Linktipps zum Wochenstart: Online ist eine Geisteshaltung

Digitales Leben – oder: Eine Frage der Lehre

Christian Jakubetz zieht nach der “Besser Online”-Tagung des Deutschen Journalisten Verbandes DJV in München Bilanz zur digitalen Geisteshaltung von Journalisten : “Es wird munter weiter diskutiert, die Grundsatzdebatten zwischen Onliner und Offlinern halten unvermittelt an. [...]Ich werde die Befürchtung nicht los, dass auch viele aus unseren eigenen Journalisten-Reihen noch nicht angekommen sind im digitalen Zeitalter” und gewinnt eine Erkenntnis: “Es geht, Achtung Pathos, um Geisteshaltung, so viel habe ich nach diesem Besser-Online-Samstag verstanden. Die Frage nach dem journalistischen und meinetwegen auch digitalen Handwerk stellt sich gar nicht so sehr. [...] Aber wie, bitteschön, lehrt man Geisteshaltung?” (s. Überschriftenlink) Ernüchtert berichtet auch Christian de Vries von der Tagung: “Den vielen Bedenkenträgern im Journalismus wird dieser Tag “besser online” nur wenig geholfen haben. Die Situation in den Verlagen muss sich noch weiter verschlechtern, damit sie sich aktiv und probierfreudig im Netz tummeln, um dort vielleicht mit anderen weiterhin das zu tun, was sie am besten können: journalistisches Handwerk, dass es ja weiterhin immer brauchen wird.”

Nachtrag: Sehr lesenswert ist auch Hardy Prothmanns wütender Kommentar: Die blödsinnige Mär von der “Kostenloskultur” .

Nachtrag 2: Ebenfalls Fazit ziehen Inge Seibel (mit Videodokumentation!), Andreas Lerg und Stefan Kaufmann.

Der Journalist von heute und morgen

Über die Journalisten und den Journalismus der Zukunft (und eigentlich auch schon der Gegenwart) macht sich auch Steffen Leidel beim DW-Ausbildungsblog lab Gedanken: “Es geht darum, dass ein Journalist  ein Thema, eine Geschichte für Online konzipieren, denken und umsetzen kann. In vielen Redaktionen denken noch zu viele Redakteure in den Kategorien ihres “alten” Mediums, sie denken an ihren Radio- , TV- oder an den Printbeitrag. Und geben ihn dann am liebsten ab an die Onlinekollegen, die dann das “mit dem Internet” erledigen. [...] Wie ist es möglich, dass der Chefredakteur einer der erfolgreichsten Tageszeitungen Deutschlands immer noch der Meinung ist, dass  “Nachrichtenjournalismus im Netz wird nie so in die Tiefe gehen” können, wie in einer Zeitung? Es müsste doch eine Binsenweisheit sein, dass Journalismus nicht deshalb hochwertig ist, weil er auf Papier gedruckt oder im Fernsehen gesendet wird.  Jedes Thema muss heute von vorneherein plattformübergreifend konzipiert und gedacht werden.”

Reform the media? How 2009.

Dan Conover von Xark glaubt, dass die Medienmodelle des 20 Jahrhunderts ungeeignet sind, um nachhaltige Geschäftsmodelle für den Journalismus im 21. Jahrhundert aufzubauen. Letztlich laufe die wirtschaftlich luktrativsten Modelle auf Klickstrecken mit Pin-Up-Girls hinaus: “If your primary mode of communication for news and important information is narrative, then the sum of the value you create will never be anything but transient, subjective and ephemeral. Its quality and craft may create marginal value in terms of attention, but this is no longer a good business model. You can get more attention with pictures of naked celebrities, and without an alternative to traditional news media economics, this is eventually what you’ll be reduced to publishing.”

Wie das Netz den Journalismus verändert

In der lesenswerten Reihe “Digitale Mediapolis” von Stephan Weichert, Leif Kramp und Alexander von Streit gibt es diesmal kein Interview, sondern einen Überblicksbeitrag zum digitalen Medienwandel.

Twitter-Kinderkram und Facebook-Quatsch

Dirk von Gehlen erläutert in einem Beitrag für sueddeutsche.de sehr anschaulich, was es mit den unterschiedlichen Auffassungen von Malcolm Galdwell und Clay Shirky in puncto Twitter und Facebook auf sich hat. Gladwell hatte in einem Beitrag für den New Yorker behauptet die Rolle von soziale Netzwerken in Revolutionen und sozialen Bewegungen werde überbewertet.

Journalists as entrepreneurs? That’s fine, but not if they have to sell advertising

Journalismusprofessor Roy Greenslade zeigt sich in seinem Guardian-Blog skeptisch zum Konzept des Unternehmerjournalisten, der unter Umständen auch die Anzeigen akquiriert, die neben seinen Beiträgen stehen: “I remain queasy about journalists acting as advertising sales reps. And it is an aspect of entrepreneurial journalism that gives me pause for thought.” Jeff Jarvis, der seit Anfang Oktober ein Institut für Unternehmerjournalismus leitet, und auf Greenslade in einem Kommentar antwortet, sieht das naturgemäß anders: “Institutional, industrial journalists are too used to the idea that codes and walls will protect their morals. No, they must be their own protectors. The same conflicts and interests exist for everyone in a news operation and everyone must guard against corruption or the asset loses its value. Indeed, I believe that by teaching journalists that business itself is corrupting, we became terrible stewards of journalism and that is one of the key reasons journalism is in the fix it’s in.

BBC alters link guidelines for online articles

Verlinken erwünscht, Paradigmenwechsel eingeleitet – Paul Bradshaw (Online Journalism Blog) vergleicht die alten und neuen Richtlinien der BBC beim Verlinken:
What we used to do…

  • Lists of archive news stories
  • Homepages only on external websites
  • No inline linking in news stories

What we do now – think adding value…

  • Avoid news stories and link to useful stuff – analysis, explainers, Q&As, pic galleries etc
  • On external websites look beyond homepage to pages of specific relevance
  • Inline linking in news stories is OK when it’s to a primary source

Der Guardian hat die Originaldokumente zur neuen Linkphilosphie eingebettet (Paul Bradshaw ebenfalls, es erscheint aber nur eine Fehlermeldung.)

Präsentationsfolien: Flattr, Kachingle & Co. – Freiwilliges Bezahlen als Chance für den Buchmarkt

Verlagsberater Leander Wattig hat auf der Frankfurter Buchmesse im Forum Zukunft einen Vortrag zum Thema Crowdfunding in der Buchbranche gehalten und die Folien auf seinem Blog bereitgestellt.

Six Stunning Projects That Show the Power of Data Visualization

Der Datenjournalist Anthony Calabrese stellt bei Mediashift sechs wunderschöne Visualisierungsbeispiele vor und erläutert wie und warum sie funktionieren. Inklusive einem erläuterten Link zu einem genialen interaktiven Periodensystem der Datenvisualisierungsmethoden.

Illustration: Icons of the Web via Mediashift

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3 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: Medienlinks zum Wochenstart: Online ist eine Geisteshaltung — CARTA

  2. Ich habe diese Linkliste “dank” Google zuerst bei Carta gesehen. Hättest auch du wie Carta einen flattr-Button, hätte ich diesen gern gedrückt. ;-)

  3. @Pjebsen Was meinst Du? Unter allen meinen Beiträgen ist doch ein Flattr Button.