Linktipps zum Wochenstart (45)

iPad-Schaubild

Top-Tipps:

Die Linktipps sind heute weitgehend monothematisch: Aus mehreren Dutzend gesichteten Beiträgen, deren Verfasser genau zu glauben wissen, warum das iPad garantiert floppen bzw. auf jeden Fall die Medienlandschaft + IT-Industrie revolutionieren wird, ragen für mich die folgenden wegen ihren analytischen Schärfe oder interessanten Perspektive heraus. (kein Anspruch auf Vollständigkeit).

Warum Apple in einer anderen Liga spielt

“Apple spielt nicht das gleiche Spiel wie der Rest der Gadget-Branche” – Andreas Göldi beschreibt bei netzwertig in Text und Schaubild (s.o.), warum die Kritik der Geeks am iPad für dessen Erfolg oder Misserfolg irrelevant ist. Technologische Neuheiten halten sich üblicherweise an den bewährten Adoptionszyklus: Zuerst auf die Innovators zielen, die bereit sind, hohe Preise zu bezahlen und die für Buzz sorgen, dann auf den Massenmarkt. Göldi: Apple hält sich spätestens seit der Einführung des iPods nicht mehr an diese Spielregeln, und das iPad ist das extremste Beispiel dafür [...] Steve Jobs und Kollegen machen keine Produkte für die Technikfans, sondern zielen direkt auf den nicht technologieaffinen Massenmarkt.”

So it’s called the iPad: Five thoughts on how it will (and won’t) change the game for news organizations

Nieman Journalism Lab über das iPad als ersehnter Verlagsretter: “But the iPad, as we know it today, doesn’t change any of the fundamental economics of news commerce. On the iPhone, you can sell news apps through the App Store; you can upsell specific pieces of content to people within your apps; and you can sell advertising within those applications. (Apple takes chunks of the revenue from those first two options.) On the iPad, you can…do those same three things. The only thing that has changed is the size, and that big beautiful screen. Will people who weren’t willing to buy news on an iPhone be sold on the idea just because the text is bigger and the photos are prettier? I’d be surprised. The commerce proposition hasn’t changed.

Steve Jobs and the Economics of Elitism

Die New York Times enthält sich einer Erfolgsprognose und betont stattdessen, dass die vielbeklagten fehlenden Funktionen (Kamera, Flash, Multitasking etc.) in Wahrheit keine Mängel sind: “From computers to smartphones, Apple products are known for being stylish, powerful and pleasing to use. They are edited products that cut through complexity, by consciously leaving things out — not cramming every feature that came into an engineer’s head, an affliction known as ‘featuritis’ that burdens so many technology products.”

iPad – Apple wird der Großverlag der Welt

Auch Web-Unternehmer Ibrahim Evsan äußerst sich zum iPad (Beitrag auch in der FAZ erschienen). Kernthese: Mit dem iPad wird Apple zum entmaterialisierten globalen Großverlag. “Aus dem einzelnen Twitter-Account oder dem Blog eines Journalisten wird eine Eigenvermarktungsplattform. Ist eine gute Reputation erst einmal geschaffen, gelingt es leicht, die Leser auch als einzelner Journalist – ohne den Umweg über Gatekeeper und Verlage – über den neuen Apple-iBook-Store zu erreichen.” Ich würde Apple allerdings eher als Vermarktungsplattform denn als Verlag bezeichnen. Typische Verlagsaufgaben wie Lektorat und Vermarktung müssen Autoren bei Apple selbst organisieren, (z.B. wie Evsan schreibt, über das soziale Netz).

How media can profit from new iPad

Alan D. Mutter beschreibt in seinem Blog Reflections of a Newsosaur Strategien für Medienmacher auf dem iPad, inklusive “kuratieren”, “Geomarketing / ortsbasierte Werbung” und den nicht zu unterschätzenden Spaßfaktor: “This stuff is cool – let’s have some fun with it.”

The Apple iPad: First Impressions

David Pogue warnt Extremisten beider Seiten in der New York Times: “My main message to fanboys is this: it’s too early to draw any conclusions. Apple hasn’t given the thing to any reviewers yet, there are no iPad-only apps yet (there will be), the e-bookstore hasn’t gone online yet, and so on. So hyperventilating is not yet the appropriate reaction. At the same time, the bashers should be careful, too. As we enter Phase 2, remember how silly you all looked when you all predicted the iPhone’s demise in that period before it went on sale.

