Serie Multimedia-Tutorial RGMP (13): Ein Video mit iMovie oder Windows Movie Maker bearbeiten

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Dies ist die dreizehnte von mir übersetzte Folge von Mindy McAdams’ “Reporter’s Guide to Multimedia Proficiency”. Diese Folge heißt im Original Edit your video with iMovie or Wondows Movie Maker. In der zwölften Folge ging es um Videoproduktion und um gute Videoaufnahmetechniken. Diesmal geht es darum, wie man mit zwei sehr simpel zu bedienenden Programmen Videos editieren kann. (Wie schon in den früheren Folgen gilt: “ich” ohne Zusatz =  Perspektive von Mindy McAdams.)

Dies sind die einzelnen Schritte der Videobearbeitung:

  1. Videoclips(s) von der Kamera oder der Festplatte importieren
  2. Clips beschneiden und in die richtige Reihenfolge bringen
  3. Audiodateien hinzufügen und/oder bearbeiten (Erzähler, Interviews, Musik)
  4. Titel and Urhebernachweise hinzufügen
  5. Fertige Videodatei exportieren

Diese Schritte sind in der Regel immer die gleichen, egal welches Editierprogramm man benutzt.  Jeder dieser Schritte wird nachfolgend detailliert erläutert. Aber zunächst….

Welches Editierprogramm ist das beste?

Dies ist die falsche Frage. Es gibt keinen Grund, sich grundlegende Videobearbeitungstechniken nicht anzueignen, nur weil man kein schickes teures Programm dafür besitzt. Für Mac gibt es  iMovie und für Windows gibt es Movie Maker. Beide Programme sind kostenfrei. Jeder kann sie installieren und nutzen, falls sie nicht ohnehin schon vorinstalliert sind.

Manche wollen lieber mit einer teuren Software arbeiten – dafür gibt es alle möglichen Gründe. Das ist auch gut so, wenn Sie sich in diese Programme richtig einarbeiten und die ganzen teuren Funktionen auch nutzen. Aber was, wenn Sie merken, dass Ihnen das zu mühsam ist? Die Lernanforderungen eines teuren Programms sind viel größer. Sie können später immer noch aufrüsten, wenn Sie merken, dass Ihnen Videobearbeitung großen Spaß macht.

Anstatt einen Glaubenskrieg darüber zu entfachen, welches Programm das beste ist, halte ich mich lieber an die Grundlagen. Denken Sie auch daran, dass viele Webvideos mit einfachen Kameras aufgenommen werden, manche sogar mit Handys. Daraus werden bearbeitungstechnisch keine Hollywood-Hits, ganz egal, welches Programm Sie benutzten.

Welchen Computer benutzen Sie?

Manche PCs sind zu schwachbrüstig für die Videobearbeitung. Wenn Sie einen neuen Computer kaufen, achten Sie vor allem auf Folgendes: (1) Prozessor-Geschwindigkeit; (2) genügend Arbeitsspeicher; (3) große Festplatte. Wenn Sie mit der Videobearbeitung auf Ihrem alten PC beginnen, und er dabei einige Male abstürzt oder einfriert, will er ihnen damit sagen, dass er zu alt und schwach ist für die neue Aufgabe.

Außerdem müssen Sie den Übertragungsweg Ihres Videos zum Computer überprüfen. Manche Kameras benötigen USB 2.0 für den Transfer. Damit wird Ihr Computer wahrscheinlich klarkommen, wenn er nicht steinalt ist. Manche Kameras benötigen FireWire (auch IEEE 1394 genannt) oderr FireWire 800 (IEEE 1394b) — beachten Sie, dass dies zwei verschiedene Standards sind! — und Ihr Computer hat dafür vielleicht keine serienmäßige Schnittstelle. Wenn nicht, können Sie für wenig Geld eine FireWire Karte nachkaufen. Bei einem Laptop ohne FireWire geht das wahrscheinlich nicht.

Clip von der Kamera oder der Festplatte importieren

“Von der Kamera importieren” bedeutet, dass Sie Ihr Video von der Kamera direkt in das Video-Editierprogramm laden. “Importieren” bedeutet eine Videodatei von der Festplatte Ihres Computers in das Video-Editierprogramm zu laden. Wenn Sie mit einer digitalen Kompakt-Videokamera – zum Beispiel mit der Flip – einen Film aufnehmen, können Sie die Dateien ganz leicht auf Ihre Festplatte laden. Sie können Sie dann später in das Editierprogramm importieren.

