nicht mit Misstrauen

FRWas soll das? Lassen Sie es zu, dass Ihre Kommentatoren Links setzen. Auf etwas Interessantes und die Diskussion Bereicherndes hinzuweisen, indem man darauf verlinkt, ist ein Grundprinzip im sozialen Netz. Immer mehr Webuser beteiligen sich aktiv an der Vernetzung des Netzes, indem sie bei Twitter, Facebook, Posterous, Blogs etc. auf Fundstücke verlinken. Aber auf den meisten Zeitungs-Websites ist das immer noch verboten. Der Screenshot stammt aus der Frankfurter Rundschau, wo sich unter der Kolumne “Piraten, nein danke!” innerhalb von fünf Tagen 76 Kommentatoren, größtenteils mit herber Kritik( s. dazu auch mein Beitrag “Der Tag, an dem ich aufhörte, die Frankfurter Rundschau ernstzunehmen”), zu Wort meldeten. Viele Kommentatoren haben versucht, ihre Argumente mit Verweisen zu untermauern. Aber alle vergeblich.

Auch Focus Online lässt keine Links zu:

Focus-Links

Wovor haben Sie Angst, liebe Online-Redakteure? Dass Ihre Leser nicht wiederkommen? Schaffen Sie ein anregendes Debattenklima, dann ist diese Befürchtung grundlos. Oder dass Linkschleudern Ihre Kommentarspalten zuspammen? Nutzen Sie ein guten Spamfilter, setzen Sie alle Links auf “nofollow” (dann entfällt der Anreiz, Links nur für ein besseres Ranking bei Suchmaschinen zu setzen), nehmen Sie Kommentare mit einem oder mehr Links in die Moderationswarteschleife. Und unterstellen Sie nicht grundsätzlich verwerfliche Motive, wenn Ihre Kommentatoren Links setzen möchten.

2. Diskutieren Sie mit – oder warum wollen Sie mit Ihrem Beitrag nichts mehr zu tun haben, sobald er online steht?

Auch dafür ist die genannte Kolumne in der FR ein Paradebeispiel: Der Autor ignoriert die – größtenteil sachlich vorgetragene – Kritik und schaltet sich nicht ein einziges Mal in die Diskussion ein. Deutlicher kann man gar nicht ausdrücken, wie egal einem die Meinung derer ist, für die man schreibt (oder schreiben sollte). Aber was ältere Leser vielleicht noch widerspruchslos hinnehmen, weil es sie nicht anders kennen, werden sich erfahrene Webnutzer  künftig immer weniger gefallen lassen. Kein Autor ist unfehlbar, keine Meinung verträgt nicht auch eine Gegenmeinung, und für eine lebendige Debattenkultur ist es unabdingbar, dass derejenige, der die Debatte mit seinem Text angestoßen hat, auch aktiv daran teilnimmt. Deshalb gehören Aufforderungen wie diese

SPON-Regelnbei Spiegel Online ersetzt durch “Diskutieren Sie mit anderen Lesern und der Redaktion”. Es ist sicherlich zeitaufwändig, einen Beitrag nicht wie bisher mit der Veröffentlichung als abgeschlossen zu betrachten. Aber Journalismus im Netz ist immer weniger Ergebnis und immer mehr Prozess. Und damit ändern sich auch die Aufgaben von Journalisten. Sie werden auch zu Moderatoren. Positive Beispiele von Autoren und Online-Redakteuren, die sich in Debatten mit Lesern einschalten: Der Freitag, Zeit Online.

