Leander Wattig über die Chancen des digitalen Publizierens

leanderwattigLeander Wattig analysiert den digitalen Wandel in der Buchbranche. Der Leipziger Verlagsberater (content-press) jammert nicht wie so mancher in der Buch- und Verlagszene über das Google Bücherscan-Projekt, über angebliche Enteignung durch digitale Raubkopien oder über die Bedingungen für Inhalteanbieter bei Amazon oder iTunes. Er sieht vor allem die Chancen, die sich im Netz für Autoren und Buchverlage ergeben. Er ist Initiator der Vernetzungsinitiative Ich mach was mit Büchern, bloggt bei leanderwattig.de und hält Vorträge auf Fachkonferenzen. Beim Cologne Web Content Forum am 22. April diskutierte Leander Wattig auf dem Podium zum Thema  E-Books – wiederholt sich das Desaster der Musikindustrie?

Ich habe am Rande der Konferenz die Flip-Kamera laufen lassen und Leander Wattig einige Fragen zum Thema elektronisches Publizieren gestellt. Hier die Kernaussagen:

  • Verlage sollten nicht einfach gedruckte Bücher 1:1 digital veröffentlichen, sondern Modelle mit Mehrwert schaffen, die sich nicht so leicht eco-cwcfkopieren lassen.
  • Verlage sollten digitalen Mehrwert schaffen durch Bündelung von Inhalten und dadurch verbesserte Auffindbarkeit, und über exklusive Zugänge zu Datenbanken mit attraktiven Inhalten(Beispiel O’Reilly Verlag).
  • Künftig werden die Unterschiede zwischen professionellen Autoren (mit Verträgen von Verlagen) und Hobbyautoren (die auf eigene Faust auf Internetplattformen veröffentlichen) immer stärker verwischen. Es kommt für Autoren vor allem darauf an, Themen im Internet zu besetzen und Fancommunities zu bedienen. Früher wurden erfolgreiche Autoren vor allem von kleinen Verlagen abgeworben, heute suchen die großen Verlage direkt im Internet nach neuen Talenten, die schon ihre Fans mitbringen.
  • “Freemium” kann im Internet ein gutes Geschäftsmodell für Autoren sein. (Beispiel Annette Schwindt, die ein bisher über 18.000 Mal heruntergeladenes kostenloses Tutorial mit Facebook-Tipps als e-Book veröffentlichte und darauf einen Vertrag vom O’Reilly Verlag bekam. Ihr Facebook-Buch erscheint Ende Mai.)

Für das gesamte Interview mit Leander Wattig (5:34 Minuten) bitte ins Video klicken:

Leander Wattig über die Chancen des digitalen Publizierens from Ulrike Langer on Vimeo.

Thematisch verwandte Beiträge:

Gute Nachrichten für Autoren im Eigenverlag: Netzwerke wichtiger als klassische Buchvermarktung (medialdigital)

“Nur wer selbstbestimmt arbeitet, ist mit sich im Reinen” – Interview mit Markus Albers, Autor des E-Books “Meconomy”, über das Veröffentlichen auf eigene Faust und Unternehmertum als erstrebenswerte Arbeits- und Lebensweise. (mediummagazin)


Share