Wenn Sie die Dateien sofort in das Editierprogramm laden, dann ist bei diesem Vorgang Ihre Kamera mit dem Computer verbunden, und sie haben die Wahl zwisachen zwei Optionen: Laden Sie einfach alles, was Sie aufgenommen haben. Oder benutzen Sie das Editierprogramm, um das Material auf der Kamera zu sichten. Laden Sie dann nur die brauchbaren Clips. Die erste Methode klingt einfacher, aber die zweite ist effizienter und verbraucht weniger Speicherplatz auf Ihrer Festplatte.

Die simplen Editierprogramme teilen eine Gesamtdatei automatisch in mehrere kleinere Clips auf, wenn Sie diese Option nicht abstellen. Als Anfänger sollten Sie das lieber nicht tun. Mit kleineren Dateien lässt sich wesentnlich leichter arbeiten als mit einer Riesendatei.

Clips beschneiden und in die richtige Reihenfolge bringen

Das ist technisch einfach, aber inhaltlich anspruchsvoll. Clips sind die einzelnen Sequenzen, welche die Handlung Ihres Films tragen Ihre Geschichte entwickeln (s. RGMP 12). Wenn es bloße Doubletten sind, die auch noch zu lang und langweilig sind (z.B. viele Menschen, die nur reden), wird der Zuschauer davon nicht gefesselt. Sind die Clips willkürlich ausgewählt und stehen sie in keiner Verbindung zueinander, verwirrt oder verärgert das den Zuschauer.

Betrachten Sie Ihre Clips selbstkritisch: Reicht das Material? Können Sie damit eine gute Geschichte erzählen? Manche Berichte in Videoform sind visuell uninteressant, weil wir nur Leute reden sehen (Reporter, Zeugen, offizielle Stimmen) plus belanglosen Bilderteppich (Polizeiabsperrungen, leere Straße) um die Lücken zu füllen.( Vergessen Sie nicht die Methode der  “fünf Einstellungen” aus RGMP 12!)

(Vielleicht schauen Sie an dieser Stelle auch noch mal in RGMP 11: Eine gute Geschichte in Bild und Ton erzählen and denken über den Aufbau Ihrer Story nach.)

Die gute Nachricht ist: Sie werden sich beim Aufnehmen der Videosequenzen verbessern, wenn Sie das Bearbeiten einige Male geübt haben. Ihre Fehler und Unzulänglichkeiten beim Editieren werden Ihnen zeigen, worauf Sie achten müssen, wenn Sie das nächste Mal vor Ort ein Video aufnehmen.

Und nun zur Bearbeitungstechnik: Als Anfänger sollten sie zunächst ein Stück vom Anfang und vom Ende eines Clips entfernen. Versuchen Sie nicht, mehr als als eine Kernsequenz aus einem Clip herauszuholen. (Diese Regel können Sie mit mehr Erfahrung später brechen).

Suchen Sie die beste Sequenz in einem Clip, wenn Sie ihn abspielen und bevor sie ihn beschneiden. Wenn Sie sich für die beste Sequenz entschieden haben, schneiden Sie die Teile davor und dahinter weg. Bei Windows Movie Maker sehen Sie in diesem Moment drei Vorschaubilder wo vorher nur eins war. Ziehen das mittlere in ihr Storyboard herunter. Bei  iMovie 09 ziehen Sie einen gelben Rahmen um Ihre Wunschsequenz. Die Fragmente, die Sie löschen wollen, bleiben außerhalb des Rahmens. Wenn der gelbe Rahmen exakt dort sitzt, wo Sie ihn haben wollen, ziehen Sie die ausgewählte Sequenz nach oben in Ihr Storyboard.

Wie lang sollte ein bearbeiteter Clip sein? Das hängt von seinem Inhalt ab, aber allgemein sind vier bis sechs Sekunden eine gute Länge. Anfänger neigen dazu, zuviel Material drin zu lassen. Achten Sie aber darauf, NICHT in der Mitte einer Handlung zu schneiden. Wenn Sie zum Beispiel eine Nahaufnahme von jemandem haben, der ein Glas Wasser einschenkt, dann sollte Ihr Clip beginnen, bevor das Einschenken beginnt, und enden, nachdem das Einschenken zu Ende ist.

Ein häufiger Anfängerfehler ist der Sprung beim Schneiden. Ein gutes Beispiel für einen Sprung und wie man einen solchen vermeidet, finden Sie in diesem Blogpost  von Videoreporterin Angela Grant.

Ein weiterer Anfängerfehler – der Anschlussfehler – entsteht, wenn zwei Handlungen durch einen Schnitt an der falschen Stelle nicht zueinander passen. Dieser Beitrag bei Videomaker erläutert einen Anschlussfehler (“matching action”) — klicken Sie durch die Fotostrecke oben links um die visuelle Abfolge zu verstehen.

