Mach’s Dir selbst – Anmelden zum Freischreiber-Zukunftskongress
13. Juli 2010 | Von Ulrike Langer | Kategorie: Journalismus, NeuZugegeben – wir haben im Kongress-Vorbereitungsteam des Journalistenverbandes Freischreiber lange diskutiert, ob “Mach’s Dir selbst” ein passender Titel für eine Arbeitskonferenz freier Journalisten ist. Doch dieser Titel weckt – nach durchaus gewolltem zweimal Hinschauen – genau die richtigen Assoziationen. Denn: Jammern hilft nicht. Auf bessere Zeiten hoffen wahrscheinlich auch nicht. Zupacken und seine berufliche Zukunft selbst in die Hand nehmen schon viel eher.
Freie Journalisten werden künftiger immer seltener das Rundum-Sorglos-Paket buchen können: Redaktion bestellt Beitrag, freie(r) Journalist(in) schreibt, Redaktion bezahlt – und das Ganze möglichst regelmäßig wiederkehrend mit zuverlässigen und gut zahlenden Auftraggebern. Stattdessen werden freie Journalisten selbst zu Unternehmern werden und nicht nur ihre Themen im Bauchladen vermarkten, sondern auch passende Zielgruppen selbst suchen und eigene Geschäftsmodelle finden, die ein einträgliches Auskommen ermöglichen.
Sicher: Verlage nehmen freie Journalisten die Mühsal der Vermarktung ab, aber immer häufiger eben auch vieles andere: Die Hoffnung auf angemessene Honorare. Die freie Verfügung über das eigene Urheberrecht (über Total-Buyout-Verträge). Die Gewissheit, sich auf ausgehandelte Verträge verlassen zu können (über die teils dreiste Verweigerung der neuen Tageszeitungs-Vergütungsregeln). Den freien Zugang zu frei zugänglichen Internetressourcen (über Kollateralschäden beim geplanten Leistungsschutzrecht, deren Auswirkungen für freie Journalisten in ihren Ausmaßen die Total-Buyout-Misere bei weitem übertreffen dürfte).
Manche Freie werden eher notgedrungen als völlig freie Unternehmer arbeiten, andere werden sich mit Leib und Seele dem “entrepreneurial journalism” verschreiben. Aber für beide Gruppen wird es wichtig sein, sich frühzeitig zu vernetzen, um von den jeweiligen Erfahrungen der anderen zu profitieren.
Beim Freischreiber-Kongress am 18. September 2010 in der Hamburger Macromedia-Hochschule wird es deshalb neben Vorbildern zum Anfassen – u.a. haben Stefan Niggemeier, Beate Wedekind, Jens Weinreich, Jörg Thadeusz, Henrik M. Broder, Katharina Borchert und Margaret Heckel zugesagt – auch Workshops geben, in denen in kleinerer Runde Tacheles geredet wird. Und in denen auch das Scheitern von unternehmerischen Ansätzen nicht verschwiegen wird. In insgesamt sieben Workshops geht es um hyperlokale Plattformen, Outsourcing von Logistik, wenn man lieber nur schreiben will , Selbstvermarktung und Spezialisierung, Geschäftsmodelle, eigene E-Books veröffentlichen und mehr. Ich selbst bin in zwei Workshops (in einem als Modereratorin) und diskutiere mit auf dem Abschlusspodium.
Abends steigt eine Party in der Prinzenbar in Sankt Pauli.
Der Preis für den ganztägigen Kongress ist sehr moderat für Mitglieder von Freischeiber (40 Euro) und moderat für Nicht-Mitglieder (90 Euro). Die große Spreizung ist gewollt, denn Freischreiber ist ein noch junger Verband mit erst rund 400 Mitgliedern. Der Kongress dient deshalb auch der Mitgliederwerbung. Eine Instantmitgliedschaft inklusive Kongresseintritt zum Vorzugspreis ist auch im Kongressfoyer am 18. September möglich.
Hier geht’s lang zu näheren Informationen, dem ausführlichen Kongressprogramm und dem Anmeldeformular.
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