3. Geben Sie Ihren Lesern Raum: Oder wollen Sie nicht wissen, was sie zu sagen haben?

SZ-OnlineDieses Beispiel stammt aus der SZ. Schade, dass der durchaus niveauvoll und interessant argumentierende Kommentator zweimal ansetzen musste. Vielleicht lässt er es beim nächsten Mal lieber gleich bleiben. Dass Leserbriefschreiber der gedruckten Ausgabe sich möglichst kurz fassen sollen, damit mehr Zuschriften abgedruckt werden können, ist nachzuvollziehen. Aber Platzmangel ist kein Thema im Netz. Lassen Sie die Nutzer doch selbst entscheiden, welche Äußerungen sie lesenswert finden. Viele Onlineausgaben haben doch ohnehin ein System zur Kommentarbewertung. Wer nur schwafelt, wird dann halt schlechter bewertet. Weiteres Beispiel für unnötig restriktive Platzbeschränkung: Focus Online

Focus Online

4. Wer nimmt, sollte auch geben.

Online-Redaktionen sind dankbar für die Klicks, die rege Kommentatoren generieren. Die Kommentatoren tragen als unbezahlte Inhaltelieferanten zur Werbefinanzierung von Onlineseiten bei. Das tun sie freiwillig. Aber das Mindeste, was ein Verlag seinen vielen Tausenden unbezahlten Mitautoren zugestehen sollte, ist ein Hinweis auf ihre Online-Präsenz – für diejenigen, die das möchten. Genauso wie bei Blogs ein Klick auf den Namen des Kommentators zu dessen selbst gewählter Netzidentität führt (z.B. zum eigenen Blog oder zum Facebook-Profil) sollten auch Verlage davon absehen, die Namen von Kommentatoren nur zu ihren eigenen abgeschotteten Communities zu verlinken. Beispiele dafür, dass es auch besser geht: FAZ, Die Zeit.

5. Ihre Kommentatoren sind Ihre aktivsten Nutzer – behandeln Sie sie nicht wie Klickvieh.

Focus-Kommentare

Schon 938 Kommentare zum heutigen Beitrag über das kontroverse Thema “Pflegeversicherung: Schwarz-Gelb plant private Zusatzabsicherung” bei Focus Online. Ich lese gerne Kommentare. 233 Kommentare zu einem interessanten Thema zu scannen und bei den interessanteren intensiver hinzuschauen, ist durchaus möglich, wenn es dem Nutzer leichtgemacht wird. Aber ganz bestimmt lese ich höchstens drei oder vier mit markanten Überschriften, wenn ich die Kommentare alle einzeln anklicken soll. Denn ich habe keine Lust, mich als Klickvieh missbrauchen zu lassen.

Nicht viel besser sind die Kommentarstrecken der SZ oder der Welt, wo man immer nur einige Kommentare auf einmal auf einer Seite dargestellt findet, dafür jedes Mal auch den Ursprungstext. Liebe Redaktion: Den habe ich schon gelesen – deswegen möchte ich ja gerne die Kommentare dazu lesen. Aber nicht, wenn es so umständlich ist.

Für mich persönlich habe ich die Konsequenz gezogen. Auf Online-Seiten von Zeitungen, die ihre aktiven Nutzer nicht auf Augenhöhe behandeln, schreibe ich keine Kommentare mehr. Zu befürchten ist ohnehin, dass sie kaum jemand lesen würde.

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Empfehlungen

  1. “Debatten führen” – Robin Meyer-Lucht über das Grimme Online Award Blog Carta

28 Kommentare
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  1. Was ich ergänzen würde:

    6. Nutzen Sie die in Blogs und Foren etablierte Reihenfolge der Kommentare. Dann kann man Debatten auch nachvollziehen – und in ihnen mitdiskutieren

    http://www.dirkvongehlen.de/index.php/netz/die-reihenfolge-von-leser-kommentaren/

  2. Tolle Tipps, schnell umsetzbar, wünschenswert für den Nutzer und dazu noch kostenlos ;-) –
    Du könntest guten Gewissens in die Beraterszene wechseln :-D.
    Keine Ironie!

  3. Für die nächste “Auflage” dieser Kritik könntest Du Dir auch mal die Kommentarfunktion bei heise.de anschauen. Sie ist sicher gut gemeint und wird auch rege genutzt, entspricht aber technisch dem Stand von vor 10 bis 15 Jahren: Unübersichtlich, verwirrend und umständlich, weil von jedem Kommentar prinzipiell nur die Überschrift angezeigt wird. Will man ihn lesen, muss man klicken. Ein Wunder, dass dort noch so viel kommentiert wird…

  4. @Dirk von Gehlen – gute Ergänzung, danke!

