Linktipps zum Wochenstart: Leistungsschutzrecht bestätigt Kritiker

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Top-Tipp:

iRights.info veröffentlicht und kommentiert den Entwurf für das Leistungsschutzrecht für Presseverleger

Das Urheberrechtsportal iRights.info veröffentlicht den Entwurf zum geplanten Leistungsschutzrecht (pdf-Dokument) und sieht die schlimmsten Befürchtungen der Kritiker bestätigt: “Würde der Gesetzgeber diesen Forderungen Folge leisten, würde das unweigerlich zu einer nie da gewesenen Rechtsverwirrung führen und die Berichterstattung und Informationsvermittlung sowie -beschaffung in einer Weise beeinträchtigen, die bislang nur in Ansätzen absehbar ist. Die Entwürfe machen mehr als deutlich, dass die vielfältigen Kollateralschäden mit gesetzlichen Formulierungen nicht vermieden werden können. Sie sind vielmehr eine Folge der Idee des Leistungsschutzrechts für Presseverleger selbst.” iRights ist befremdet, dass sich die Journalistengewerkschaften die Forderungen der Verleger offenbar größtenteils zu eigen machen und sieht schwere Beeinträchtigungen unter anderem für Blogger, freie Journalisten, Suchmaschinen und Aggregatoren.

Lesenswerte Reaktionen auf diese Veröffentlichung:

Leistungsschutzrecht: Marshallplan für alte Träume

(Philipp Otto bei iRights.info)

Wie sich die Verlage das mit dem Leistungsschutzrecht vorstellen

(IT-Fachanwalt Thomas Stadler)

Sind Blogger Presseverleger?

(der presseschauer)

“Nie da gewesene Rechtsverwirrung”

(Interview mit Matthias Spielkamp in der Sendung “Breitband” des Deutschlandradio Kultur)

Weitere Tipps:

Confusing *a* public with *the* public

Jeff Jarvis, Inbegriff der größtmöglichen Öffentlichkeit im Netz, macht sich dezidierte Gedanken über eine unsichtbare Grenze zwischen öffentlich und privat, die Facebook nun überschritten habe: “Facebook and Mark Zuckerberg seem to assume that once something is public, it’s public. They confused sharing with publishing. They conflate the public sphere with the making of a public. That is, when I blog something, I am publishing it to the world for anyone and everyone to see: the more the better, is the assumption. But when I put something on Facebook my assumption had been that I was sharing it just with the public I created and control there. That public is private. Therein lies the confusion. Making that public public is what disturbs people. It robs them of their sense of control—and their actual control—of what they were sharing and with whom (no matter how many preferences we can set).” Der Blogpost sei eine erste Diskussionsgrundlage für sein geplantes neues Buch über digitale Öffentlichkeiten, twitterte Jarvis. Dazu passend: The Evolution of Privacy on Facebook (Schaubild).

Abschied vom Besten

Katrin Passig analysiert in ihrer Internetkolumne beim Online-Merkur die Stärken und Schwächen kollaborativer Filter- und Empfehlungssysteme. Interessanter Teilaspekt: “Auch zu gute Empfehlungs- und Filterungssysteme können theoretisch Nachteile mit sich bringen. Google erklärte im Dezember vorauseilend, man habe nicht vor, konservativen Nutzern nur noch konservative Ergebnisse zu zeigen, sondern bemühe sich um eine lediglich individuell zugeschnittene Vielfalt von Quellen und Meinungen.”

“Das Internet ist kein Massenmedium”

Kommunikationsforscher Norbert Bolz erläutert im Interview mit Alexander Görlach vom European seine Vision von Netzwerken und Information im Internet. In der fehlenden Interaktivität der klassischen Medien sieht Bolz ihre Stärke, die Charakteristika Interaktivität und hohe Reichweite schließen sich für ihn gegenseitig aus: ”Immer dann, wenn Angebote im Internet tatsächlich ähnlich aufmerksamkeitsstark sind, haben wir es dort eigentlich mit der paradoxen Dynamik zu tun, dass ein interaktives Medienangebot in ein Massenmedium umschlägt. Ein Blog beispielsweise, der, sagen wir mal, 50.000 Klicks bekommt, ist kein Blog mehr, sondern ein Massenmedium. Interaktivität wird dann fiktiv.”

