Linktipps zum Wochenstart: Alles, was Sie über das Internet wissen sollten

Toptipp:

The internet: Everything you ever need to know

Technologieprofessor John Naughton beschreibt im Sunday Observer in neun Schritten, wie das Internet unser Leben verändert hat und weiterhin verändern wird und spannt dabei den Bogen von einem Gedankenexperiment zur Erfindung des Buchdrucks bis zur Notwendigkeit eines angepassten Urheberrechts für das digitale Zeitalter: “…our copyright laws are now so laughably out of touch with reality that they are falling into disrepute. They urgently need reforming to make them relevant to digital circumstances. The problem is that none of our legislators seems to understand this, so it won’t happen any time soon.”

weitere Tipps:

The Digital Landscape: What’s Next for News?

Die neuen Nieman Reports sind da, prallvoll mit Links zu interessanten englischsprachigen Beiträgen rund um den digitalen Medienwandel. Allein sechs Texte beschäftigen sich diesmal damit, wie das Internet unser Denken verändert, drei mit interaktivem Storytelling (Newsgames).

The Evolving User Paradigm

Terry Heaton macht traditionellen Medien in seinem Pomoblog wenige Hoffnung, dass sich die Büchse der Pandora (oder vielleicht besser: das Ölleck im Golf von Mexiko) jemals wieder schließen lässt. Im Gegenteil, schreibt Heaton: “As users evolve, they demand more from their experience, because they begin to understand how everything works. If technology won’t help them work around the barriers they encounter, they’ll simply move along, because they are hip to manipulation and, frankly, don’t like it. This growing understanding of how it all works is perhaps the most disruptive element of the evolving user paradigm, because users increasingly are able to create their own experiences as technology becomes easier and easier to use.”

Google will Verlagen den Traum von Bezahlinhalten erfüllen

Google plant mit “Newspass” offenbar eine Paywall, die Verlage zwischen den angezeigten Auszügen (Snippets) in den Suchergebnissen und die Beiträgen setzen können. Zahlungssystem wäre das Google-eigene “Checkout”.  So würden selbst kostenpflichtige Beiträge vom Google-Suchverkehr profitieren. Vielleicht aber auch nicht, glaubt Martin Weigert bei netzwertig.

Verleger: Leistungsschutzrecht soll Sprache monopolisieren

Das Dokument der Verlegerlobby zum geplanten Leistungschutzrecht, das Markus Beckedahl von netzpolitik zugespielt wurde, machte am Freitag Furore. Beckedahl zitiert unter anderem eine Passage, die in ihren Forderungen weitergeht, als alles, was bisher über die Verlegerforderungen bekannt wurde: “Um einen effektiven Rechtsschutz zu gewährleisten, sollten nicht nur Teile des Presseerzeugnisses wie einzelne Beiträge, Vorspänne, Bilder und Grafiken geschützt werden. Schutzwürdig sind beispielsweise auch Überschriften, Sätze, Satzteile etc., soweit sie einer systematischen Vervielfältigung, Verbreitung oder öffentlichen Wiedergabe in Verbindung mit dem Titel des Presseerzeugnisses dienen.” Unter diesen Umständen bekommt die “erschreckend rückwärts gewandte Rede” (Kommentar von Matthias Spielkamp bei iRights.info) der Bundesjustizministerin Leutheusser-Schnarrenberger ein bedrohliche Bedeutung: Sie bekräftigte, dass das LSR kommen werde. Ihre Rede am 14. Juni in Berlin hat Carta im Videostream dokumentiert.

Lesenswerte Reaktionen auf die Veröffentlichung bei netzpolitik sind unter anderem:

Leistungsschutzrecht, das (Jörg Wittkewitz bei den Netzpiloten)

Leistungsschutzrecht: Institutionenschutz mit Monopolisierung der Sprache (Marcel Weiss bei neunetz.com)

Haushaltsabgabe: Die Rechnung hinter dem neuen Rundfunkgebührenmodell

Robin Meyer-Lucht vermutet bei Carta nach einem Einblick in interne Finanzberechnungen, was wirklich hinter der neuen Haushaltsabgabe für Rundfunkgebühren stecken könnte: Es geht darum, die Einnahmen in zumindest jetziger Höhe zu erhalten. Der Öffentlichkeit werden die Planungen freilich als notwendig im Sinne der Einfachheit und Gerechtigkeit verkauft.

Knight News Challenge: The Cartoonist wants to make a digital game of visual commentary

Nieman Journalism Lab beschreibt, wie das Projekt The Cartoonist Redakteuren helfen will mit einem simplen Webbaukasten aus politischen Cartoons Computerspiele zu entwickeln. Dadurch sollen die Nutzer dazu angeregt werden, sich intensiv und interaktiv mit politischen Inhalten auseinander zu setzen. The Cartoonist ist eines von zwölf siegreichen Journalismus-Innovationen beim diesjährigen Wettbewerb Knight News Challenge. (Mehr dazu in meinem Blogpost Knight News Challenge Winner: Datenjournalismus und Kollaboration).

Can Anyone Replace the Local Beat Reporter?

Connor Friedersdorf erzählt in The Atlantic eine Geschichte mit Beispielen aus dem Großraum Los Angeles, die nachdenklich stimmt: Nicht allein dank des “Freedom of Information Act” können Lokalredakteure Korruptionsfälle in der Lokalpolitik aufdecken, sondern auch weil ihre Medienhäuser die Ressourcen haben, Rechtsstreitigkeiten bis zum Ende auszufechten. Selbst hartnäckigen Bürgern und Bürgerreportern fehlen dazu in der Regel die Mittel. Wer ersetzt die Watchdogs, wenn immer mehr Lokalzeitungen aufgeben müssen?

Video: iPad for journalists

Not on the wires stellt Tools vor, mit denen Journalisten das iPad zu einem Arbeitsgerät umfunktionieren können – vom zweiten Bildschirm für das Editieren von Videos bis zum Teleprompter.

Once Just a Site With Funny Cat Pictures, and Now a Web Empire

Ein Portrait der New York Times über I Can Haz Cheezburger – das vom Katzenfoto mit Pidgeon-Englisch zum LOL-Imperium wurde (LOL = Laughing Out Loud, LOL-Seiten = Webseiten mit schadenfrohen Sammlungen von Kuriosiäten). Zum Cheezburger Network gehören unter anderem auch das Fail Blog und die grandiose Seite There, I fixed it (zeigt die ganze Bandbreite zumeist männlichen Heimwerker-Einfallsreichtums…).

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