    @Matthias Schwenk – bei Heise gebe ich Dir völllig recht. Die Kommentarfunktion ist ein einziger Irrgarten, in dem sich wohl vor allem die berüchtigten Foren-Trolle zurechtfinden. Es gibt dort auch 2 verschiedene Möglichkeiten, sich die Baumstruktur der Kommentare darstellen zu lassen und ich kapiere keine davon. Ich hatte zuerst erwogen, Heise mit reinzunehmen, habe mich dann aber auf Zeitungen beschränkt, damit der Text nicht zu lang wird.

  5. Hallo Ulrike,
    danke für den sehr interessanten Beitrag. Ich vermisse eine wichtige Ergänzung, die sicherlich nicht nur in unserem Verlag kontrovers diskutiert wird. Wie sollte oder sollte überhaupt ein Anmeldungsprozedere bei Kommentaren ausschauen?

    Meiner Meinung nach verliert die Kommentarmöglichkeit an Attraktivität, wenn zuviel Daten bei einer Anmeldung zwingend erforderlich sind und 2. eine Freischaltinstanz durch die Redaktion vorgesehen ist. Letzteres besiert sicherlich auf rechtlichen Überlegungen (Schmähkritik ect..)

    Die Lösung der Sueddeutschen.de, die unmittelbare Veröffentlichung von Kommentaren ohne Freischaltinstanz am Wochenende oder Feiertags (wenn die Online-Redaktion nicht oder kaum besetzt ist), bis Montag früh auszusetzen, ist doch suboptimal.

    Deine Meinung hierzu würde mich interessieren!

    Martin Fryba

  6. Schöner Artikel. Und ich hätte da auch noch einige Beispiele die es falsch machen. Sport1.de z.B.. Die haben 3 Kommentare pro Seite und auch noch umgekehrt chronologisch ganz furchtbar.

    Ich denke, dass all diese “Kleinigkeiten” allesamt darauf hinweisen das es keine Leser-first sondern eine Klick-first Philisophie gibt. Das ist natürlich nichts neues. Ich denke aber bevor “die” anfangen können sich funktionierende Geschäftsmodelle überlegen zu könne,n müssen sie erstmal ihre “Webseitenphilosophie” überdenken und dem Leser eine Plattform geben auf der er sich wohl fühlt. Das ist weniger eine Frage des Qualitätsjournalismus als eine der Organisation und Umsetzung der Website.

    Nur sollte nicht der Fehler gemacht werden immer mehr in den Boulevard abzurutschen (siehe FR oben). Ich will nicht arrogant klingen, aber ich bilde mir ein, dass sich da einiges zum guten ändern können wenn “die” einfach mal eine/n von “uns” fragen würden.

  7. Sehr schön! Hab mich über viele der oben genannten Dinge auch schon sehr oft geärgert. Da hat man echt keine Lust zu kommentieren, zumal es ja so viele andere Seiten gibt, wo man es tun kann.

    Eine optionale E-Mail-Benachrichtigung für neue Kommentare fällt mir noch ein. Die fehlt auch hier.

  8. Sehr guter Artikel! Wir bei BurdaStyle.com sehen dies als Grundregeln und haben damit sehr gute Erfahrungen gemacht!

  9. @Matthias Schwenk

    Jeder Kommentar eine neue Seite. Die IVW läßt grüßen. Was glaubts Du denn, warum heise.de bei den Zahlen immer unter den ersten fünf landet. Die werden das System erst dann ablösen, wenn ein großer Gönner 500 Millionen spendet.

  10. @Henning
    Danke für den Hinweis auf die fehlende Benachrichtigung bei neuen Kommentaren. Ich hatte noch gar nicht gemerkt, dass diese Funktion mit dem Wechsel auf das magazinige Layout offenbar rausgeflogen ist (ich werde ja ohnehin immer benachrichtigt). Werde mich darum kümmern.

