Serie Multimedia-Tutorial RGMP (4): Audioaufnahmen editieren

28. Oktober 2009 | Von Ulrike Langer | Kategorie: Neu, RGMP Multimedia Tutorial

journalism-wordleDies ist Folge 4 meiner deutschen Übersetzung von Mindy McAdams’ Tutorial-Serie “Reporter’s Guide to Multimedia Proficiency” . McAdams ist amerikanische Journalismus-Dozentin und Bloggerin (bisher übersetzte Folgen stehen hier).

In Folge 3 ging es darum, gute Audioaufnahmen zu machen, um sie für das Web zu nutzen. Diesmal geht es darum, wie man die Audioaufnahmen auf den PC überträgt, bearbeitet und als MP3 Datei exportiert.

Die Datei hochladen

Zuerst müssen Sie Ihren Audiorekorder mit dem Computer verbinden. Das sollte mittels USB-Anschluss geschehen. Wenn Sie keinen passenden Anschluss  haben (das betrifft z.B. manche Diktafone), dann ist Ihr Gerät nutzlos, und Sie sollten sich ein anderes besorgen.

  1. Windows: Eine Reihe von Nachrichten in Pop-Up-Fenstern wird in der unteren rechten Ecke des Bildschirms erscheinen, bis die Verbindung steht. Daraufhin sollten Sie ein Fenster sehen, dass Sie fragt, was Sie tun möchten. Scrollen Sie nach unten, um Dateien und Dateiordner auf dem Aufnahmegerät auszuwählen.
  2. Mac: Die meisten Rekorder werden als Volume auf Ihrem Schreibtisch angezeigt. Doppelklicken Sie auf das Icon und Sie werden den Inhalt des Rekorders sehen.

Wenn diese Dinge nicht geschehen, eignet sich Ihr Rekorder wahrscheinlich nicht für den Zweck, Audioaufnahmen im Netz zu veröffentlichen. Lesen Sie diesen früheren Beitrag — A few words about digital audio recorders — und kaufen Sie einen, der funktioniert. Manche Rekorder versuchen beim Anschließen, billige Software auf Ihrem Computer zu installieren. Solche Geräte sind nicht empfehlenswert.

Die meisten Rekorder haben mehrere Ordner, in denen sie Audiodateien unterbringen. Wenn ein Ordner mit dem Buchstaben A oder der Zahl 1 endet, stecken darin wahrscheinlich Ihre Dateien – es sei denn, Sie haben den Zielordner geändert (in der Gebrauchsanweisung nachsehen).

Finden Sie Ihre Audiodateien. Wenn der Dateiname mit der Endung .mp3 oder .wma endet, müssen Sie die Datei zu .wav konvertieren. Ansonsten können Sie diesen Abschnitt überspringen. Wenn Sie mit Windows arbeiten und die Dateiendung nicht am Ende des Dateinamens sehen, folgen Sie diesen Anweisungen.

Die Datei konvertieren

Um ein Dateiformat in ein anderes umzuwandeln, empfehle ich unbedingt die KOSTENLOSE VERSION der Software Switch. Stellen Sie sicher, dass Sie die kostenlose Version herunterladen. Download hier. Die Software funktioniert mit Windows und Mac. Nach dem Herunterladen müssen Sie das Programm installieren. Sagen Sie “Nein” zu allen Optionen während der Installation.

Nachdem Switch installiert ist, starten Sie das Programm. Ziehen Sie die Autiodatei in das große Fenster. Es gibt drei Schritte:

  1. Überprüfen Sie, ob Sie wissen, wo die neue konvertierte Datei gesichert wird. Es gibt ein Menü mit dem Namen “Output Folder”. Wählen Sie es als Zielordner auf ihrer Festplatte aus.
  2. Ändern Sie “Output Format” in .wav.
  3. Wählen Sie den Ordner im großen Fenster (einfacher Klick), and klicken Sie dann den großen Convert Button.

Dateien und Ordner sortieren

Es ist wichtig, dass Sie alle Dateien für ein Audioprojekt in einem gemeinsamen Ordner aufbewahren. Andere Dateien sollten sich nicht darin befinden. Also generieren Sie einen neuen Ordner mit dem Namen “Mein erstes Audioprojekt” o.ä. und kopieren Sie Ihre neue .wav Datei in diesen Ordner.

