Suite101: “Wir haben unser Modell nicht darauf aufgebaut, als wüssten wir vorher, was Leser im Internet interessiert“

29. Januar 2010 | Von Ulrike Langer | Kategorie: Interviews mit Innovatoren, Journalismus, Neu


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Suite101 ist ein Beispiel dafür, wie Journalismus unabhängig von angebotsorientierten Verlagsportalen organisiert werden kann. Es ist eine Plattform – nicht nur aber auch – für professionelle Journalisten, die sich auf Themengebiete spezialisiert haben und für ihre Beiträge nach zusätzlichen Vermarktungswegen suchen. Die Autoren behalten die Rechte an ihren Texten und dürfen sie in Print jederzeit und im Internet nach Ablauf eines Jahres auch woanders veröffentlichen. Die suite101logoAutoren erhalten keine fixen Honorare, sondern werden anteilmäßig aus den Umsätzen honoriert, die mit Google AdSense-Anzeigen auf ihren Seiten generiert werden.

Suite101 wurde schon 1996 in Vancouver gegründet, Geschäftsführer dort ist seit 2006 der gebürtige Hamburger und Ex-Unternehmensberater Peter Berger. An der Plattform ist Burda beteiligt, es gibt die Autorenplattform auch in Deutschland , seit kurzem auch in Frankreich und bald auch in Spanien. Suite101 kuratiert die Texte von weltweit 8000 Journalisten, Fachexperten und ambitionierten Amateuren DLD(davon in Deutschland: 500) und erreicht weltweit 24 Millionen Nutzer (Unique User) pro Monat, davon in Deutschland 1,5 Millionen.

Mit Peter Berger und dem Chefredakteur des deutschen Ablegers Suite101.de, Dirk Westphal,  habe ich bei Burdas Digitalkonferenz DLD10 ein Interview geführt (Video unten eingebettet). Die Kernaussagen daraus:

  • Suite101 versteht sich nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung zu klassischem Nachrichtenjournalismus, als “ein Tool für Experten, um sich als Autoren auf ihren Fachgebieten zu etablieren”.
  • Die Plattform ist (ähnlich wie demandmedia) nachfrageorientiert: Den größten potenziellen Erfolg haben Autoren mit Themen, die am meisten bei Google nachgefragt werden. Berger: „Entscheidend ist: Wir haben unser Modell nicht darauf aufgebaut, als wüssten wir vorher, was Leser im Internet interessiert.“
  • Sachwissen auf nachgefragten Themengebieten ist für den wirtschaftlichen Erfolg der Autoren entscheidender als Edelfeder-Schreibe. Man sollte allerdings die Fähigkeit besitzen, auf Artikellänge sein Thema verständlich zu vermitteln. Es ist keine Bürgerreporter-Plattform, Autoren müssen sich bewerben.
  • Wer mit fixen Honoraren kalkulieren will, ist hier fehl am Platz. Bei Suite101 geht es darum, sich langfristig als Expertenmarke zu etablieren und einen Longtail-Umsatzstrom aufzubauen. Die meisten Zugriffe auf die Texte kommen erst mit der Zeit über Suchmaschinen, nicht sofort.
  • Nur circa ein Drittel der Autoren bezeichnet sich wirklich als Journalisten.
  • Dass Suite101 mit seinem Modell seit Jahren profitabel ist, zeigt laut Berger, „dass es in diesem Bereich Nachholbedarf gibt. Es gibt offensichtlich auf manchen Themengebieten zuwenig Angebote, in anderen eher zuviel.“
  • “Bundling” (anzeigenträchtige Servicetexte subventionieren den Afghanistan-Aufmacher) spielen hier keine Rolle. Es werden grundsätzlich keine unrentablen Beiträge quersubventioniert. Berger: „Wenn jemand unbedingt nur Texte über das antike Rom schreiben will, dann kann er das gerne tun, wird damit aber unter Umständen kein Geld verdienen.“
  • Interview mit Peter Berger und Dirk Westphal von Suite101 from Ulrike Langer on Vimeo.

Zwei Tage nach diesem Interview gab Suite101 eine Pressemeldung (pdf) heraus zum Einstieg in die regionale Berichterstattung in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Luxemburg. In zunächst 101 Städten will Suite101 jetzt auch eine Plattform für lokale Berichterstattung durch freie Journalisten und Bürger bieten. Und beinahe zeitgleich verkündete auch das auf Telefondienste spezialisierte Unternehmen Telegate den Start seiner deutschlandweiten hyperlokalen Bürgerreporter-Plattform WerWieWas.de. Dazu gibt es ein Interview mit Gründer Dirk Rumberg beim Buchreport.

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