Gute Nachrichten für Autoren im Eigenverlag: Netzwerke wichtiger als klassische Buchvermarktung

Eine neue amerikanische Studie zeigt: Persönliche Empfehlungen im Freundeskreis und über soziale Netzwerke sind bei Büchern kaufentscheidender als Verlagspromotion, klassische Werbung oder gedruckte Buchrezensionen.

Vor einigen Wochen habe ich ein Interview* mit Markus Albers geführt, der sein neues Buch “Meconomy” über selbstbestimmtes Arbeiten im Eigenverlag herausgebracht hat. Darin sagt Albers:

[…] von Werbung für Bücher hat man oft ein falsches Bild. Das machen die Verlage fast gar nicht, es sei denn man ist ein prominenter Autor oder das Buch schon ein Bestseller – dafür haben die gar keine Budgets.

Auf meine Frage, wie wichtig die Mund-Propaganda im sozialen Netz ist, wenn man kein Verlagsmarketing im Rücken hat, sagte Albers:

Die ist zentral wichtig, weil ich kein Werbebudget habe. Um zu messen, wie das läuft, richte ich auf Twitter Suchbegriffe ein, schaue nach dem Titel meines Buches und nach meinem Namen und gucke, was die Leute so schreiben. Es klappt tatsächlich sehr gut, die Leute empfehlen das Buch weiter. Dieses Word-of -Mouth funktioniert sogar besser als beim ersten Buch, was an der neuen Vertriebsform liegen mag oder daran, dass inzwischen mehr Menschen in sozialen Netzwerken unterwegs sind.

Mehr als 20 Blogger haben außerdem einen Affiliate Link** in ihr Blog eingebunden, über den sie großzügige 40 Prozent Anteil am Verkaufserlös erhalten, wenn das Buch über ihre Seite verkauft wird. Das ist ebenfalls ein Weg für Autoren, das soziale Netz als Verkaufsplattform zu nutzen.

Eine aktuelle Studie, die ich jetzt im Newsletter Publishing Trends (pdf) der US-Buchindustrie gefunden habe, gibt erstens Albers mit seinen Einschätzungen Recht, und kann zweitens weiteren Autoren Mut machen, die ebenfalls damit liebäugeln, ohne die Filter- und Vermarktungsstrukturen eines Verlags- zum Beispiel über die Plattform epubli – ihr Projekt als eigenverantwortliche Unternehmer aufzuziehen.

Laut der Studie, bei der die Beweggründe der Kaufentscheidung für fiktionale Literatur auf dem US-Buchmarkt 2009 untersucht wurden, sind persönliche Empfehlungen über Freunde und Verwandte, egal ob von Angesicht zu Angesicht oder über virtuelle Netzwerke, schon heute wesentlich wichtiger als Bestsellerlisten, Online- oder Print-Buchrezensionen, Verlags-PR oder persönliche Beratung im Buchladen. Nur die Positionierung des Buches im Laden – liegt es in großen Stapeln mitten im Laden aus, muss man danach fragen oder muss es gar erst bestellt werden – spielt eine noch größere Rolle dabei, ob sich das Buch gut verkauft:

Buchverkauf1

Noch deutlicher ist dieser Trend bei den unter 30-Jährigen zu erkennen. Das soziale Netz ist ihre Informationsquelle Nummer eins für neue und interessante Bücher, während gedruckte Buchrezensionen an ihnen fast völlig vorbei geschrieben werden. Bei den unter 20-Jährigen spielen außerdem auch Empfehlungen durch die Schule noch eine wichtige Rolle:

Buchverkauf2

Natürlich bezieht sich diese Studie nur auf den US-Markt und lässt sich nicht 1:1 auf deutsche Verhältnisse übertragen. Außerdem habe ich keinen Hinweis darauf gefunden, wie groß die Stichprobe der Befragten war, d. wie repräsentativ die Studie ist. Was sich aber, wie ich finde, darus sehr wohl ableiten lässt: Deutsche Autoren, die den Mut haben, im Eigenverlag zu publizieren und dabei Sicherheit gegen mehr Freiheit und höhere Gewinnmargen einzutauschen, verrennen sich offensichtlich nicht in ein völliges Hirngespinst.

via Nieman Journalism Lab

Nachtrag: Gestern ist bei “Spiegel Online” ein interessanter Bericht über “Meconomy” und Self-Publishing erschienen: E-Books für iPad und Co. – Es geht auch ohne.

*Das gesamte Interview ist bei mediummagazin frei online nachlesbar.

** Disclaimer: Ich hatte bis vor kurzem ebenfalls einen Affiliate Link für “Meconomy”. Da ich das Selfpublishing-Experiment für so wegweisend halte, dass ich sicherlich noch häufiger in verschiedenen Zusammenhängen darüber berichten werde, habe ich den Link mittlerweile entfernt, um nicht den Anschein der Vermischung von Verkaufsinteresse und publizistischem Interesse zu erzeugen.

9 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Die Studie macht allen Autoren ohne Verlag Mut! Neben der Möglichkeit der Veröffentlichung im Eigenverlag bietet sich auch eine Online Vermarktungslösung an – nämlich die Plattform XinXii. Dort können Autoren ihre Werke in der digitalen Version selber vermarkten: in völliger Eigenregie, kostenfrei, ohne Vertragsbindung und in Echtzeit. Bei Interesse: http://www.xinxii.com

  2. Ein Netzpromi/Sellerautor zu sein hilft hübsch bei der Vermarktung von Texten, um die sich nicht mehr die etablierten Verlagsmaschinen kümmern. Was Albers mit MECONOMY macht, ist aber weniger Mundpropagandda-Experiment als Luxus: die ‘Selbst’Veröffentlichungs-Anteile jenseits vom Schreiben gibt er ab als kostenpflichtige Dienstleistungen, ob bei Print, E-Print oder Website-pdf, ob Layout, Lektorat, VLB-Meldungen oder Distribution.

    Übrigens gibt es kein kostenloses Selbstveröffentlichen; jenseits vom eigenen Zeitaufwand will, wird und muss jeder Anbieter/jede Plattform Geld verdienen, ob auf klassische oder Netz-Art. Wer es sich also leisten kann, auf eine (spürbare) Gewinnmarge zu verzichten bzw. diese stark zu reduzieren, kann das natürlich jederzeit tun: Das dünnt das Aufgabenfeld ungemein aus; entspannend für den Eigenverleger…

    Also das selbstinitiierte Veröffentlichen lieber sein lassen? Na aber auf gar keinen Fall:))

  3. Pingback: Buchkäufe junger US-Amerikaner werden primär durch Empfehlungen von Freunden und Verwandten veranlasst | Leander Wattig

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  5. @ Herr Voß:

    Sie haben völlig Recht ;-) Ist korrigiert.

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