Web 2.0 trifft Unternehmenskultur 1.0

Gestern habe ich in Erfurt ein Social Media Seminar beim Jahresworkshop der Journalistenvereinigung der Handwerkspresse gegeben. Dort sind überwiegend die Redakteure der Pressestellen der Handwerkskammer organisiert, aber auch Journalisten, die für kammerunabhängige Fachzeitschriften der Handwerksbranchen arbeiten. Die Folien aus diesem Seminar habe ich bei Slideshare eingestellt und hier eingebettet.

Im Laufe des Seminars wurde deutlich, dass nicht überall der Übergang vom Web 1.0 zum Web 2.0 so selbstverständlich, logisch und unausweichlich ist, wie wir Social Media Apologeten uns das manchmal vorstellen. Ich denke, ich konnte einiges zu Werkzeugen, Technik, Statistiken und lobenswerten Beispielen vermitteln, zur Linkökonomie, zur Offenlegung von Quellen, zur Bedeutung der Entscheidungsautonomie für Mitarbeiter, die sich in Betrieben und Behörden mit Social Media befassen und zur Notwendigkeit einer Social Media Strategie.

Umgekehrt bekam ich einen Einblick in die traditionellen Strukturen von Verbänden, die es den Mitarbeitern ungleich schwerer machen als Freiberuflern, Startups oder allgemein webaffinen Unternehmen, zu twittern und zu bloggen, junge Leute per Facebook und YouTube anzusprechen, auf fremde Webseiten zu verlinken und Inhalte, wenn möglich und sinnvoll, vorab ins Netz zu stellen anstatt den Erscheinungstermin der Verbandszeitschrift in vier Wochen abzuwarten. Mit diesen Geboten der Netzkultur haben ja selbst klassische Medienhäuser Probleme. Respekt vor Arbeitnehmern, die mit Geduld und guten Argumenten versuchen, ihre Vorgesetzten von einer Öffnung in Richtung Social Media zu überzeugen. Und die einfach schon mal inoffiziell Erfahrungen sammeln, falls dabei dicke Bretter zu bohren sind.

Social Media Seminar Handwerkspresse Erfurt

Nachtrag vom 9.9.: Marketing- und Unternehmensberater Hans Bayartz macht in den Kommentaren auf seine Beiträge Kammern schon  im Web 2.0 angekommen? (betrifft die IHKs) und Handwerk 2.0 – eine nicht akzeptierte Vision? aufmerksam, welche diese Folien ideal ergänzen.

8 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Frau Langer,
    das war ein prima Vortrag – kann ich mir vorstellen, bei den Slides!

    Ich mache immer wieder gerne auf meine Blog-Beiträge zu diesem Thema aufmerksam:

    Kammern schon im Web2.0 angekommen? http://wp.me/psD2f-iK
    Handwerk 2.0 – eine nicht akzeptierte Vision? http://wp.me/psD2f-9X

    Wir brauchen noch sehr viel Zeit, ehe wir die Kammern (und die unabhängigen Zeitschriften) davon überzeugt haben – dicke Bretter …. jawoll.

    Gruss
    Hans Bayartz

  2. Sehr interessante Diaschau, sie hat mir ein paar interessante Anregungen gegeben. Am Besten hat mir der Hinweis auf Twitter Times gefallen, wo ich mich auch gleich angemeldet habe und es jetzt ausprobiere. Ich bin schon sehr auf das Ergebnis gespannt.

  3. Danke, danke, danke! Das ist gut geschrieben. Ich mache ähnliche Erfahrungen wie Sie. Ich bin oft vor den Kopf gestossen, wenn ich so ohne Vorwarnung auf alte Kulturen treffe, deren Existenz ich verdränge. Die Angst in den Augen, die Schwerfälligkeit. Dieses “Uns sind die Hände gebunden, die Alten wollen das nicht”. Kontrollaufgabe, Kundenorientierung, open mind – Fehlanzeige. Ich bin geduldig, brauche wohl noch mehr davon. Oder Kunden, die schon weiter sind.

  4. @alle Danke!

    @Hans Bayartz: Danke für die interessanten Ergänzungen. Ich habe sie der besseren Sichtbarkeit halber auch oben nochmal verlinkt.

  5. Pingback: Die Woche im Rückspiegel – 36. KW « kadekmedien's Blog

  6. Altes Denken wird irgendwann zwangsläufig neuen Denkem weichen. Ich kann mich noch gut an die 90’er Jahre erinnern als das WWW vor der Tür stand, aber nicht ernstgenommen wurde. Selbst Größen wie Herr Gates mussten dann erkennen, das es mit dem Microsoft Network nicht getan ist. Wer erinnert sich heute noch an Compuserve oder Europe Online. Ähnlich wird sich die Entwicklung im Web 2.0 vollziehen.

    Zitat aus Social Media Revolution 2: The Roi of Social Media is that your business will still exist in 5 years.
    http://vimeo.com/11551721

  7. @Frank vom Hoff

    ööhm, ich hatte noch bis vor drei Jahren eine Compuserve-Email-Adresse mit Ziffern (hab sie aber nicht mehr benutzt).

  8. @Frank vom Hoff

    Der Spruch “Wer nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit” passt schön in die Landschaft der Neuen Medien. Wir selbst werden ja über Blogs, Twitter & Co. zu Medien. Vor allem sollten die Verbände und Unternehmen handeln, statt wie ein Bill Gates die Welt verschlafen. Wär hätte das gedacht, dass MS so ins Hintertreffen kommen könnte, obwohl …

    … das Imperium Microsoft selbst wie Phönix aus der Asche hervorgetreten ist und IBM mit seiner Hardware den Rank abgelaufen hatte.

    Alles wiederholt sich !