Linktipps zum Wochenstart: Interaktives Storytelling am Beispiel Strafvollzug

Top-Tipp:

Prison Valley

Ein innovativer Web-Dokumentarfilm von David Dufresne & Philippe Brault über den Wirtschaftsfaktor Strafvollzug in einem 30.00-Seelen-Kaff in Colorado. Das Projekt zeigt, wie der Nutzer in die Thematik förmlich hingezogen wird, wenn eine Dokumentation aus der Linearität ausbricht und interaktives Storytelling ausreizt (und über Facebook, Twitter und eine iPhone App noch erweitert.  Es gibt drei Fassungen: französisch, englisch, deutsch (der Überschriften-Link führt zur deutschen Fassung). Ich habe diese Web-Doku über 10.000 words von Mark Luckie entdeckt. Er hat auf seinem Blog u.a. ein Email-Interview mit dem Autor Dufresne geführt und schwärmt als Digital-Journalist geradezu von diesem Projekt: “Prison Valley is the epitome of multimedia journalism, using the right media to tell various aspects of the story to help the viewer better understand it and follow along. The project doesn’t feel forced, it looks amazing, and the viewer is in total control of which part of the project they view. In short, every journalist should at least view the project, if only to see what the what is possible in digital journalism.”

Nachtrag: Behind the scenes of “Prison Valley” http://www.innovativeinteractivity.com/2010/05/04/behind-the-scenes-prison-valley/ u.a. mit Verweis auf das Storyboard-Tool Scrivener. (Mit Dank an Marcus Bösch für den Hinweis).

weitere Tipps:

Why Journalists Should Learn Computer Programming

“You’ve heard the reasons not to start coding. Now here’s a list of reasons why you should” – Roland Legrand plädiert bei Mediashift dafür, dass Journalisten wenigstens Grundkenntnisse im Programmieren erwerben sollten (jenseits von HTML):

  • “Every year, the digital universe around us becomes deeper and more complex. Companies, governments, organizations and individuals are constantly putting more data online: Text, videos, audio files, animations, statistics, news reports, chatter on social networks…Can professional communicators such as journalists really do their job without learning how the digital world works?
  • Data are going mobile and are increasingly geo-located. As a result, they tell the stories of particular neighborhoods and streets and can be used to tell stories that matter in the lives of your community members.
  • People have less time, and that makes it harder to grab their attention. It’s essential to look for new narrative structures. Programming enables you to get interactive and tell non-linear stories.

Mit interessanter kontroverser Diskussion in den Kommentaren.

Was ARD & Co. von NPR lernen können

Felix Hügel glaubt, dass sich die öffentlich-rechtlichen Sender in Deutschland in puncto Integration von Social Media das sponsoring- und spendenfinanzierte amerikanische National Public Radio (NPR) zum Vorbild nehmen sollten: Der Sender nutze Twitter, Facebook, Blogs, eine eigene Community, betreibe diverse Smartphone Apps und eine eine iPad App, lasse seine Hörer Fakten checken,  individuelle Podcasts zusammenstellen, Inhalte über eine offene Schnittstelle remixen und habe den Code für seine Android-App veröffentlicht, damit Entwickler das Produkt verbessern können.

The thought copier

The Hyperlocalist gibt Bloggern und Portalbetreibern Tipps gegen Content-Klau durch klassische Medien: Originaldokumente lieber auf der eigenen Website zugänglich als bei offenen Diensten wie scribd, die das Einbetten und Herunterladen ermöglichen, ohne dass der Nutzer die Originalseite überhaupt besuchen, geschweige denn verlinken muss. Wenn möglich, digitale Wasserzeichen in Originaldokumente einbauen. Wenn dennoch Inhalte ohne Quellennennung übernommen werden: darüber bloggen und den Fall publik machen! Ein aktueller Fall ist die Geschichte Woman Follows Google Maps “Walking” Directions, Gets Hit, Sues bei search engine land, die von zahlreichen (auch deutschen) Medien kopiert wurde ohne den Urheber zu nennen. Autor Danny Sullivan dokumententiert auf seinem Blog daggle die Chronologie eines Contenklaus: How The Mainstream Media Stole Our News Story Without Credit.