The Apple iPad explained to Geeks

Ein Gastbeitrag im Microsoft Blog des Seattle P.I. erklärt, warum normale Konsumenten von zuvielen Funktionen frustriert sind:

  • They lose their files.
  • Modularity and customizability: They have no clue where to start with the complexity.
  • RAW POWAH: For what, typing in Word?
  • Multitasking plus WIMP UI: They can’t tell what app they’re in.

weitere Tipps:

|„Journalisten sind wie Schiffbrüchige im Meer”

Gutes Interview von Stefan Weichert und Leif Kramp mit David Cohn, dem Gründer der spendenfinanzierten Journalismus-Plattform Spot.Us bei Focus Online. Cohn: “Spot.Us ist vor allem ein großes Experiment, durch das wir herausfinden wollen, wie viele der Kosten, die für ein journalistisches Angebot anfallen, von den Nutzern getragen werden können.”

Google is another country

“Leading Google is much like running a successful if secretive nation” – Alan Rusbridger, Chefredakteur des Guardian, über ein Briefing von Google CEO Eric beim World Economic Forum in Davos.

How digital media changes are affecting local media

Paul Bradshaw untersucht die Faktoren, die (nicht nur britische) Lokalzeitungen in der digitalen Medienlandschaft von mehreren Seiten in die Zange nehmen, u.a. “Cutting out the middlemen” und “The local get more local, and the nationals get local too”.

Play Paywall!, the new webgame sweeping the newspaper industry

Nieman Journalism Lab hat ein Spiel entwickelt, mit dem man die Umsätze der New York Times vor und nach der Paywall, (die in Wirklichkeit noch nicht eingeführt ist ), unter Berücksichtigung verschiedener Parameter vergleichen kann. Weniger scherzhaft gemeint, als es klingt, und sehr detailliert ausgeklügelt.

Schaubild: netzwertig

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7 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

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  4. Dieser Satz von Ibrahim Evsan ist schon bemerkenswert: “Ist eine gute Reputation erst einmal geschaffen, gelingt es leicht, die Leser auch als einzelner Journalist – ohne den Umweg über Gatekeeper und Verlage – über den neuen Apple-iBook-Store zu erreichen.” Was bitte ist dann der Apple-iBook-Store, wenn nicht Gatekeeper? Oder wie nennt man Türsteher, die Kreditkartendaten einziehen, bevor sie den Zutritt gewähren?

  5. @Horst Müller:

    Ich denke, da muss man unterscheiden. Für Medien-Apps wie “Bild” und “Stern”, deren Attraktivität ganz wesentlich (Bild) oder zumindest auch (Stern) vom Vorhandensein leicht bis gar nicht bekleideter Covergirls abhängt, ist der iTunes Store ganz sicher ein Gatekeeper: Wem amerikanisch-prüde Moralvorstellungen nicht passen, der kann ja woanders hingehen. Das gleiche gilt für Programmier mit Software, die Apple aus Konkurrenzgründen nicht passt: Ich werde keinen Alternativ-Browser zu Safari per App auf dem iPhone unterbringen können. Ibo spricht aber von Journalisten und Autoren, und denen bietet sich über iTunes eine Vermarktungsplattform, die in der Tat weit weniger restriktiv als traditionelle Verlage auftritt. Wer ein eBook über iTunes veröffentlicht:
    1. ist nicht an Exklusivität gebunden. Das gleiche eBook kann auch überall sonst vermarktet werden.
    2. ist viel schneller auf dem Markt als bei einem Buchverlag.
    3. ist nicht an ein Verlagsprogramm gebunden und daran, ob überhaupt einem Verlag das Buch gefällt. Ich habe noch von keinem Autor gehört, dessen Buch Apple abgelehnt hat. (Das wird es wohl trotzdem in Einzelfällen geben, aber gegen Apple sind Verlage redaktionelle Nadelöhre).
    4. Bekommen Autoren über iTunes 70 Prozent der Einnahmen. Soweit ich weiß, gelten bei Verlagen zumindest bei Erstlingswerken zehn Prozent Tantiemen schon als gut.

    Interessanterweise habe ich übrigens gerade gestern abend mein erstes eBook (“Meconomy”) als iPhone App herunterladen.

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