Steuern bei Flattr und Co? – Expertenbeitrag von Rüdiger Schaar

Steuerberater Rüdiger Schaar beantwortet in diesem Gastbeitrag die Frage, ob man als Blogger Einnahmen aus Social Payments wie Flattr, aus Werbebannern,  Google AdSense oder Affiliate-Netzwerken dem Finanzamt melden muss. Soviel vorab: Ja, man muss.

Von Rüdiger Schaar

Bei den Social-Payment-Services wie Flattr oder Kachingle handelt es sich um eine neue Form des Internetzahlungsverkehrs. Nutzer haben so die Möglichkeit, Autoren für ihre Arbeit zu bezahlen – entweder in monatlich vorgeschriebener Höhe (Kachingle 5 Euro) oder frei wählbar (Flattr). Die Autoren binden den Button des Anbieters auf ihrer Seite ein, der Nutzer klickt ihn an, wenn ihm ein Beitrag gefällt. Am Ende des Monats bekommt der Autor das aus der Summe der Klicks resultierende Geld über Paypal ausgezahlt.

Die Einnahmen durch das „social payment“ werden jedoch häufig missverstanden, als Spenden etwa oder eine Art von Trinkgeld, die Einnahmen müssten deshalb nicht versteuert werden. Das Finanzamt teilt diese Ansicht leider nicht.

Aus steuerlicher Sicht handelt es sich um eine nachhaltige Tätigkeit, die mit Gewinnerzielungsabsicht betrieben wird. Und die ist steuerpflichtig! Der Journalist hat die Einnahmen deshalb als Einnahmen aus selbständiger Tätigkeit zu versteuern. Dies bedeutet, dass ein freiberuflicher Journalist die Zahlungen als Betriebseinnahmen, zusätzlich zu seinen Texthonoraren, zu erfassen hat. Ein angestellter Journalist, der als Blogger nebenher tätig ist und Zahlungen erhält, ist gezwungen, die selbständige Tätigkeit beim Finanzamt anzuzeigen und den Gewinn zu erklären. Zu einer Versteuerung kommt es allerdings nur dann, wenn sein Gewinn über 410 Euro vorliegt. Darunter greift der sogenannte Härteausgleich, eine „Steuervergünstigung“ für Arbeitnehmer, die lediglich geringe Nebeneinkünfte erzielen.

Da die Einnahmen zu versteuern sind, können natürlich auch angefallene Betriebsausgaben berücksichtigt werden. Erfahrungsgemäß sind diese allerdings bereits in den sonstigen Betriebsausgaben der Journalisten erfasst (Abschreibung Computer, Internetgebühren etc.). Lediglich die Gebühren der Social-Payment-Anbieter sind insoweit zusätzlich anfallende Kosten.

Auch im Bereich der Umsatzsteuer unterliegen die Einnahmen der Besteuerung. Und dies auch, obwohl die „social payment“-Anbieter ihren Sitz meist im Ausland haben. Da der Nutzer mit seinem Klick die journalistische Tätigkeit honoriert, sollte nach unserer Meinung vor dem Finanzamt der ermäßigte Steuersatz von 7 Prozent vertreten werden. Entsprechende Entscheidungen von Finanzgerichten zum anzuwendenden Umsatzsteuersatz liegen noch nicht vor. Angestellte Journalisten, die erwartungsgemäß mit ihren Einnahmen aus den Social-Payment-Services unter 17.500 Euro liegen, können sich als Kleinunternehmer beim Finanzamt anmelden und haben keine Umsatzsteuer abzuführen.

Vorsicht ist bei Affiliate-Programmen und Werbebannern geboten. Denn hierbei handelt es sich nicht um Einkünfte aus freiberuflicher Tätigkeit, sondern gewerblicher Art. Soweit also jemand Werbebanner auf seiner Seite schaltet, sind ein Gewerbe anzumelden und die Einnahmen hieraus gesondert beim Finanzamt zu melden. Das kann weitreichende Folgen haben. Wenn die Schaltung über 4.800 Euro Gewinn im Jahr abwirft, entfällt der 50%-ige Zuschuss der Künstlersozialkasse zur Krankenversicherung. Ein Zuschuss zur gesetzlichen Rentenversicherung bleibt allerdings erhalten. Zu einer Festsetzung von Gewerbesteuer wird es bei den meisten allerdings nicht kommen. Die fällt erst ab einem Gewinn von 24.500 Euro an.

Rüdiger Schaar ist Steuerberater, betreut das Informationsportal  www.medienvorsorge.de und betreibt für Freischreiber, den Berufsverband freier Journalistinnen und Journalisten, eine Hotline zu allen Fragen der Steuer und der Künstlersozialkasse. Bei medialdigital.de veröffentlicht er in unregelmäßiger Folge Steuer- und Sozialversicherungstipps für Journalisten.

24 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Ulrike,
    hatte ich mir schon gedacht…
    Komisch, dass in den Einnahmen Umsatzsteuer drin sein soll, wo doch in den Ausgaben keine ist…
    Deutsches Steuerrecht – immer wieder eine Freude!

    Danke dir für die schnelle Antwort ;-)

    Sonnige Grüße
    Heike

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  3. Greifen die beschriebenen “Mechanismen” denn immer? Sprich: Wenn Nutzer meiner Seite jetzt irgendwas ganz hilfreich fanden, das flattrn und ich am Ende des Monats mit 1,50 € rausgehe, muss ich das dann als Gewerbe anmelden und kann gleichzeitig meine eigenen 2,- € als Ausgaben wieder abrechnen? Muss ich wegen 2,50 € / Monat gleich Amtsgänge bestreiten? Interessiert es die Ämter überhaupt, wenn nach einem halben Jahr 10,- oder vielleicht auch 20,- € auf meinem PayPal-Konto landen?

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