Jenseits von Werbebannern: 5 Crowdfunding-Modelle für Blogs und kleine Webseiten
28. September 2010 | Von Ulrike Langer | Kategorie: Blogs, Neu, Unternehmer-Journalismus, digitale MärkteViele engagierte Blogger und Betreiber hyperlokale Projekte haben ein Problem: Ihren hohen Aufwand, um Qualität zu produzieren, können sie ohne eine Refinanzierung, die zumindest einen Teil der Kosten und Arbeitszeit abdeckt, auf Dauer nicht betreiben. Auf eigene Faust Werbekunden akquirieren ist mühselig, und bei Werbeprogrammen wie Google AdSense oder Mokono springen für viele Seitenbetreiber nur lächerlich niedrige Beträge heraus. Doch es gibt auch jenseits von Werbung Finanzierungsmodelle, die man einfach mal ausprobieren sollte.
Gadgetblogs, bei denen es vor allem um neue elektronische Produkte geht, haben es verhältnismäßig einfach, passende Werbekunden zu finden. Das Vorzeigebeispiel Netbooknews von Sascha Pallenberg macht einen sechsstelligen Jahresumsatz mit Werbung und nicht umsonst hat sich der Verlag Burda mit seinem Netzwerk Glam, zu welchem über 1700 Blogs und Webseiten gehören, auf den gut vermarktbaren Modebereich konzentiert. Doch was ist mit dem Großteil der Blogs und Webseiten, die nicht auf monatlich über eine Million Seitenabrufe kommen und damit unterhalb der Rentabilitätschwelle für klassische Werbekunden liegen? Selbst auf renommierten Blogs wie Stefanniggemeier.de, Carta oder Netzpolitik sind Werbebanner dünn gesät. Das liegt allerdings auch an der inhaltlichen Ausrichtung. Wer sich mit abstrakten netz- oder medienpolitischen Themen beschäftigt, bleibt nun mal für die meisten Werbekunden viel uninteressanter als Webseiten, die schon in Kauflaune angesurft werden oder mit ihren Berichten Kauflaune wecken (und das muss nicht unbedingt Schleichwerbung sein).
Doch gerade Webseiten, die vor allem eigenen Inhalte recherchieren und produzieren und hinter denen ein erkennbarer Aufwand steckt, haben Chancen, ihre Nutzergemeinde dazu zu bewegen, sich freiwillig an den Kosten zu beteiligen. Die folgenden Dienstleister organisieren und erleichtern das sogenannte “Crowdfunding”.
Flattr
Der Micropayment-Dienst Flattr ist in der deutschen Blogszene schon relativ bekannt. (Wer Flattr noch nicht kennt, kann Grundlegendes dazu in meinem Gastbeitrag für Selbstständig im Netz nachlesen.) Carta veröffentlicht monatliche Flattr-Rankings,. In diesen Rankings sieht man, dass nur wenige Beiträge über 100 Mal geflattert werden. Bisher genieren auch nur wenige Webseitenbetreiber einen dreistelligen Eurobetrag mit Flattr. Netzpolitik verkündete für den August Brutto-Einnahmen von 738,90 € (wovon 19 Prozent Umsatzsteuer noch abzuziehen sind). Das Webportal der “taz” kam im August auf 1.302 € – und damit auf knapp neun Prozent weniger als im Juli. Insgesamt klickten die Nutzer 5.791 Mal klickten auf den Button – vier Prozent häufiger als im Juli.
Bei Flattr zeichnen sich mittlerweile zwei Trends ab:
- Die Tendenz, dass die einzelnen Flattr-Klicks weniger wert sind als anfangs, weil es für viele Flattr-Kontenbesitzer inzwischen zur Gewohnheit geworden ist, sich auf diese Weise für gute Beiträge zu bedanken. Wenn sie aber nicht gleichzeitig ihren monatlich zu verteilenden Betrag erhöhen, sinkt natürlich der Wert jedes Klicks. Wieviel die Klicks insgesamt wert waren, sehen Seitenbetreiber ohnehin erst jeweils nach Ablauf eines Monats.
- Es gibt eine Art “rückwirkende Dankbarkeit” bei Flattr. Blogger wie Stefan Niggemeier, die schon seit Jahren konstant hohe Qualität liefern und Debatten anregen, werden von ihren Stammnutzern offenbar auch sozusagen für ihr “Lebenswerk” belohnt. Anders ist es kaum zu erklären, dass Niggemeier-Leser zwischendurch auch mal das schnelle Verlinken eines skurrilen Videos über auf dem Hintern rutschende Hunde mit zwei Flattr-Klicks (und 26 Kommentaren) belohnen.
