Linktipps zum Wochenstart: Information Overkill, diesmal intelligent

southpark

Top-Tipp:

Information Overkill

Ein Highlight der TV-Diskussionskultur: Die Germanistin Astrid Herbold, der Organisationspsychologe Peter Kruse, der Journalist und TV-Produzent Mario Sixtus und der Werbeexperte und Autor Sascha Lobo unterhalten sich in einer Ausgabe des ZDF-“Nachtjournal”, (die erst Sonntag abend um 0:30 im Fernsehen gezeigt wird, aber schon seit Freitag in der ZDF-Mediathek abrufbar ist – in der Überschrift verlinkt) intelligent, kritisch und zusammenhängend darüber, wie das Netz unser Leben verändert. Das ist erwähnenswert, weil sich ein Vergleich mit der unsäglich dummen, populistischen und wirren Diskussion bei Maybrit Illner im gleichen Sender zum gleichen Thema in der gleichen Woche geradezu aufdrängt.

weitere Tipps:

Charlie Rose – Matthias Döpfner, Chairman & CEO, Axel Springer

Dieses Gespräch zwischen dem US-Talkshowhost und dem Vorstandsvorsitzenden des Springer-Konzerns ist denkwürdig. Matthias Döpfner sagt darin tatsächlich, das Verlage eigentlich jeden Tag auf die Knie fallen und Steve Jobs danken müssten, weil er ihnen das iPad beschert habe. Und dann zeigt Döpfner sein iPad mit Springers neuem iKiosk und den Springer iPad-Applikationen Welt und Bild. Der Kontrast zwischen Anspruch und Wirklichkeit inspirierte eine ganze Reihe von Reaktionen. Andreas Göldi von netzwertig (“Die erste deutsche Medien-iPad-App enttäuscht”) verleiht der Welt-Applikation zwar insgesamt des Prädikat “unbrauchbar”, fühlt sich zwischendurch aber immerhin unfreiwillig unterhalten: “Gelegentlich muss man laut lachen, beispielsweise auf der Börsenseite. Da stehen drei Seiten lang in winziger Schrift die Börsenkurse von gestern abgedruckt. Das ist nicht nur unlesbar, sondern auch auf einem vernetzten Gerät so absurd, dass es wenigstens einen gewissen Meta-Unterhaltungswert mit sich bringt.” Matthias Spielkamp greift in seinem immateriblog (“That’s the problem of the creator, not the consumer”) den Widerspruch auf, dass Döpfner zwar das Hohelied auf Prosumenten singt, dann aber doch nur die Konsumenten meint. Medienberater Steffen Leidel (“Multimedia-Storytelling: Von Spaziergängern und Querfeldeinläufern”) hofft in einem Beitrag bei lab, dass das iPad den Multimedia-Journalismus beflügelt, sieht aber insgesamt bei den Verlagen bisher wenig Ansätze dafür.

Eine offene Bibliographie für die Internet-Enquete – bitte ergänzen!

iRights.info hat ein Wiki “OpenBibliographie” eingerichtet, auf dem die von der Bibliothek des Deutschen Bundestages eingerichtete Lektüreliste für die Internet-Enquete ergänzt werden kann. Dazu Matthias Spielkamp: “Diese Bibliographie enthält – bei der Länge nicht verwunderlich – viele interessante Texte. Aber sie enthält auch viele Lücken. Autoren wie Lawrence Lessig, James Boyle oder Rainer Kuhlen kommen nicht vor, obwohl sie substanzielle Beiträge zur Debatte geleistet haben.” Bisher enthält das Wiki rund 30 Einträge.

Die Zahl der Wirtschaftsblogs nimmt stetig zu – Jetzt müssten sie nur noch gelesen werden

Pixelökonom Johannes Weber analysiert, warum deutsche Wirtschaftsblogs eine so untergeordnete Rolle spielen und beklagt: “Dabei könnten Blogs publizistische Lücken schließen. Die etablierten Wirtschaftsmedien verhalten sich nämlich gerne wie Spekulanten an der Börse. Sie folgen der Herde. Berichtet wird über das, worüber alle berichten.”

What exactly is a social media editor / manager?

