Linktipps zum Wochenstart: Brain Drain in Verlagen

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Top-Tipp:

Matthias Spielkamp über Brain Drain in Verlagen: “Journalisten nicht wie Bittsteller behandeln”

Kress online hat Matthias Spielkamps aufrüttelnde Rede vom Publisher’s Forum mit Links zu weiterführenden Beiträgen versehen und online gestellt. Spielkamp konstatiert einen drohenden Abfluss von gut ausgebildeten und leidenschaftlichen Journalisten, die nicht in Festanstellungen stehen. Den Verlagen geht es um die Ausbeutung von Content und Arbeitskraft. “Wenn man die Verlage darauf anspricht, ob sie nicht ein Problem darin sehen, die Menschen, die eigentlich ihre Geschäftspartner sein sollten, nach Gutsherrenart zu behandeln (manchen würde eher ein Vergleich mit sizilianischem Landadel einfallen), dann antworten sie regelmäßig: wir befinden uns in einem Markt, der regelt das dann schon über Angebot und Nachfrage.” Das sei ein “interessantes Argument” findet Spielkamp. “Vor allem angesichts der Forderung der Presseverlage nach einem Leistungsschutzrecht. Da kann es mit einem Mal nicht mehr der Markt regeln, dass die Verlage ihre Oligopolstellung verlieren, dass sie sich einer Konkurrenz ausgesetzt sehen, die ihr Geschäftsmodell bedroht, und auf die sie bisher eher tölpelhaft als visionär reagiert haben. Da rufen sie dann nach dem Staat, der ihnen ein Leistungsschutzrecht verschaffen soll, damit ihre Investitionen geschützt bleiben.

weitere Tipps:

Charlie Rose with Alan Rusbridger

Guardian-Chef Alan Rusbridger berichtet in diesem sehenswerten Video mit US-Talker Charlie Rose von den Vorteilen für seine Zeitung, einer Stiftung statt Privateigentümern zu gehören. Interessant: Von den monatlich 37 Millionen Unique Usern des Guardian im Netz kommt ein Drittel aus den USA. Die Attraktivität für US-Leser liegt  laut Rusbridger in der internationalen Ausrichtung des Guardian, US-Medien berichten immer weniger über internationale Belange und seltener aus anderer Perspektive als unmittelbarer Betroffenheit für die USA. Verlage sehen in Google fälschlicherweise einen Feind, glaubt der Guardian-Chef: “Medienhäuser müssen sich entscheiden, mit wem sie konkurrieren und mit wem sie kollaborieren wollen.

How to Save Local Newspapers

Bobby Carlton, eine PR-Agentin in New England, bringt lokale StartUps und potenzielle Investoren zusammen. Ihre “Mass Innovation Nights” wurde mitten in der Rezession ein immenser Erfolg. Zeitungsveteran und Newspaper Death Watch Blogger Paul Gillin hält es für einen Fehler, dass lokale Verlage eine solche Geschäftsidee, die eigentlich in ihren Kompetenzbereich fällt, einfach links liegen lassen: “Her success demonstrates how news publishers can reinvent themselves and survive – maybe even thrive – but only if they have completely rethink what they do.” Das klingt nicht unähnlich den B2B “revenue opportunities”, die Jeff Jarvis und sein studentisches Team im Projekt “New Business Models for News” entwickeln.

Why Twitter Is the Future of News

Twitter ist beim Verbreiten von Nachrichten höchst effektiv, berichtet die Technology Review über eine neue Twitter-Studie. Mehr als 94 Prozent aller Twitternutzer weltweit sind demnach über weniger als fünf Knotenpunkte mit jedem beliebigen anderen Twitternutzer verbunden. Das heißt:  über höchstens fünf Retweets einer Nachricht können theoretisch fast alle der über 100 Millionen Twitternutzer erreicht werden. Als Datenbasis dienten sämtliche im Juli 2009 verfassten Tweets. Die Erkenntnis, dass jeder jeden über nur wenige Ecken kennt“Six degrees of separation” –  ist allerdings schon über 80 Jahre alt.

