Linktipps zum Wochenstart: Eingeloggt in zweieinhalb Tagen

Toptipp:

Einloggen 13: Social Media und Journalismus

Die Volontäre der Evangelischen Journalistenschule haben ein beeindruckendes Onlinemagazin über Social Media und Journalismus produziert – in nur zweieinhalb Tagen (!) von der Recherche bis zur Produktion. Dazu gehören u.a. ein Beitrag über Unternehmer-Journalismus (Marke werden – aber wie?), ein Beitrag über Social Payments, ein Interview mit Kachingle-Gründerin Cynthia Typaldos und eine Analyse, welchen Nutzen Verlage aus ihrem Facebook-Engagement ziehen. Das Magazin war der Abschluss einer dreiwöchigen Lehrredaktion, geleitet von den Onlinejournalisten Matthias Spielkamp und Peter Berger. Spielkamp weist in seinem immateriblog explizit auf die kurze Produktionszeit hin, “weil es einigen Teilnehmern schwer fiel, das Resultat mit ihrem (lobenswerten) journalistischen Anspruch und Perfektionismus in Einklang zu bringen und zwischenzeitlich sogar überlegt hatten, das produzierte Online-Magazin hinter einem Passwortschutz verschwinden zu lassen. Ich bin sehr froh, dass das dann doch nicht passiert ist – denn es wäre schade, wenn dieses fantastische Ergebnis jetzt nicht zu sehen wäre.” Stimmt.

weitere Tipps:

Why link out? Four journalistic purposes of the noble hyperlink

Nieman Journalism Lab nennt vier Gründe, warum Links den Onlinejournalismus verbessern: “Links are good for Storytelling. Links keep the audience informed. Links are a currency of collaboration. Links enable transparency.”

Google News experiments with human control, experiments a new serendipity with Editors’ Picks

Google News lässt seit wenigen Tagen für einen kleinen Kreis von Testnutzern seine Nachrichtenexzerpte (Snippets) nicht von Algoritmen, sondern von Redakteuren zusammenstellen, um den Überraschungsfaktor mit einzubeziehen, eigentlich ein typisches Merkmal von Zeitungen und Magazinen. Maschinen entscheiden zu vorhersehbar. (Ähnliches versucht seit einiger Zeit auch Frank Westphal mit seinem Aggregator Rivva – seine Fundstellen im Netz sind eine Mischung aus Verlinkungshäufigkeit und Westphals Entscheidungen). Für Google ist das eine große Abkehr vom ursprünglichen Prinzip aus 2002, findet Nieman Journalism Lab. Dieses Prinzip lautete: “This page was generated entirely by computer algorithms without human editors. No humans were harmed or even used in the creation of this page.

9-teilige Serie über das Social Web

Christiane Schulzki-Haddouti hat alle neun Teile ihrer bei Futurezone (ORF) erschienenen Serie über das Social Web bei Kooptech noch einmal kurz zusammengefasst und verlinkt. Die Serie greift zentrale Aspekte der KoopTech-Studie (pdf zum Download) in aktualisierter Form auf.

What Yahoo needs to do with Associated Content

Matt Heist, Chef von High Gear Media, einer auf das Thema Automobil spezialisierten Content Farm, beschreibt für den Guardian, was Medienhäuser beachten sollten, die Inhalte von Amateur-Autoren kuratieren und mit möglichst teurem Werbeinventar monetarisieren wollen: Sie brauchen Spezialisten, die für ihre Sache brennen. Fragt sich nur, warum die engagierten Amateure nicht z.B. lieber bloggen und dabei die Mittelsmänner ausschalten sollten, wenn es ihnen nicht vorrangig um Geld geht. Denn mehr als Hubert Burdas “lousy Pennies” springen für die Autoren bei diesen Modellen ohnehin nicht heraus.

Panel: Zukunft des Journalismus

Interessante 70 Minuten Video eines Diskussionspanels zum Themenfeld Zukunft des Journalismus mit Birgitta Jonsdottir, Julian Assange, Lowell Bergman, Charles Lewis, Gavin MacFadyen und Jonathan Weber – verlinkt bei den Netzpiloten. Lowell Bergman ist investigativer Reporter für die New York Times sowie das Magazin Frontline von PBS und er unterrichtet investigativen Journalismus an der Universität Berkeley. Er berichtete 1997 für das damals von ihm geleitete CBS-Magazin “60 Minutes” über Machenschaften der Tabakindustrie. Der Fall wurde von Michael Mann verfilmt als “The Insider” mit Al Pacino als Bergman und Russell Crowe als Informant Jeffrey Wigand.

Newsgames – Journalismus zum Spielen

Marcus Bösch analysiert anhand von ausgewählten Beispielen im lab Blog der Deutschen Welle, was Computerspiele und Storytelling miteinander zu tun haben und welche Medien Games als journalistisches Stilmittel bereits einsetzen: “You are a pirate commander staked with $50,000 from local tribal leaders and other investors. Your job is to guide your pirate crew through raids in and around the Gulf of Aden, attack and capture a ship, and successfully negotiate a ransom. Klingt albern? Ist es aber gar nicht. Denn flankierend zu der sehr visuellen Info-Berichterstattung im Magazin gelingt es Wired hier ein Erlebnis zu generieren. Statt bloßer Beschreibung der Geschehnisse vermitteln sich hier Erkenntnisse ganz konkret, persönlich und subjektiv.”

Fußball-WM: Zwei junge deutsche Multimedia-Projekte

Der preisgekrönte Audio-Slideshow-Pionier Matthias Eberl stellt bei Onlinejournalismus.de zwei interessante Multimediaprojekte zur Fußball-WM vor: Soccer for Life von 2470media.com, eine Initiative Hannoveraner Fotojournalisten, und Wintermärchen 2010 von Christian Frey und Matthias Schächtele. Die beiden Journalisten reisen in ihrem eigenen Auftrag sechs Wochen lang durch Südafrika und produzieren Audioslideshows. Schon jetzt kann man sagen, dass beide Projekte ein etwas anderes, unmittelbareres, Bild von Südafrika vermitteln. In diesem Zusammenhang noch ein interessanter Blick von außen auf die Zunft der Auslandskorrespondenten: TV-Moderator Peter Davies kritisiert auf der Onlineplattform Supersport.com des gleichnamigen südafrikanischen Sportsenders in einem Open Letter to our Foreign Media Friends die Berichterstattung ausländischer Journalisten, die außer ihren Klischees nicht viel nach Südafrika mitbringen – am wenigsten Neugier.

Why I Fired Steve Jobs

John Sculley, Ex-Pepsi- und dann Apple-CEO, erzählt dem Reporter von The Daily Beast, dass er es längst bereut, Steve Jobs 1985 gefeuert zu haben. Die Alleinschuld für die verlorenen Apple-Jahre ohne Jobs will er allerdings nicht tragen: “Sculley says he accepts responsibility for his role but also believes that Apple’s board should have understood that Jobs needed to be in charge. ‘My sense is that it probably would never have broken down between Steve and me if we had figured out different roles,’ Sculley says. ‘Maybe he should have been the CEO and I should have been the president. It should have been worked out ahead of time, and that’s one of those things you look to a really good board to do.’ ”