    @sebsn
    Ja, umgekehrt chronologisch ist lästig. Siehe dazu auch Dirk Gehlen im 1. Kommentar. Der hat schöne (abschreckende) Beispiele gesammelt.

    @Nora Abousteit
    Ich habe mir burdastyle.com gerade angesehen. Sie machen es wirklich richtig. Ich glaube, dass Medien, die ihre Web-Präsenz im Sinne einer Community-Plattform gestalten – für alle, die daran konstruktiv mitwirken wollen – es in Zukunft leichter haben werden, als Medien, die im Web genauso top-down predigen wie in Print.

  11. @Wittkewitz
    Die neue Leitwährung der Onlinewerbung heißt doch jetzt Visits. Allerdings sieht man nicht weniger Klickstrecken als früher.

  12. @Martin Fryba
    Sorry, Dein Kommentar war im Spamfilter hängengeblieben. Auch das sollte nicht passieren (ich bekomme rund 50 Spam-Kommentare pro Tag und schaue 2 bis 3 mal täglich nach, ob echte Kommentare versehentlich als Spam eingestuft wurden).

    Ich bin dafür, so wenige Daten wie möglich zu erheben. Name, Nutzername, Email-Adresse,( die aber nicht angezeigt wird) und wer will, Website, das sollte reichen. Manche Websites ermöglichen Profilseiten von Nutzern (s. dazu in meinem Text die Links zu meinen Profilseiten bei FAZ und Zeit Online). Das finde ich gut, denn so wird jedem Nutzer die Möglichkeit gegeben, mehr von sich preis zu geben, wenn er oder sie das möchte.

    Noch besser: Ermöglichen, sich per Open Auth mit seinem Twitter oder Facebook Account anzumelden, denn eigentlich ist es sehr lästig, sich auf allen möglichen Seiten immer wieder anzumelden, nur um vielleicht ein einziges Mal etwas zu kommentieren. Nutzerfreundlich ist auch eine Funktion, die es dem User erlaubt, seinen geposteten Kommentar mit einem Mausklick auch bei Facebook etc. zu publizieren. Dazu ein Link auf die Original-Website und schon gibt es einen neuen kleinen Traffic-Bringer.

    Zum SZ-Modus (Wochenend-Abschaltung der Kommentare): Der Online-Redaktion einer großen Tageszeitung eigentlich unwürdig. Aber sie wollten der Trolle Herr werden. Eine Moderation rund um die Uhr läuft auf die Forderung hinaus: Stellt mehr Leute in der Online-Redaktion ein. Wer momentan eine solche Forderung im Süddeutschen Verlag vorbringt, erntet mit SIcherheit nur Gelächter…

  13. Mal ein Blick von der anderen Seite des Schreibtischs:

    1. Kein Spam-Filter ist wirklich verässlich und keiner hat genug Leute, um jeden Beitrag zu checken. Also werden Links in Kommentaren ebenso verboten wie das Verlinken des Namens auf die eigene Webseite. In den meisten Häusern haben die Redakteure nicht mal die Zeit, Kommentare in Ruhe zu lesen. Sie werden in großer Hektik stichprobenartig überprüft in der Hoffnung, dass kein rechtlich angreifbarer Kommentar durchrutscht.

    2. Gibt man den Lesern viel Raum zum Posten, wird dieser auch genutzt. Wichtigtuer mit zu viel Zeit schreiben seitenweise pseudo-wissenschaftliche Abhandlungen und verscheuchen Leute, die einfach nur mal kurz ihre Meinung kundtun und ein paar andere Meinungen lesen wollen. Das ist keine Befürchtung, sondern Realität.

    3. Mitdiskutieren können Redakteure nach ihren zehn bis zwölf Stunden täglicher Regelarbeitszeit. Da hält sich die Lust verständlicherweise in Grenzen.

    Fazit: Die meisten Häuser wissen, dass sie im Bereich Leserkommentare anders arbeiten müssten, können es sich aber nicht leisten.