Audiodatei(en) hinzufügen und/oder bearbeiten

Zusätzlich zu der Tonspur, die zu Ihren Clips gehört, können Sie bei iMovie and Windows Movie Maker weitere Audiodateien auf einer separaten Tonspur anlegen. Es gibt in diesen beiden Programmen aber nur eine weitere Tonspur. In ausgefeilteren Programmen haben Sie mehrere zusätzliche Tonspuren zur Verfügung.

Wenn Sie Audiodateien eingefügt haben, die sich mit dem Ton ihrer Clips überlappen, müssen Sie die Lautstärke des Tons im Clip anpassen. Stellen Sie den Hintergrundton nicht völlig ab. Es wirkt natürlicher, wenn Sie die Tonspur nur soweit herunterregeln, dass Ihre neue Tonspur gut zu hören ist. Kurze Hintergrundgeräusche wie Türenschlagen oder eine Polizeisirene sollten Sie nicht künstlich herunterfahren.

Musik. Viele Anfänger  nehmen diesen einfachen Weg und unterlegen Ihre Videos mit Musik. Das ist prima für Ihr Urlaubsvideo, aber es ist KEIN Journalismus. Viele Videojournalisten glauben sogar, dass Musik in einem journalistischen Videobeitrag unethisch ist. Natürlich wird aber Musik in professionellen Dokumentationen fast immer unterlegt, deshalb ist dieser Punkt umstritten. Aber mein Rat an angehende Videojournalisten ist: Verzichten Sie auf hinzugefügte Musik!

Sprecher. Anfänger zögern oft, ob sie ihr Video mit einer Sprecherstimme unterlegen sollten, zumal ihrer eigenen. Aber ein Sprecher kann manche Geschichten noch deutlicher herausstellen. Sie sollten Ihren Sprechertext vorher aufschreiben, das Vorlesen üben und den gesprochenen Text auf eine separate Audiodatei aufnehmen, die Sie anschließend in Ihr Video importieren. Sie sind damit flexibler als mit der Sprachaufnahme-Funktion in den Editierprogrammen.

Interviews. Es ist schwierig mit iMovie oder WMM von einem gesprochenen Interview etwas wegzuschneiden, weil Sie nur eine Videospur haben. (Bei einem ausgefeilten Programm haben Sie mindestens zwei Videospuren). Sie können dieses Manko umgehen, indem Sie das Interview zusätzlich mit einem guten Audiorekorder aufnehmen. Schneiden Sie daraus die besten Zitate und importieren Sie sie als separate Audiodateien. Sie können sie dann an exakt die richtige Position schieben, damit die Lippensynchronisation stimmt.

In iMovie importieren Sie diese kurzen Audioclips wie Soundeffekte. Fügen Sie dazu die Dateien zum “iLife Sound Effects” Ordner. (s. Videotutorial). Bei WMM können Sie die Dateien wie jede andere Audiodatei importieren.  (s. PDF Tutorial).

Anmerkung von Ulrike Langer: Dieses Plädoyer für getrennte Audioclips bei Interviews kann ich nicht nachvollziehen. Ich habe mehrere Interviews mit iMovie geschnitten und kam damit viel besser zurecht als mit Audacity. Das ist vielleicht Geschmackssache, aber ich finde es viel einfacher Audio zu schneiden, wenn man die Lippen- und Kopfbewegungen als Orientierungshilfe hat, als wenn man nur die Kurvenlinie einer Sprachdatei sieht. Außerdem kann man bei iMovie durch langsames Mausziehen die Videosequenz verlangsamen, was beim exakten Schneiden ebenfalls hilft. Und dann gibt es als dritte Hilfe noch den “Präzisionseditor”. (Diese Angaben gelten für iMovie, mit WMM kenne ich mich nicht aus.)

Titel and Urhebernachweise hinzufügen

Alle Video-Editierprogramme haben eine Funktion, mit der man am Anfang einen Titel und am Ende Urhebernachweise (credits) einfügen kann. Sie können die Hintergrundfarbe sowie die Typografie, Schriftgröße und -farbe ändern und Animationseffekte einfügen. Um den professionellen und journalistischen Charakters ihres Videos zu wahren, sollten Sie es möglichst klar und simpel halten und auf kitschige Effekte verzichten.