Kachingle
Auf Kachingle habe ich anfangs große Hoffnungen gesetzt, größere eigentlich als auf Flattr, weil Spender sich hier im Gegensatz zu Flattr “outen” können. (Wer Kachingle nicht kennt: s. auch dazu mein Beitrag bei SiN und mein Interview mit der Gründerin Cynthia Typaldos.) Auch Kachingle ist in Deutschland besonders beliebt. Doch sowohl die Zahl der angemeldeten Webseitenbetreiber (aktuell 312) als auch die Zahl der freiwilligen Spender legt seit einigen Monaten kaum noch zu. Kachingle hat eindeutig ein Bekanntheitsproblem bei Webnutzern. Auch sorgt die Festlegung auf 5 Dollar Spendenbeitrag pro Monat dafür, dass bei Webseitenbetreibern finanziell kaum etwas dabei herumkommt. Medialdigital liegt mit 44 Kachinglern (auch diese Zahl stagniert seit zwei Monaten) deutschlandweit auf Platz 2 (hinter Carta mit stagnierenden 88 Kachinglern) und weltweit auf Platz 6. Eingebracht hat mir dieser sagenhafte Status seit dem 31. März 2010 insgesamt 54,63 Dollar (wovon 11 Prozent Provision für Kachingle und Paypal sowie mein Umsatzsteuersatz von 7 Prozent noch abzuziehen sind.). Dennoch werde ich Kachingle noch nicht abschreiben, vielleicht braucht dieser Dienst einfach länger um eine kritische Masse zu erreichen.
Paypal-Spendenbutton
Flattr und Kachingle setzen auf der Spender- und Empfängerseite ein Paypal-Konto voraus. Aber natürlich kann man auch ohne diese beiden Dienstleiter seine Nutzer direkt um Spenden bitten. Ich probiere das seit Neuestem aus, taz.de war bei einer Online-Spendenaktion im Frühjahr dieses Jahres überraschend erfolgreich, aber auch der Blogger Richard Gutjahr konnte per Direkt-Spendenbutton schon Einnahmen erzielen.
Merchandising
Spreadshirt macht’s möglich: Wer treuen Fans Tassen oder T-Shirts zum Kauf anbieten will, muss kein teures Warenlager füllen und auch keine Mindestabnahmemengen garantieren. Eine Bildblogtasse und ein Bildblog-T-Shirt gab es bereits im Advent 2006. Warum nicht demnächst unter dem Weihnachtsbaum auch ein Geschirrset passend zum Heddesheimblog? Natürlich “braucht” niemand wirklich bedruckte Tassen und T-Shirts. Haben wir nicht alle die Schränke voll davon…? Aber erstens kann man natürlich auch originellere Produkte bedrucken lassen (Spreadshirt bietet auch Stringtangas, Kochschürzen oder Regenschirme an). Und außerdem ähnelt der Kauf eines solchen Produktes im Grunde auch weniger einem Kauf als einer freiwilligen Zahlung und Fanbekundung (vorausgesetzt, man trägt das T-Shirt und stellt die Tasse ins Großraumbüro). Nur dass man als Spender im Gegenzug etwas Handfestes bekommt, anstelle der immateriellen Hoffnung, das Blog oder die Webseite möge aufgrund einer Spende noch lange bestehen. Auch einem Obdachlosen geben manche Leute viel lieber 2 Euro für eine Obdachlosenzeitung als fürs Betteln, selbst wenn die Zeitung ungelesen im Papierkorb landet.
Pay with a Tweet
Bei diesem Modell wird nicht mit Geld, sondern mit dem sozialen Netzwerk bezahlt. Man kann zum Beispiel eine bestimmte Artikelserie, ein E-Book oder die Folien aus einem Vortrag für alle Nutzer kostenlos bereitstellen, die darüber twittern oder eine Facebook-Statusmeldung verfassen. Hier geht es darum, erst einmal Reichweite und hohe Aufmerksamkeit für sein Angebot zu generieren. Nach der kostenlosen Aufmerksamkeitsphase kann man das Angebot anschließend, wenn man will, immer noch gegen Bezahlung anbieten. Dieses Ebook beispielsweise gibt es kostenlos für einen Tweet oder ein Facebook-Update.









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