Meine Social Media Policy


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Wer in mehreren sozialen Netzwerken intensiv unterwegs ist, wird das Phänomen wahrscheinlich kennen: Jeden Tag hat man Anlass, sich bei vielen Twitter-Nutzern zu bedanken. Oder man bekommt Anfragen von Leuten, von denen man noch nie oder nur flüchtig gehört hat, sich doch bitte bei Facebook oder Foursquare zu vernetzen. Man wird von anderen Bloggern gebeten, einen gegenseitigen Linktausch vorzunehmen oder sich gegenseitig in die Blogroll aufzunehmen. Wie geht man damit um als halbwegs öffentliche Person? So, dass man sich noch in seinen eigenen Nachrichtenströmen und Netzwerken zuhause fühlen kann? Aber auch so, dass es nachvollziehbar ist und möglichst niemanden vor den Kopf stößt? Ich habe das jetzt mal aufgeschrieben. Dies sind meine persönlichen Profile (s. auch Buttons in der rechten Randspalte) und Vernetzungskriterien – sozusagen meine Social Media Policy.

twitter-32x32Twitter

Da ich mittlerweile über 800 Nutzern folge, bin ich ziemlich restriktiv geworden, wem ich zurückfolge. Ich schaue mir fast immer die Timeline an und folge in der Regel zurück, wenn:

  • ich den Nutzer persönlich kenne und schätze
  • aus der Kurzbio und aus der verlinkten Webseite hervorgeht, dass diese Person für mich fachlich relevant ist
  • die Tweets für mich interessant und fachlich relevant sind
  • die Tweets relevante Links enthalten, die ich nicht schon seit einer Woche kenne

Ich folge in der Regel nicht zurück, wenn:

  • das Profilbild fehlt
  • kein Klarname auf der Profilseite steht
  • kein Link zu einer Webseite führt (kann auch ein Xing-Profil etc. sein)
  • zu viel Privates getwittert wird
  • das Twitter-Account nur oder überwiegend Marketingzwecken dient
  • derjenige weit mehr Nutzern folgt als ihm zurückfolgen
  • derjenige mehr als 2000 Nutzern folgt (wie kann er/sie dann ernsthaft an meinen Tweets interessiert sein?)
  • derjenige nur sporadisch twittert
  • derjenige sich zwar “Social Media Expert” nennt, aber erst seit kurzem twittert und/oder kaum Follower hat

Da ich mich ernsthaft bemühe, meine Timeline möglichst unter 800 Friends zu halten (momentan bin ich wieder drüber), entfollowe ich auch Nutzern wieder. Bitte nicht persönlich nehmen: Das bedeutet nur, dass derjenige auf Dauer doch nicht zu meinem persönlichen Nutzungsverhalten passt.

  • Was ich bei Twitter immer und zuverlässig tue: Ich reagiere auf DMs, die wirklich an mich persönlich gerichtet sind (es gibt ja auch die neue Unsitte der Massen-DMs…)
  • Ich bemühe mich, Fragen zu beantworten, sofern ich das kann (auch zeitlich).

Was ich künftig bei Twitter nicht mehr tun werde:

  • Ich schätze wirklich jeden Retweet, jede Erwähnung und jede Followfriday-Nennung, aber werde mich nur noch in Ausnahmefällen dafür öffentlich bedanken. Ich habe das ohnehin nie konsequent getan, und es geht auch nicht mehr, weil es einfach zuviel wird. So nett diese öffentlichen Danksagungen auch sind – für diejenigen, denen gedankt wird – so langweilig sind sie bestimmt für alle anderen, die meine Timeline mitlesen.

feed-32x32Blogs

Ganz einfach: Ich verlinke nur Texte, die inhaltlich zum Thema passen. In meiner Blogroll stehen nur Blogs, die ich empfehle und die außerdem inhaltlich zu diesem Blog passen. (Das ist nicht unbedingt ein Qualitätsurteil, ich lese regelmäßig noch ca. 200 weitere Blogs zumindest diagonal). Ich mache keine Linktausche und verkaufe auch keine Links.

xingblogbeitragXing

Hier gehe ich recht locker mit Kontakten um. Wer sich aus rein beruflichen Gründen mit mir vernetzen möchte, auch wenn wir uns nicht kennen – dies ist die Plattform dafür. Allerdings bin ich seit einiger Zeit kein Premium-Mitglied mehr, kann also über Xing keine Nachrichten schreiben und verlagere den Nachrichtenaustausch immer gleich auf Email.

linkedin-32x32LinkedIn

Hier gilt das Gleiche wie bei Xing, außer dass ich bei LinkedIn noch nie zahlendes Mitglied war.