Sie können auch den Titel oder die Credits über das Video oder über ein importiertes Foto legen anstatt über eine Hintergrundfarbe. Sie können im Editor Titel und Credits in die Breite ziehen oder stauchen, um sie länger oder kürzer anzeigen zu lassen. (In iMovie 09 gibt es keine durchgängige Timeline. Sie können die Anzeigedauer jedes Standbilds über ein Menü variieren.)

Achten Sie darauf Tippfehler zu vermeiden: Sie sehen im Vor- und Abspann eines Videos besonders dämlich aus. (Wenn Sie ganz sicher gehen wollen, schreiben Sie Titel und Abspann erst in Word und fügen sie dann mit copy und paste ein.)

Übergänge und besondere Effekte

Vermeiden. Erstens sehen sie in journalistischen Webvideos unprofessionell aus. Zweiten vergrößern Sie die Datei, manchmal sogar sehr. Wählen Sie klare Schnitte als Übergänge.

Wenn Sie Standbilder importieren, beschränken Sie das Zoomen und Schwenken (“Ken-Burns-Effekt”) auf ein Minimum oder besser noch, verzichten Sie darauf. Diese Effekte sehen banal aus und lassen Ihren Beitrag unprofessionell wirken.

Fertige Videodatei exportieren

Sichern Sie Ihre Datei während des Bearbeitens häufig. Genug ist nie genug, sonst gehen Ihre Änderungen verloren, falls das Programm abstürzt. (Anmerkung: iMovie 09 sichert ihr Projekt automatisch.)

Beachten Sie, dass Ihre Originaldatei niemals durch das Editieren verändert wird. Das liegt daran, dass Ihre Projektdatei, in der Sie die Änderungen vornehmen, im Grund nichts anderes ist als ein kleines Textscript, das festlegt, wie die Originaldatei mit Ihren Änderungen abzuspielen ist. Deshalb könnte jemand, dem Sie nur die Projektdatei weitergeben, damit nichts anfangen. Damit alleine kann man das Video nicht abspielen.

Die fertige Videodatei wird erst produziert, nachdem Sie mit dem Bearbeiten fertig sind. Sichern Sie das Projekt vorher ein letztes Mal. Bei iMovie 09 öffnen Sie jetzt das “Bereitstellen” Menü und wählen “Film exportieren”.  Bei Windows Movie Maker öffnen Sie das Dateimenü and wählen “Filmdatei sichern” (bei der Windows Vista Version wählen Sie “Film veröffentlichen”).

Sichern Sie den Film in der höchstmöglichen Auflösung. Ignorieren Sie die Optionen für “Web”, YouTube” , “iPhone” etc. Das sind Varianten in niedrigerer Auflösung. Nachdem Sie den Film in hoher Auflösung exportiert haben, können Sie ihn herunterkonvertieren auf ein eventuell benötigte niedrigere Auflösung. Für Videoplattformen wie YouTube und Vimeo können Sie die hohe Auflösung verwenden. Der Export wird mehrere Minuten dauern – selbst wenn Ihr Film nur zwei Minuten lang ist.

Die aus WMM exportierte fertige Datei ist ein Video im AVI Format. Die fertige Datei aus iMovie ist eine MOV Videodatei.

Tutorials and Listen mit Tipps

Eine kurze Liste mit Video-Editier-Tutorials und anderen Hilfestellungen gibt es hier: Journalist’s Toolkit: Video. Inklusive Links zu sehr nützlichen Schritt-für-Schritt-Videoanleitungen sowohl für  iMovie als auch für Windows Movie Maker.

Projektdatei-Management

Viele von uns bearbeiten ihre Projekte auf mehreren Computern, mal zuhause, mal in der Uni oder am Arbeitsplatz, mal auf dem Laptop im Café. Mit Projekten, die in Editierprogrammen (iMovie, WMM, Audacity, Soundslides, etc.) bearbeitet werden, kann das problematisch sein.

Denken Sie daran, dass die Projektdatei weder Video- noch Audiomaterial enthält. Deshalb können Sie niemals NUR die Projektdatei auf einen anderen Rechner übertragen, um daran weiter zu arbeiten. Sie müssen jedesmal ALLE Dateien mitnehmen.

Genauso wichtig: Die Videoclips und Audiodateien müssen immer auf die gleiche Weise mit der Projektdatei verknüpft sein. Das bedeutet ganz simpel: Behalten Sie alle Dateien im gleichen Ordner, trennen Sie die Dateien nicht. Auf diese Weise können Sie einfach den gesamten Ordner auf einen anderen Computer übertragen.

Wenn Ihnen plötzlich Vorschaubilder in Ihrer Datei fehlen oder Sie rote “X” sehen (bei WWM) bedeutet das, dass Sie diesen Rat nicht beachtet haben.