Linktipps zum Wochenstart: FTC plant auch eine Art Leistungsschutzrecht

Top-Tipp:

FTC protects journalism’s past

Déjà-vu Erlebnis 1: Auch die US-Medienlandschaft  hat ihr Pendant zum deutschen Lobbyismus für ein Leistungsschutzrecht für Verlage: Jeff Jarvis kritisiert in seinem Blog Buzzmachine einen Plan der US-Kartellbehörde FTC zur Rettung des Journalismus als puren Protektionismus etablierter Verlage zum Schutz vor neuen digitalen journalistischen Modellen. “Essentially corrupt” urteilt Jarvis: “One old power structure circling its wagons around another. Change? That’s something to be resisted or thwarted, not embraced and enabled. The FTC’s mission in this administration of change — its justification for holding these hearings and doing this work — is to foster competition. Well, the internet is creating new competition in news for the first time since 1950 and the introduction of TV. But the commission focuses solely on newspapers, apologizing that it ignores broadcast — but not even apologizing for ignoring the new ecosystem of news that blogs and technology represent.” Jarvis ist durchaus befangen bei diesem Thema: Er leitet den Kurs “Entrepreneurial Journalism” an der City University of New York (CUNY) – mehr dazu in meinem Interview mit Jeff Jarvis: Die Zukunft des Journalismus ist unternehmerisch.

weitere Tipps:

Author Nicholas Carr: The Web Shatters Focus, Rewires Brains

Déjà-vu Erlebnis 2: Wired bringt ein Kapitel aus Nicholas Carrs neuem Buch “The Shallows: What the Internet Is Doing to Our Brains” (erscheint im Juni) als Vorabdruck. Passagen wie “The Internet is an interruption system. It seizes our attention only to scramble it. There’s the problem of hypertext and the many different kinds of media coming at us simultaneously” und “Dazzled by the Net’s treasures, we are blind to the damage we may be doing to our intellectual lives and even our culture” lesen sich wie bei Frank Schirrmacher.

Warum Tageszeitungen von offenen Schnittstellen profitieren

Martin Weigert analysiert bei netzwertig die Bedeutung der neuen offenen Schnittstelle des Guardian, die sogar die Einbettung vollständiger Beiträge erlaubt. “Mit einer offenen Plattform erlaubt die Tageszeitung Entwicklern und Nutzern rund um den Globus, vom reichen Fundus an Wissen, Daten und Know-how des Guardian zu profitieren, und erhöht gleichzeitig ihre Reichweite, Vermarktungsmöglichkeiten sowie die Zahl der Erlöse generierenden Partnerschaften“, glaubt Weigert (Beitrag in der Überschrift verlinkt). “Das von den deutschen Zeitungsverlegern propagierte Leistungsschutzrecht und der Umgang mit dem eigenen „content“ steht dieser Mentalität dagegen völlig entgegen”, schreibt dazu gulli.com: “Dabei mißverstehen sie (absichtlich?) die digitale Kultur: Nicht die „Kostenloskultur“ sondern die „Tauschkultur“ ist die prägende Leitkultur des horizontal angelegten Netzes.”

More than 90% of consumers would not pay £2 a week for Times Online

Eine bei Brand Republic vorgestellte Umfrage zur Bereitschaft der Nutzer, die sich bald schließende Bezahlschranke für Rupert Murdochs Zeitungswebsites “The Times” und “The Sunday Times” kostenpflichtig zu öffnen, zeigt ernüchternde Werte. An einem Wochenzugang gegen Zahlung von zwei Pfund ist nur jeder Zwanzigste interessiert, an einem Tageszugang für ein Pfund immerhin jeder Zehnte. Rein theoretisch wurde auch die Zahlungsberereitschaft für weitere Verlagswebsites wie The Guardian abgefragt (der gar keine Paywall plant). Ergebnis: Auch für den Guardian würde kaum einer zahlen wollen.

Sueddeutsche.de linkt sich selber

Ein schön doppeldeutige Überschrift für einen Beitrag bei onlinejournalismus.de. Thomas Mrazek spießt die neue Unsitte von Sueddeutsche.de auf, mit Textlinks hinter ausgewählten Stichworten ausschließlich auf andere Sueddeutsche.de-Texte zu verlinken und mitunter auch zurück auf den Ausgangstext(!) Die Absurdität dieser offenbar automatisierten Praxis zeigt sich auch, wenn ein Link hinter Roland Koch auch zu Texten über Fernsehköchen führt (Beispiel bei Mrazek). Wer linkt da eigentlich wen? Sueddeutsche.de seine Leser oder dubiose Suchmaschinenoptimierungs-Berater die Onlineredaktion der Süddeutsche Zeitung?

Engaging with journos: At GigaOM, there’s an app for that

iPhone App 1: Gute Idee: Das Techportal GigaOM hat eine iPhone App entwickelt mit sämtlichen kostenfreien und gebührenpflichtigen Diensten des Portals, Live-Videochannel, Twitterfeed sowie Kontaktdaten und Feedback-Channel zu allen bei GigaOm beteiligten Autoren. “Customer service is a part of any business. And journalism is no different.” Communicating with users, both in taking direct feedback and giving it back, “is just good business practice”, so GigaOM-Betreiber Om Malik zu Megan Garber von Nieman Journalism Lab (in der Überschrift verlinkt). Wenn man vergleicht, wie schwierig es auf vielen  Verlags-Webportalen ist, direkten Kontakt zu den Autoren herzustellen…

StreetMuseum iPhone app

iPhone App 2: Das Museum of London hat eine Augmented Reality App entwickelt, die es ermöglicht, im Kamerasuchfeld des iPhone den jeweiligen realen Ausschnitt als historische Szene zu betrachten. Dazu wird im Suchfeld die virtuelle Ebene über die reale gelegt, und schon geht es ab in die Vergangenheit. Viele Detailansichten bei Creative Review (in der Überschrift verlinkt). So etwas wünsche ich mir auch für Köln (Römerzeit, Mittelalter!), wie ich schon öfters bei Paid-Content-Diskussionen betont habe. Das dürfte auch für andere geschichtsträchtige Städte interessant sein – nur mal so als Geschäftsidee.

Share

1 Kommentar » Schreibe einen Kommentar

  1. Deine Auswahl ist mir mal wieder unheimlich … Da kann ich ja nicht anders, als sie gut finden :D