“Meconomy” von Markus Albers ab sofort auch gedruckt

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“Meconomy” – Wie wir in Zukunft leben und arbeiten werden – und warum wir uns jetzt neu erfinden müssen” heißt das neue Buch des Berliner Journalisten und Medienberaters Markus Albers. Es hat sich als E-Book schon einige hundert Mal verkauft. Deshalb bietet Albers ab sofort auch eine gedruckte Ausgabe an. Das Buch erscheint als Print on Demand in Kooperation mit der E-Publishing-Plattform epubli für 16, 90 Euro in vier verschiedenen Coverversionen: green edition, pink edition, orange edition, und blue edition. epubli erlässt den Käufern die Versandkosten, die normalerweise 4,95 Euro betragen. Man muss dazu im Kaufformular den Code “epubli-meconomy” eingeben.

Ich habe mir “Meconomy” schon vor einem Monat als iPhone App gekauft und auch komplett auf dem iPhone gelesen (obwohl man in diesem Fall von Markus auf Anfrage auch die pdf-Version als Bonus bekommt). Das Lesen auf dem iPhone geht übrigens überraschend gut, wenn man sich erst einmal an den Mechanismus zum “Umblättern” gewöhnt hat. Wahrscheinlich hätte ich es auf Dauer aber doch etwas mühselig gefunden, wenn mich der Inhalt des Buches nicht so fasziniert hätte. In Kürze: Markus Albers beschreibt in “Meconomy” warum Menschen, die selbstbestimmt arbeiten, glücklicher, herausgeforderter und oft auch erfolgreicher sind:

Willkommen in der Meconomy: Wir machen unsere Hobbys zum Beruf und verlegen unseren Lebensmittelpunkt dorthin, wo wir am glücklichsten und produktivsten sind. Wir müssen uns als Marke positionieren, ständig dazulernen und Dinge, die wir nicht gern tun, an Dienstleister in fernen Ländern auslagern. Wir machen uns leichteren Herzens selbstständig, aber vor allem werden wir selbstständiger denken und fühlen. Es wird ein gutes, aufregendes und erfülltes Leben sein, aber nicht jeder wird es führen können. Die Meconomy wird die Gesellschaft in der Mitte spalten.

Dieses Buch kommt genau zur richtigen Zeit, denn auf uns alle rollt gerade ein Tsunami zu. Was wollen wir sein? Besitzstandswahrer in bedrohten Strukturen oder Pioniere einer neuen Wirtschaftswelt? Meconomy macht Mut, rechtzeitig persönliche Weichen zu stellen.Vor allem in der Medienbranche kann sich eigentlich niemand mehr der Illusion hingeben, die eigene Arbeits- und Lebensperspektive benötige keinen Plan B. Feste Arbeitsverhältnisse mit gesicherten Einkommen zerbröseln förmlich. In Verlagen werden die Redaktionen immer weiter ausgedünnt. Was nicht bedeutet, dass im Gegenzug freie Journalisten um so mehr Aufträge bekommen. Jedenfalls nur selten welche, die sich lohnen. Denn ebenso wie die festen Stellen schrumpfen auch die Honoraretats. Doch anstatt sich vergeblich zu bemühen, den Status Quo zu retten, kann man als Betroffener auch versuchen, sich aus diesem Rattenrennen, in dem andere Richtung und Tempo vorgeben, zu befreien. Möglichst vor dem Burnout.

Marukus_AlbersSchon Markus Albers erstes Buch “Morgen komm ich später rein”, entstand in einer persönlichen Umbruchphase. Kurz vorher hatte der Autor seine Stelle als Managing Editor der deutschen “Vanity Fair” gekündigt, um mehr Zeit für eigene Ideen zu haben.  Kurz darauf traf die Einstellung des Magazins seine Kollegen völlig unvorbereitet, während Albers seinen Lebensplan B längst umsetzte. Das Buch wurde ein Wirtschaftsbestseller.