facebook-32x32Facebook

Etwas schwieriger, weil hierhin alle Kontakte zu migrieren scheinen. Das ist einerseits schön, weil ich Facebook im Gegensatz zu Xing und LinkedIn wirklich aktiv nutze und dort auch nennenswert Zeit verbringe. Andererseits habe ich Facebook früher nur dazu genutzt, um mit meinen internationalen Freunden (echten Freunden, nicht unbedingt aus der Medienszene) in Kontakt zu bleiben. Diese Trennung lässt sich nicht mehr aufrecht erhalten. Ich vernetze mich inzwischen bei Facebook nach ähnlichen Kriterien wie bei Twitter, allerdings restriktiver. Meine beruflichen Facebook-Freunde sind nur Leute, die ich persönlich kenne – wir haben uns schon mal auf einem Kongress längere Zeit unterhalten, wir pflegen einen intensiven Austausch per Twitter, wir haben ohnehin beruflich miteinander zu tun, etc. Wen ich nicht kenne: über neue Fans meiner Facebook-Seite (s. rechte Randspalte) freue ich mich natürlich immer…

foursquare4Foursquare

Damit experimentiere ich noch. Interessiert bin ich vor allem an Kontakten in Köln, aus meinem engeren beruflich-privaten Netzwerk und in Städten, in denen ich häufiger bin: Düsseldorf, Berlin, Hamburg, Frankfurt, München. Bisher nutze ich es noch kaum, aber das soll sich ändern. Hier der Link.

posterous-32x32Posterous

Das nutze ich weniger als anfangs gedacht. Es gibt halt doch eher wenig Themen, die zu lang sind für einen Tweet, aber auch keinen eigenen Blogbeitrag  rechtfertigen. Dennoch soll ein Hinweis auf Ulrike’s Posterous nicht fehlen.

friendfeedblogbeitragFriendfeed

Ich will ehrlich sein: Bei Friendfeed läuft mein Twitterfeed ein, das bringt auch ein bisschen Traffic auf diese Seite. Ab und zu klicke ich dort auch auf eine Nachricht, wenn ich sie zufällig sehe (Friendfeed ist ein Widget auf meiner iGoogle-Startseite und dort werden immer die drei neuesten Nachrichten angezeigt) aber darüber hinaus erschließt sich mir der Zusatznutzen von Friendfeed gegenüber Twitter und Facebook nicht wirklich.

vimeo-32x32 Vimeo

Dort habe ich inzwischen einen Kanal und stelle vor allem Interviews mit Medienmachern und Medieninnovatoren ein (nichts Privates!). Wer vor allem an diesen Interviews interessiert ist: hier entlang.

slideshareSlideshare

Dort stehen meine Präsentationen (dummerweiser auf zwei verschiedenen Profilen hier und hier, ich muss noch herausfinden, wie man die Profile evtl. zusammenlegen kann).

Titelbild: Webdesignledger

Icons: Paul Robert Lloyd

Was ist Ihre / Eure Meinung? Wer hat sich auch Gedanken gemacht über eine Social Media Policy?

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19 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Finde die Policy vorbildlich!! So wissen alle Beteiligten, woran sie sind und wie sie Kontakt aufnehmen sollen, damit es NICHT nervt. Bitte mehr davon auf anderen Blogs und Websites!

  2. Die Erfahrung mit Facebook habe ich auch gemacht: Es begann eigentlich komplett privat, um mit Freundinnen abroad in Verbindung zu bleiben. Jetzt drängelt sich zunehmend der Beruf in Form von Kollegen hinein, übrigens publikationsübergreifend – und das ist wieder interessant. Schlimm ist es keinesfalls: Den Aufmacher von morgen hätte ich dort sowieso nie verraten.

  3. Danke für die Einblicke.

    Würde sich jeder so viele Gedanke zu seinem Verhalten im Netz machen, wäre der Aufenthalt im Social Web um einiges angenehmer.

    Viele “Social Media Experten” bedienen sich an allen verfügbaren Kanälen und vernetzen diese auch noch miteinander. Das Ergebnis ist in den meisten Fällen ein nicht zu überhörendes Rauschen in dem es schwer fällt relevante Informationen zu filtern.

    Das Signal-to-Noise Ratio ist für mich die entscheidende Kennzahl, über die dich jeder Gedanken machen sollte der sich im Social Web bewegt.

  4. Kompliment zum sympathisch klaren und unaufgeregten Umgang mit all diesem Social Media Gedöns.

    … und bei dieser Gelegenheit auch meinen Dank für die immer interessanten Anregungen zum weiterlesen.

  5. “…zu viel Privates getwittert wird…”

    vs.

    “…das Twitter-Account nur oder überwiegend Marketingzwecken dient…”

    verstehe ich nicht; was außer den beiden Möglichkeiten gibt es sonst für Informationen die über Twitter laufen sollten? Wettervorhersage? Lustige Witze? Sonstiges?