    Gruß, Franksen

  14. @Frank Schmidt

    Mal meine Sichtweise zu deiner Sichtweise ^^

    1. Natürlich bietet kein Spamfilter 100% Schutz. Aber ich hab da lieber nen Captcha als zu sagen keine Kommentare oder eben ohne Links.

    Ich finde und das ist vielleicht eine romantische Sichtweise, dass sich die Idee was ein Artikel ist ändern muss. Ein klassischer Redakteur schreibt den Artikel und sobald er veröffentlicht ist, ist die Arbeit daran abgeschlossen. Ich sehe einen Artikel immer im Zusammenhang mit den Kommentaren. Erst durch gute und meist kontroverse Kommentare kann man einen guten Eindruck davon bekommen was der Artikel eigentlich sagen will oder eben nicht sagen kann. Das ein Redakteur dafür keine Zeit hat liegt an der Unternehmensstruktur der Verlage. Klar – es kostet mehr Geld wenn Redakteure weniger Artikel schreiben aber sind nicht wenige hochqualitative Artikel (und damit meine ich beides – Kommentare inbegriffen) wichtiger als eine Masse Artikel mit Einbahnstrassenkommunikation. Das hängt wieder von der jeweiligen Webseite ab – aber Pressemitteillungen werden wohl eh weniger kommentiert. Interessant ist das ganze bei Kontroversen Artikeln oder Meinungen.

    2. Das ist -Entschuldigung – ein dummer Grund. Kommentierer, die sich Gedanken machen und weiter ausholen sind Wichtigtuer? Besser sind also diejenigen die “mal kurz” sagen “Gut gemacht”? Wenn das der Fall ist, kann man “euch” sowieso nicht mehr helfen. Dann sind Kommentare für euch nicht mehr als eine Statistik. “Schau mal wie viele Leser hier kommentiert haben – toll nicht?”

    PS: Klar, es gibt die Wichtigtuer aber das darf kein Grund sein.

    3. Wieder eher ein Problem der Unternehmensstruktur. Wer keine Lust hat über Themen zu diskutieren, die er ja offensichtlich recherchiert hat, ist doch eine Grundvoraussetzung. Das gilt natürlich wieder nicht für Pressemitteilungen und ähnliches.

    So alles in allem ist hier wieder das Problem, dass der Dialog mit den Lesern lediglich Ballast ist und auch so behandelt wird. Das hat früher geklappt, wird es in Zukunft aber nicht mehr – meine Meinung.

    Ich hoffe ich zähle jetzt nicht zu den genannten Wichtigtuern :P Wenn doch… erm mir egal.

  15. Wirklich ein toller Artikel-er spiegelt genau meine Beobachtungen wieder. Ich habe es aufgegeben, bei den großen Seiten zu kommentieren oder auch nur die “Diskussion” zu verfolgen. Es macht einfach keinen Spaß. Oft werden Kommentare sogar gelöscht, die völlig harmloser Natur sind und Kommentare, die offensichtlich provozieren oder einfach unter Niveau sind bleiben seitenweise stehen.

    Und hiermit bedauer ich dann mal noch alle Redakteure, die nicht mehr kommentieren wollen oder können. LG Kaddi

  16. Hallo,
    ich möchte gern die “andere Seite” des Schreibtischs ein wenig stärken, weil vermutlich der eine oder andere in dieser Diskussion noch keine Erfahrungen dort gesammelt hat: Insbesondere die rechtliche Angreifbarkeit eingestellter Beiträge ist ein großes Problem. Es gab bereits Fälle, in denen Kommentatoren, weil sie mit der Aussage eines anderen Kommentators nicht einverstanden waren, den Plattformbetreiber rechtlich angegriffen haben. Damit werden die rechtlichen Regelungen zwar missbraucht, leider eignen sich diese aber auch dazu. Wenn also hohe Kosten für die Rechtsberatung nicht im Budget des Plattformbetreibers vorgesehen sind, wird sich dieser hüten, unmoderiert oder allzu offen mit Kommentaren umzugehen. Hier ist die Rechtssprechung gefordert.