“Partizipation hat den Journalismus nicht weitergebracht”

Online-Journalismus-Professor Lorenz Lorenz-Meyer erläutert im Interview mit dem Standard, warum Vernetzung und Transparenz den guten alten Objektivitätsanspruch der Qualitätsmedien ablösen sollte: “Mir ist wichtig, dass die qualifizierten Akteure der politischen Öffentlichkeit, also nicht nur Politiker, sondern auch Aktivisten, Journalisten, Pädagogen und Wissenschaftler ihren schon bestehenden Gesprächsraum über das Internet verbessern können – bzw. schon längst verbessern hätten können.”

Twitter ist ein Nachrichtenmedium – kein soziales Netzwerk

Netzökonom Holger Schmidt erläutert die Kernthesen einer koreanischen Studie, nach der über die Hälfte der Tweets aus klassischen Nachrichten bestehen, weil diese besonders häufig weiterverbreitet werden. Da sich nur 22 Prozent der Nutzer wechselseitig folgen, sei Twitter außerdem kein soziales Netzwerk. Das ist meiner Meinung nach zu einseitig betrachtet, da es von den Nutzer abhängt, was sie aus Twitter machen. Manche nutzen Twitter als ein (mitunter geschlossenes) soziales Netzwerk, manche nur als Nachrichtenfilter und -verbreiter, die meisten aber wohl in einer Kombination von beidem. Diese Zeilen sollte sich außerdem jeder Autofollower und jeder “Wie Sie 2000 Follower in 2 Tagen bekommen”-Marktschreier ausgedruckt auf den Bildschirm kleben: “Der Einfluss eines Twitter-Nutzers hat nach dieser Untersuchung nur wenig mit der Zahl seiner Follower zu tun. Wird als Kriterium des Einflusses eines Twitterers die Zahl der Retweets seiner 140-Zeichen-Botschaften herangezogen, dann liegen nicht mehr Prominente wie Ashton Kutcher oder Britney Spears vorne, sondern eher Nachrichtenmedien wie CNN und die New York Times oder bekannte Blogs wie Mashable oder Techcrunch.” Zur Überprüfung dieser These empfehle ich Klout.

Traditional Ways Of Judging ‘Quality’ In Published Content Are Now Useless

Webunternehmer Ben Elowitz hält im Zeitalter des sozialen Netzes eine Neudefinition des Begriffs “Qualitätsinhalt” für notwendig. Seine Kernthesen bei Paid Content:

  • The audience doesn’t care where the content comes from as long as it meets their needs.
  • Too many editors care far more about being accurate than they do being useful; and they will find themselves out of business soon if they don’t start measuring themselves more by relevance than by accuracy.
  • Digital audiences are not relying on any one piece as the sole source.
  • Old media wants to win Pulitzer Prizes; new media wants to win audiences.

Teilweise vehemente Kritik in den Kommentaren.

Why Content Curation Is Here to Stay

Steve Rosenbaum, Chef der Videoplattform Magnify.net, beleuchtet in einem Beitrag für Mashable die neue Rolle der Kuratoren von Inhalten. Rosenbaum unterscheidet zwischen rein algorithmischen Aggregatoren wie Google News und redaktionellen Kuratoren. Sein Fazit: “Curation is now part of the content equation. It doesn’t kill anything, rather it adds a powerful new tool that will make content destinations more relevant, more robust, and more likely to attract and retain visitors. Curation is here to stay, though creators should have the ability to create boundaries, both editorial and economic, around what they create and how it is repurposed.”

Endlich Ballast abwerfen!

Wolfgang Michal benennt auf der Autorenplattform Magda zehn gute Gründe, warum das Schreiben im Netz viel einfacher ist: zum Bespiel “unverzügliches Veröffentlichen”, Verzicht auf “langatmige Beschreibungen” zugunsten von Links und die Möglichkeit Fehler unverzüglich zu korrigieren. Punkt 1 lautet: “Die Schere im Kopf fällt weg. Es gibt keine gatekeeper mehr, deren Stirnrunzeln ein freier Autor berücksichtigen muss.” Was dabei nicht explizit genannt wird, aber implizit gemeint ist: Schreiben in eigener redaktioneller Verantwortung, zum Beispiel ein eigenes Blog führen.

We Stole Your Pictures, Now We’re Going To Sue You

Urheberrechtsposse: Die unglaubliche Geschichte des Fotografen Daniel Morel, dessen Erdbeben-Fotos aus Haiti unter anderem Namen von der Agentur AFP verbreitet wurden und der von AFP verklagt wurde, weil er Schadenersatz forderte.

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