  6. Mich würde interessieren, ob das Benutzen der verschiedenen social network tools – so wie Sie’s geschildert haben – zunächst unbewusst geschehen ist oder von Beginn an durchdacht war. Stelle bei mir fest, dass sich zunächst ganz unbeabsichtigt eine Trennung in privat und dienstlich ergeben hat, die offenbar mit den tools selbst zusammenhing bzw. deren mehr oder weniger intuitiver Benutzeroberfläche.

  7. Liest sich für mich wie eine Ansammlung von Selbstverständlichkeiten. Sollten einige Leute sich dennoch mal anschauen. Gerade das mit dem Bedanken bei RTs finde ich richtig.

  8. Hallo Ulrike:

    Schöne Aufstellung, die mir Bestätigung meiner Social Media Aktivitäten gegeben hat. Für intensive Online ist Deine “Policy” wahrscheinlich weitgehend der normale, tägliche Weg.

    An ein paar Stellen nutze ich die Dienste etwas anders:

    mit 560 Followern bei Twitter schaue ich auch nach der thematischen “Passgenauigkeit”, bin beim Folgen aber eher nicht nur auf persönliche Kontakte ausgerichtet.

    Bei XING und Linkedin vernetze ich mich selbst dagegen weitgehend nur mit Menschen, die ich kenne – also ein “Karteikasten” der eigenen, bekannten Kontakte.

    Posterous verwende ich wie einen persönlichen Blog, auf dem ich Beiträge poste, die mit meinem Beruf und meinem Geschäft weniger zu tun haben, aber interessant sein können.

  9. Vielen Dank an alle für die interessanten Kommentare und sorry, dass ich erst jetzt Zeit habe, mich wieder einzuschalten.

    @Jo
    “Signal to noise ratio” ist ein wichtiger Aspekt, vor allem wenn man berufs- und themenbedingt (Journalistin, die über digitale Medienentwicklungen schreibt) die Filter sehr weit offen stehen hat. Es ist wirklich eine andere Nummer. Eine Versicherungsangestellter kann sagen: Job ist Job und in meinen Netzwerken bin ich nur privat unterwegs. In kommunikativen Berufen mischen die Sphären dagegen mehr und mehr.

    @Uwe
    Zwischen “rein privat” und “nur zu Marketingszwecken” liegt eine riesige Bandbreite. Ich nutze Netzwerke (v.a. Twitter) neben dem Austausch mit Freunden und Bekannten auch, um darüber interessante Kontakte zu knüpfen und interessante Themenanregungen zu finden. Jemand, der immer nur twittert, ob die Blumen neues Wasser brauchen, ob die U-Bahn wieder unterwegs steckengeblieben ist und was im Ofen brutzelt, ist für mich ebenso uninteressant wie jemand, bei dem alle Tweets mit Links immer nur auf die eigenene Webseite führen. Ebenso wie ich ein Filter für meine Abonnenten bin – ich twittere vorrangig Hinweise auf interessante Fundstellen im Netz – folge ich auch umgekehrt vor allem Leuten, die mir solche Informationen liefern.

    @Nike
    Das war absolut nicht von Anfang an durchdacht. Wie gesagt: Bei Facebook und Xing bin ich schon lange, das waren anfangs völlig getrennte Gruppen von Kontakten. Bei Twitter habe ich überhaupt nicht geahnt, wie schnell das abgehen würde und wie wichtig dieser Dienst für mich als Hauptkommunikationszentrale werden würde. Und bei Twitter: Wenn ich noch mal von vorne anfangen würde, hieße ich dort bestimmt nicht @mauisurfer25 :-)

    @Thomas

    Interessant: Xing und LinkedIn sehe ich längst nicht so persönlich. Ich will darüber vor allem gefunden werden. Xing-Profile ranken bei Google sehr gut. Deine Art der Posterous-Nutzung habe ich inzwischen schon von mehreren gehört. Das scheint eine typische Nutzung zu sein.

  10. Ich finde die Aufstellung großartig und ich erkenne einige Parallelen zu meinem Verhalten. Mein Problem ist folgendes: Ich werde auf Facebook in letzter Zeit häufig von Leuten angesprochen, die mir auf Twitter folgen und die mich gerne als Facebook-Freund hätten, um dort zu kommentieren bzw. die Kommentare mitlesen zu können. Aber: Da ich eine ganze Reihe ziemlich privater Kontakte in Facebook pflege, will ich nicht unbedingt jeden zum Facebook-Freund. Heißt aber auch: Wenn Facebook da etwas pfiffiges einfällt, um private und weniger private Kontakte zu trennen, brauche ich eigentlich kein weiteres Tool mehr… (vorausgesetzt die Foursquare-Funktion kommt auch bald…)

  11. @Marian
    Unter Konto > Privatsphäre-Einstellungen > Profilinformationen kann man schon jetzt einzelne Personen von Pinnwandaktivitäten ausschließen. Aber ich gebe dir Recht eine Gruppierungsfunktion wäre durchaus wünschenswert und würde viel manuelle Arbeit ersparen.