Mark Luckie hat die Social Media Redakteure und Community Manager von sechs Zeitungen und Webportalen zu ihren im traditionellen Journalismus noch sehr neuen Aufgabengebieten befragt. Interessant ist vor allem die Antwort von Greer McDonald von stuff.co.nz, die offenbar redaktionsintern viel Aufklärungsarbeit leistet: “Half of the job is about educating people about what social media is! There are a lot of misconceptions surrounding it, with many thinking it’s just a passing fad. My job is to show those people the benefits of social media: whether it’s a journalist improving their personal brand through a Twitter profile, or a newspaper boss rejoicing after receiving a brilliant news tip left as comments on a Facebook page.”

fiene & von der faz zum zdf-morgenmagazin – wulf schmiese im gespräch nach seiner ersten woche

Daniel Fiene hat sein  Interview aus dem “Was mit Medien” Podcast mit Wulf Schmiese, dem neuen “Gesicht” des ZDF-“Morgenmagazin” als Abschrift auf sein Blog gestellt. Interessant ist unter anderem der Unterschied, den Schmiese als bisheriger FAZ-Korrespondent zwischen Print- und TV-Interviews sieht: “Das gesprochene Wort aufzuschreiben wäre fürchterlich langweilig. Im Fernsehen hat man diese Möglichkeit nicht. Du kannst nichts streichen. Du kannst nichts zuspitzen. Also mußt du den Politiker schon in der Frage etwas packen. […] Du weißt, du hast insgesamt nur vier Minuten und nach der dritten Frage hörst du schon auf dem Ohr “wir müssen gleich raus”. Aber du willst noch Inhalt bekommen, dann geht man forscher voran.”

Einige Notizen zu den rivva-Leitmedien

Jan Schmidt nimmt das lesenswerte Porträt von Wolfgang Michal über den Rivva-Gründer und -Betreiber Frank Westphal zum Anlass, den Rivva Leitmedienindex zu untersuchen. Darin sind die 100 meistverlinkten Webseiten aufgeführt (mit Einschränkungen). Schmidt zieht u.a. dieses Fazit aus seiner Auswertung: ”Was kann man nun mit diesen Erkenntnissen anfangen? Zunächst mal ist es ein weiterer Beleg dafür, dass blogbasierte Öffentlichkeiten mit professionell-journalistischen Öffentlichkeiten verschränkt sind; nimmt man noch den Befund aus einer früheren kleinen Studie hinzu, dass weniger als zehn Prozent der Verweise von Blogs auf massenmediale Quellen explizit kritisch sind, sondern es überwiegend reine Referenzierungen oder sogar Empfehlungen sind, erhärtet sich der Befund, dass Blogs die Aufmerksamkeit für journalistische Inhalte noch vergrößern.”

Auch Nonprofit braucht Geld

Der freie Autor und Publizistik-/Soziologie-Student Stefan Mey vergleicht in einem Gastbeitrag für netzwertig WikiLeaks mit Wikipedia: “Man könnte die beiden Projekte als noch ungleiche Brüder sehen. Wikipedia ist schon längst erwachsen geworden und hat bewährte Wege gefunden, Wertschätzung in Einnahmen umzumünzen. Der kleinere Bruder hingegen muss ökonomisch gesehen noch laufen lernen: WikiLeaks sucht nach neuen Wegen, experimentiert herum und ruft, wenn gar nichts mehr geht, laut um Hilfe. Vielleicht lässt sich in der Causa WikiLeaks der Reifegrad einer globalen Netz-Community ablesen: Der wäre erreicht, wenn es eine ausreichend große Gruppe gibt, die neue Möglichkeiten im Netz nicht nur begeistert aufnimmt, sondern bereit ist, auch für aufwändigere Projekte ökonomische Verantwortung zu übernehmen. Dann stände weiteren Erfolgsgeschichten nichts im Wege: Wikipedia, WikiLeaks, WikiEverything.”

Die Gutjahr-Debatte: Wie viel Selbstvermarktung brauchen Journalisten im Web 2.0?

Der freie Journalist Felix Hügel hat für die Sendung “Markt und Medien” im Deutschlandfunk mit Richard Gutjahr, Olaf Kolbrück, Martin Giesler und mir über die Chancen und Grenzen von Gutjahrs Ich-kauf-ein-iPad-in-New-York-Berichterstattungsexperiment gesprochen. Die verlinkte Überschrift führt zu Hügels dazugehörigem Blogeintrag, den Audiobeitrag zum Abruf gibt es hier (Flashplayer).

Und zum Schluss noch zwei großartige Videos:

Pixels greifen New York an (2:34 min.), eine Animation mit schönen Reminiszenzen an Computerspiel-Klassiker, und You have o friends, – soziale Netzwerke und ihre Folgen als Thema bei “Southpark” (20 min.) Beide Prädikat sehenswert.


Share