New York Times Launches City Guide and Checkin Tool for iPhone

Die New York Times nutzt das Trendthema ortbasierte Dienste für eine eigene iPhone App. Nutzer der Applikation “The Scoop” bekommen unter anderem Restaurantkritiken und Tipps für Events passend zu ihrem Standort angezeigt. Die App integriert die Dienste und Funktionen Foursquare, Facebook, Twitter, Email und SMS. Näheres bei Mashable (Link in der Überschrift). Deutsche Zusammenfassung mit weiterführenden Links bei turi2.

Verlegerkampf für eine PC-Presse-Gebühr

Auch Stefan Niggemeier widmet sich jetzt dem Streitthema Leistungsschutzrecht: “Die Forderung nach einem Leistungsschutzrecht ist nur der leicht durchschaubare Versuch, sich subventionieren zu lassen. Deshalb tun sich Leute wie Keese auch so schwer, die juristischen Details und Notwendigkeiten eines solchen Gesetzes zu erörtern. Ihnen ist völlig egal, was in diesem Gesetz steht, solange es nur sein Ziel erreicht: Das Überleben der Verlage zu sichern. Denn die Verlage sind — nach Ansicht der Verlage — die einzigen Garanten dafür, dass die Bevölkerung gut informiert wird. So lange es ihnen gut geht (wohlgemerkt: den Verlagen; das Wohlergehen der Journalisten ist optional), ist das Funktionieren der Demokratie gesichert.” Niggemeier disktutierte bei einem Symposium zum Thema Leistungsschutzrecht, veranstaltet von der Medieneaufsicht MA HSH, dem Hans-Bredow-Institut und der Handelskammer Hamburg. Über die Veranstaltung berichtet mit zusätzlichem eigenen Kommentar zum Thema sehr ausführlich auch Christoph Zeuch auf altona.info: “Urheber, Verwerter, Nutzer: Und Leistung soll sich wieder lohnen“.

Markus Albers: Wir müssen für die neuen Tablets – wie das iPad – neue Formen des Storytelling finden

Markus Albers, Autor (“Meconomy”, “Morgen komm ich später rein”) und Magazinentwickler (zuletzt “The Iconist”) hat die vier Rubrikenfragen der Inititiative “Ich mach was mit Büchern” beantwortet. Albers: “Ich bin fest davon überzeugt, dass Journalisten und vielleicht auch Buchautoren für die neuen Tablets – wie das iPad – neue Formen des Storytelling finden müssen. Und ich freue mich, daran mitarbeiten zu können.”

DER SPIEGEL auf dem iPad: grafische Schlachtplatte

Der Fontblog kritisiert Nutzerführung und Design der Spiegel iPad Applikation: “Mit dieser sieht nichts schöner aus als im gedruckten Heft, ganz im Gegenteil: Der SPIEGEL-Reader verzichtet auf gestaltete Artikel und überlässt sowohl das Zusammenspiel von Bild und Text dem Zufall, als auch den Umbruch – je nach eingestellter Schriftgröße.” Blogger Jürgen Siebert beklagt Hurenkinder (einzelne überlaufende Zeilen), schlechte Typografie und missglückte Analogien zu wirklichem Papier (Umblättern). Beim Start der iPhone App des Spiegel zog der Fontblog das Fazit: “Die Überführung des gedruckten SPIEGEL in einen E-Reader ist missglückt. Es fehlen nicht nur essenzielle Werkzeuge (Vollbild-Titelseite, Lesezeichen, Suche, Zitierfunktion), der Dialog zwischen Text und Bild – eine Stärke der SPIEGEL-Printausgabe – wurde komplett aufgegeben.” Bei der iPad App ist Sieberts Enttäuschung noch größer.

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5 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Ulrike,

    als hätte ich noch nicht genug zu tun, zwingt mich die gute Übersicht dazu, hier mal nachzuschauen, was Du alles so gefunden hast.

    Danke dafür!

    Gruß
    Hardy Prothmann

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