Paid-Content-Studie: Gratis war gestern

Paid Content I: Die Medienberater Robin Meyer-Lucht und Katja Riefler haben für den Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) eine Paid-Content-Studie erstellt, die W&V vorstellt. Demnach sind nur sieben Prozent der 124 befragten Verlage “Paid-Content-Verweigerer” ohne jegliche Pläne, die Nutzer für digitale Agebote zahlen zu lassen, 40 Prozent haben bereits oder planen kostenpflichtige iPhone-Apps. Die Zahlungsbereitsschaft in der Internet-Gemeinde werde “deutlich unterschätzt”, zitiert W&V Meyer-Lucht: “Entscheidend sei, Bezahlangebote auf die jeweiligen Nutzergruppen abzustimmen, etwa auf den “Randnutzer”, der eine Zeitungs-Website bis zu drei Mal im Monat besucht, oder auf die rund 15 Prozent der Stammnutzer, die es im gleichen Zeitraum auf bis zu 100 Besuche bringen.” Mit Link zu einer Paid-Content-Umfrage.

Ebay-Erfinder gründet Online-Zeitung

Paid Content II: Ebay-Gründer Pierre Omidyar geht mit seinem Paid-Content-Modell gleich in die vollen und verlangt für den Zugang zu seinem neuen diskussionbasierten Onlineportal civilbeat.com in Honolulu, Hawaii monatlich 20 Dollar. Die Qualität der Diskussionen soll durch ein Verbot anonymer Kommentare gesteigert werden. Chefredakteur ist John Temple, zuvor in gleicher Funktion bei der eingestellten Zeitung Rocky Mountain News.

Wissenschaftler stellen Urheberrechtsmodell für Europa vor

Telemedicus berichtet über einen „European Copyright Code”, den namhafte Rechtswissenschaflter aus ganz Europa vorgestellt haben: “Der Entwurf könnte als Modell für ein neues vollkommen einheitliches Urheberrecht dienen.” Offenbar wurde hier erstmals ein ernsthafter Versuch unternommen, das kontinentaleuropäische Urheberrecht und das anglo-amerikanische Copyright in der global-digitalen Welt miteinander in Einklang zu bringen. Mit Link zur Studie (pdf).

The Accidental Wonk: Health Policy for Journalists

Content Farm I: Wer schreibt eigentlich für Content Farmen wie Demand Media und Answers.com, wenn es nicht vornehmlich Journalisten sind? Zum Beispiel Medizin-Laboranten. Adam Cloe produziert einen typischen 30-Dollar-Beitrag in einer halben Stunde, während er im Labor auf seine Eiweißketten achtet, und spart die Honorare für seine Hochzeit.

More Publishers Trying Outsourced Journalism

Content Farm II: Die meisten Verlage schimpfen zwar über die Konkurrenz der nachfrage-basierten Content-Modelle. Deren Dauerpräsenz in den Suchergebnissen und damit verbundenen hohen Werbeumsätzen hätten sie aber dennoch gerne. Einige US-Medien probieren es jetzt mit Kooperation: Thomson Reuters, Cox Newspapers und Hachette Filipacchi veröffentlichen Beiträge von Associated Content – “one of several companies, such as Demand Media and AOL’s SEED, that mines reporting from masses of freelancers for as little as $5 a story”, berichtet Advertising Age. USA Today kooperiert schon länger mit Demand Media.

Is the future of digital news collaborative?

Kollaborativer Journalismus wird auf digitalen Plattformen immer wichtiger. In den USA hat jetzt die  Journalistenschule  USC Annenberg verkündet , dass sie als erste eine neue Plattform einsetzt, die kollaboratives Arbeiten mit semi-professionellen Mitarbeitern erleichtert. Tom Grasty, Co-Entwickler der Plattform Stroome stellt sie im Online Journalism Blog vor.

Eine Art deutsches Flattr-Ranking oder: die ersten Schritte eines Giganten?

Stefan Mey hat ein Ranking der meistgeflattrten deutschsprachigen Blogbeiträge erstellt und analysiert die Mechanismen des freiwilligen Micropayment-Dienstes. “Es zeigen sich einige interessante Muster, die teilweise denen bei Kachingle ähneln”, schreibt Mey: “A) „Deutsche Blogs und Websites sind überproportional vertreten.“ […] B) „Das System ist noch sehr selbstreferenziell.“ […] C) Die deutschen Alist-Blogs beteiligen sich rege. […] Anders als bei Kachingle finden sich bei Flattr von Anfang auch einige der großen Blogs aus den Deutschen Blogcharts: Netzwertig, Carta, die Gefühlskonserve und Wirres sind vertreten. Die zukünftigen Flattr-Rankings werden die Verlinkungsstrukturen der Blogosphäre sicher nicht eins-zu-eins abbilden, doch ist es wahrscheinlich, dass die ‘neuen’ tendenziell die ‘alten’ Stars sein werden.” Stefan Mey erstellte vorige Woche auch die “Deutschen Kachingle-Charts“.

Foto: Flickr / spierzchala

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