Ich empfehle Ihnen, die Original Audio-Datei  sicher in einem anderen Ordner aufzubewahren.

Einige Worte über Ihren Computer

Das Editieren ist die leichteste Übung. Viele Printjournalisten sind nur rudimentär mit den Funktionen ihres Computers vertraut. Sie laden ungern Dateien aus dem Netz, sie wissen nicht, wie man Software installiert, Dateiformate konvertiert, Dateien kopiert etc. Es ist großes Problem, wenn man Multimedia-Kenntnisse erwerben will, es aber an den einfachsten Computer.Kenntnisse mangelt.

Wenn Sie in diese Kategorie gehören, dann sollten Sie sich zusätzliche Hilfe holen. Sie müssen die grundlegende Dateiverwaltung beherrschen, damit Sie Ihre Dateien nicht ruinieren. Vielleicht sollten Sie einen Volkshochschulkurs belegen oder sich ein “Computer für Dummies” Buch kaufen. Das ist ziemlich wichtig. Die Ausrede, dass man mit Computern einfach nicht gut umgehen kann, ist im Jahr 2009 obsolet. Der Computer ist Ihr wichtigstes Arbeitsgerät.

Die Editier-Software installieren

Ich empfehle Audacity zum Bearbeiten von Audio-Dateien, weil das Programm kostenlos und Open Source ist. Sie können es auf jedem Computer benutzen (Windows, Mac, oder Linux). Ich habe zwei Audacity Tutorials geschrieben. Sie können die PDFs von dieser Seite herunteladen — Audio: Journalists’ Toolkit — unter der Zwischenüberschrift “Editing.”

Lesen Sie bitte die Anleitung zum Installieren auf Seite 1 des ersten Tutorials “Super-Fast Guide to Audio-Editing”. Es ist sehr wichtig, dass Sie die Anleitung beachten, weil die Installation von Audacity zwei Teile hat. Der zweite Teil betrifft den sogenannten “LAME Encoder”, und man dabei leicht etwas falsch machen, wenn man die Anleitung nicht beachtet.

Wenn Sie Probleme haben, die Anleitung zu verstehen, lassen Sie sich helfen. Benutzen Sie nicht die bequeme Ausrede “Ich verstehe nichts von Computern.”

Die Datei bearbeiten

Sobald Audacity installiert ist, können Sie damit beginnen, ihre .wav Datei zu editieren. Endlich! Aber immerhin müssen Sie die Installationsschritte nur einmal ausführen.

Beginnend mit Seite 3 des ersten Tutorials “Super-Fast Guide to Audio Editing” sehen Sie eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für das Löschen von Passagen aus Audiodateien, z.B. wenn Ihr Gegenüber “Ähhm, äh…äh” sagt. Das ist wirklich genauso leicht, wie aus MS Word einen Satz herauszukürzen.

Auf Seite 4 des Tutorials sehen Sie, wie man eine Passage HERAUSSCHNEIDET und an eine andere Stelle der Datei BEWEGT – z.B. eine Passage, in der sich Ihr Gesprächspartner vorstellt. Vielleicht hat er das erst mitten in der Aufnahme getan und nun hätten Sie diese Passage gerne ganz am Anfang. Auch das ist genauso leicht wie “cut and paste” bei MS Word.

Während Sie Ihre Audiodatei bearbeiten, sollten Sie diese Projektdatei möglichst häufig sichern. Stellen Sie sicher, dass sich Ihre Projektdatei im gleichen Ordner befindet wie die .wav Datei.

Das hat folgenden Vorteil: Die Datei ist transportabel. Sie können die gesamten Ordner z.B. auf einen Laptop übertragen und dort daran weiterarbeiten. Das geht aber nur, wenn Sie Ihre Einzeldateien nicht über Ihre gesamte Festplatte verstreut haben. Sonst fehlen Ihnen hinterher wichtige Bestandteile.