  12. Generell erst mal gut so eine policy aufzuschreiben. Vieles wird klarer. Danke. Abgesehen von den vielen von mir genutzten Diensten ein paar Anmerkungen zu mir wichtigen Diensten:

    Mein Hauptdienst Microblogging-Dienst ist http://identi.ca/m1 (OpenSouce, CC-Lizenz für Inhalte, Serverinstanzen vernetzbar, etc.). Da bin ich sogar vom Klarnamen weg, um bei Replies mehr Antwortplatz zu bieten. Alles was dort nicht mit @ anfängt, geht auch zu Twitter.

    Twitter ist für mich (http://twitter.com/Markus_Merz) Stichwort-Monitoring, Suche und Kommunikation (in der Reihenfolge).

    FriendFeed ist der beste Dienst. Die meisten & die cleversten Features + Realtime Timeline. Leider in Deutschland unterrepräsentiert. Sehr schade, FF hat die besten Filter, etc.

    In Sachen Social Media & Onlinejournalismus:

    Posterous ist die geilste Neuheit 2009. Posterous ist eine Arbeitserleichterung. Diese Einfachheit + dieses ping.fm ähnliche Weiterverbreiten ist göttlich. Journalistisch (u.A.!) ist Posterous ein interessanter Transparenzkanal. Ich nutze z.B. http://stgi.posterous.com/ konzeptionell, um Pressemitteilungen dort per Forward inkl. der angehängten Dokumente absolut unkompliziert abzulegen. Dieses Konzept, eine Parallelseite zur Hauptseite http://sankt-georg.info/, ist noch sehr rudimentär und unbeworben., aber ich habe da so einige Ideen.

    Einer meiner wichtigsten side-kicks ist Flickr (http://www.flickr.com/photos/markus-merz/). Als Webseitenbetreiber & Fotograf sollte man sich die Auffindbarkeit ansonsten nicht findbarer Fotos nicht entgehen lassen. Gruppen, Geotagging, Keywords und Volltext sind wahre Long Tail Killerargumente. Eine ‘eigene’ Gruppe zum Thema ist auch nicht zu verachten: http://www.flickr.com/groups/st-georg/.

    Social Media Effekte abseits von Text sind essentiell. Man muss allerdings einen ausgefeilten workflow entwickeln, um effektiv zu sein & sich nicht zeitaufwändig zu verheddern.

  13. @Markus
    Danke für die interessanten Ergänzungen. Bei Flickr habe ich auch einen Account, nutze es aber eigentlich nur (und das sehr häufig) um Fotos zu finden, deshalb habe ich es hier nicht erwähnt. Bloggen per Posterous finde ich gar nicht so praktisch, es geht bei mir auch nicht schneller als mit WordPress, aber vielleicht ist das vor allem Gewöhnungssache.

  14. @Ulrike Verständliche Einwände. Ich bin allerdings bei all diesen Dingsens erst einmal neugierig, teste etwas und schlafe darüber. Bei mir (!) haben sich halt andere Sachen bewährt als bei Dir oder anderen Leuten. Das ist auch wichtig & richtig so; in erster Linie sollen es ja schließlich tools sein (ich bin da gedanklich etwas von Deiner Social Media Policy abgeschweift), und keine must have Lebenserschwernisse.

    Posterous hat im Gegensatz zu einer Schnellablage in WP (Ich nutze Textpattern) den Vorteil des ‘schnell & kontrolliert überall hin’ Publizierens. Das SM-Bündel kann Twitter-like schnell in ‘Groß’ bedient werden, ohne dass ich Aufwand habe. Da geht es mir nicht ums Bloggen, sondern ums SM-Publizieren und z.T. ums transparent machen.

  15. Pingback: mediaclinique | ralf schwartz

  16. Pingback: Neues aus dem #Netz | Cirquent Blog

  17. Soziale Kontakte waren schon immer ein sehr wichtiger Aspekt im Leben, ich finde es gut das es so ein Service gibt.

  18. Wie weit die neuen Netze schon mit in leben dieser Online Gesellschaft gehört konnte man sehr gut sehen als Facebook mal über einige Stunden off war. Es gibt viele die hier Stunden in den Social Media verbringen und für die eine Welt zusammenbricht wenn das mal nicht online ist. Es gibt auch ein Leben ohne Social Media.