Auch bei “Meconomy” hatte der Autor den richtigen Instinkt. Anstatt auf den Verlag zu hören, der das Buch erst in diesem Herbst herausbringen wollte, vertraute er darauf, dass “Meconomy” jetzt auf dem Markt sein muss und seine Käufer finden wird. Auch ohne einen Verlag. Seit dem 24. Januar ist “Meconomy” als E-Book über verschiedene Plattformen, als pdf-Datei und als iPhone-Applikation für jeweils 9,90 Euro erhältlich. Rund 20 Blogs verkaufen Albers Buch gegen Provision über Affiliate Links. (Dislaimer: Ich habe auch einen solchen Link in der rechten Seitenleiste.)

Einen “niedrigen vierstelligen Betrag” steckte Albers an externen Kosten in das Projekt, zum Beispiel in ein professionelles Lektorat und eine ansprechende Webseite. Das ist viel weniger als es einen Verlag gekostet hätte, das Buch auf konventionellem Weg zu veröffentlichen. Und die Kosten dafür hat er schon wieder hereingeholt. Vor allem aber beweist Albers mit “Meconomy”, dass er über die aktive Gestaltung einer selbstbestimmten Lebens- und Arbeitswelt nicht nur kluge Thesen verfassen kann, sondern die “Meconomy” auch vorlebt. Und zwar mit Vergnügen.

Das hat mir an diesem Buch eigentlich am besten gefallen: Der Autor sieht im Wandel weniger die Bedrohungen, sondern vor allem die Chancen. Dieses Buch ermutigt Menschen, die im Grunde nichts als einen Laptop, ein Handy und einen WLAN-Anschluss brauchen, um arbeiten zu können, weil ihr restliches Kapital aus Ideen und Kontakten besteht, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen und ihr eigenen Geschäftsmodelle zu entwickeln, die zu ihnen passen.

Albers behauptet nicht, dass nun jeder – zum Beispiel auch ein Bankangestellter oder ein Beamter – besser als Solo-Selbstständige arbeiten sollte. Aber eine Modedesignerin, die ihre Kollektionen über das Internet vertreibt, ein Kolumnist, der seine Kolumne über seine Webpage per Abo anbietet oder ein Autor, der seine Buchidee ohne Verlag umsetzt – all das ist heute ohne weiteres möglich. Zusätzlich zu seinen sehr klar formulierten Thesen und Beispielen für neue Arbeits- und Lebensmodelle lässt Albers mehrere Experten in Interviews zu Wort kommen, zum Beispiel den Branding-Experten Simon Anholt, den Reputation-Manager Klaus Eck und den “Wird”-Chefredakteur Chris Anderson (“The Long Tail”, “Freemium”). Diese Interviews kann man aber auch – ganz im Sinne des “Freemium”-Konzeptes –  auf der “Meconomy”-Homepage nachlesen.

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Der Grund, warum ich diese Rezension erst jetzt schreibe, hat übrigens auch mit der “Meconomy” zu tun. Über den neuen Trend Unternehmer-Journalismus, wie das Buch “Meconomy” entstanden ist und was andere Journalisten und Kreative von diesem Beispiel lernen können, habe ich mit Markus Albers ein Interview geführt. Es sollte ursprünglich auf diesem Blog erscheinen im neuen Themenschwerpunkt Unternehmer-Journalismus. (Ich suche mir immer häufiger – auch – Themen aus, die ich recherchieren und schreiben möchte, ohne vorher zu fragen, ob es dafür einen klassischen Auftraggeber gibt). Doch dann ergab sich die Chance, das Thema als Titelgeschichte für das soeben erschienene medium magazin (Heft 3/10) auszuweiten. Das Interview mit Markus Albers ist nun Bestandteil davon. Bis Ende März ist der Online-Zugang den Heftabonnenten vorbehalten. Nach Freischaltung werde ich natürlich darauf verlinken. Ansonsten empfehle ich Nicht-Abonnenten, die nicht so lange warten wollen, den Gang zu einer gut sortierten Buchhandlung oder zum Bahnhofskiosk. Es lohnt sich ;-)