    Ich hoffe, ich gelte nicht als Verhinderer oder Besserwisser.

  17. @Frank Schmidt, Peter Panter

    Ich kenne die redaktionellen Zwänge aus vielen Gesprächen mit festangestellten Kollegen. Ich verstehe auch die unvermeidlichen ”Ja, aber…” Einschränkungen. Dennoch führt kein Weg daran vorbei, dass Redaktionen sich einem echten (!) Dialog mit Bürgern öffnen müssen, wenn sie nicht die Zukunft verspielen wollen. Dazu gehört nun mal auch die möglichst zeitnahe Veröffentlichung von Kommentaren. Wer den Dialog wirklich ernst nimmt, kann ihn nicht am Wochende abschalten.

    Zur rechtlichen Angreifbarkeit: Ich weiß, ich habe gut reden – noch komme ich auf diesem Blog ohne Moderationsschleife aus, aber das wird sich sicher bald ändern, denn auch ich habe keine Lust, mich wegen absurder Rechtsprechung angreifbar und haftbar zu machen. (s. Fall Niggemeier). Allerdings: Ich bewundere Stefan Niggemeier für seinen Mut, den Rechtsstreit wegen eines nachts hinterlassenen zweifelhaften Kommentars, der ihm angelastet wurde, als einzelner Blogger juristisch auszufechten. Auch wenn es letztlich nichts genützt hat. Redaktionen mit einer Rechtsabteilung des Verlages im Rücken sollten sich da leichter tun.

    Möglicher Ausweg: Man kann den Dialog auch über Twitter pflegen und damit Zeiten schwacher redaktioneller Besetzung überbrücken. Das hat den Vorteil, dass die Nutzer für Ihre Äußerungen selbst juristisch verantwortlich sind, da sie nicht auf der Plattform des Verlags stattfinden.

    @sebsn
    Gut gesagt. Medienhäuser sollten auf Nutzer wie Dich in der Tat mehr hören. Das sind konstruktive Ratschläge zum Nulltarif.

    @Katrin: Danke!

  18. Ich erlaube mir noch einen kurzen Nachtrag: Wir haben ausreichend schlechte Erfahrungen mit echtem Dialog gemacht. Insbesondere damit, dass der offene Dialog so offen war, dass er rechtlich angreifbar wurde. Gleichgültig, ob sich dann Rechtsanwälte von Konkurrenzunternehmen, Betriebsräte, Datenschutzbeauftragte oder andere berufen fühlen, den Rechtsweg einzuschlagen: Für den Webseitenbetreiber ist das am Ende nicht mehr nur nicht mehr lustig, sondern zudem auch sehr teuer. Und realistischerweise spielt in der nivellierten Online-Welt auch kaum mehr eine Rolle, ob man als Anbieter dann David oder Goliath ist: Die Kosten sind proportional (Quantität der Angriffsfläche * Qualität des Angegriffenen) zur Größe des Anbieters und damit für jeden hochgefährlich. Mein Plädoyer: Eine sichere Rechtsgrundlage, eine klare Verantwortlichkeit beim Verfasser und nicht beim Webseitenbetreiber – und dann beginnt auch der Dialog!

  19. Dann sollten die Verlage vielleicht Lobbyarbeit in diese Richtung betreiben statt für Subventionen

  20. Ich versteh grad gar nichts mehr. Fühlen sich die Falschen angesprochen? Wegen rechtlicher Probleme kann nicht kommentiert und moderiert werden? Was ist denn mit den großen Communities, die sehr wohl offene Dialoge führen, werden die grad von Abmahnungen, Anzeigen etc. überschwemmt und wir (das übliche Userfussvolk) bekommen es nur nicht mit? Ich bitte um Aufklärung, warum es auf einigen Seiten möglich ist und auf anderen nicht. Oder hatten die bisher Glück? LG Kaddi

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