Einige Tipps zum Bearbeiten:

  1. Benutzen Sie Ihre Kopfhörer! Niemals Audio editieren, indem Sie die Dateien über die Lautsprecher des Computeres abhören.
  2. Schneiden Sie alle “Hmmms” and “Ähs” heraus.
  3. Schneiden Sie Ihre eigene Stimme heraus.
  4. Arrangieren Sie das Gesagte so, dass es eine zusammenhängende Geschichte ergibt.
  5. Achten Sie dabei darauf, die Aussagen nicht zu verfälschen. Das ist das gleiche Prinzip wie Zitieren im Printjournalismus: Die Bedeutung der Aussagen muss auf jeden Fall erhalten bleiben.
  6. Schneiden Sie nicht zuviel von den Pausen weg. Die Aufnahme klingt sonst unnatürlich.
  7. Beschneiden Sie das Ende der Aufnahme nicht zu abrupt. Lassen Sie etwas Luft.

Die MP3 Datei exportieren

Um die MP3 Datei zu exportieren, muss der LAME Encoder installiert sein. Dafür gibt es eine Anleitung (s.o.) unter der Zwischenüberschrift “Installing the editing software.”

Die folgenden Anweisungen setzen voraus, dass Sie a) LAME schon installiert und b) für Audacity aktiviert haben.

  1. Sichern Sie die Audacity Project Datei (.aup) ein letztes Mal.
  2. Überprüfen Sie alle Audacity Einstellungen für den Export (s. Tutorial). Wenn Sie nicht die richtigen Einstellungen verwenden, wird Ihre Datei in einem Flash-Player oder in einer Audio-Slideshow nicht abspielbar sein.
  3. Datei Menü > Export for MP3. Achten Sie bitte darauf, wohin Sie die Datei sichern und wie sie heißt. (Es wäre klug, die Datei zusammen mit den anderen Dateien in Ihrem Projektordner zu sichern.)

Wennn Sie diese Schritte korrekt befolgt haben, haben Sie nun eine schöne MP3 Datei, die Sie ins Internet hochladen können oder die in QuickTime, iTunes, Windows Media Player, etc. abgespielt werden kann.

Image: Wordle

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6 Kommentare
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  1. ist ja erschreckend selbstverständlich, was mcadams da schreibt. eine anweisung für menschen, die noch nie einen computer benutzt haben. wie kommen die überhaupt ins internet?

    ps: warum niemals boxen und nur kopfhörer benutzen?

  2. @Jan

    Ich nehme an, Du bist seit Jahren im Web unterwegs und produzierst wohl auch eigene Inhalte. Dann ist das für Dich in der Tat selbstverständlich. Die Serie ist vor allem für Printjournalisten gedacht, die sich im Learning-by-Doing-Verfahren fortbilden wollen, um auch im Web zu publizieren. Solche wie mich (ich mache das intensiv auch erst sei einem Jahr) und ich habe bei McAdams eine Menge gelernt. Gerade weil sie gut wie gar keine Vorkenntnisse voraussetzt. Was man schon weiß, kann man ja einfach überspringen. Ich bin neulich bei einem Workshop, wo ich einen Vortrag über multimediale Weiterbildungsangebote im Web gehalten habe, von mehreren Leuten darauf angesprochen worden, ob es so etwas wie RGMP nicht auch auf Deutsch gebe. Gibt es nicht – deshalb die Übersetzung. Der Bedarf ist nicht sehr hoch. Aber einige Leute sind dankbar dafür.

    Boxen / Kopfhörer : Der Sound im Kopfhörer entspricht der Aufnahme.

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  1. [...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von medium magazin, Ulrike Langer erwähnt. Ulrike Langer sagte: "Audioaufnahmen editieren" auf deutsch ist da. (= Teil 4 der Serie Reporters Guide to Multimedia Proficiency) http://bit.ly/1JvkY8 [...]

  2. [...] Folge 4 ging es darum, wie man eine Audiodatei editiert und als MP3-Datei für das Web exportiert, diesmal [...]

  3. [...] немецкой версии журналистки Ульрике [...]

  4. [...] können Sie keine Fotos bearbeiten (siehe dazu RGMP 8) und keine Audioaufnahmen bearbeiten (siehe dazu RGMP 4). Das bedeutet, Sie müssen Ihre Fotos vorher auswählen, eventuell beschneiden und optimieren. [...]

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