Linktipps zum Wochenstart: Twitter und die Medien

Studie: Twitter, Journalismus & Medienkompetenz – Denn sie wissen nicht, was sie tun…?

Twitter und Medien1: Beim  Journalistentag des DJV-NRW in Recklinghausen stellte der Kommunikationswissenschaftler Christoph Neuberger die Ergebnisse der aktuellen Studie “Twitter und Journalismus” vor. Im Auftrag der Landesanstalt für Medien (LfM) wurden siebzig Redaktionsleiter deutscher Internet-Redaktionen befragt, wie in den Internet-Redaktionen Twitter genutzt wird. Tim Krischak hat Folien mit den wichtigsten Ergebnissen auf seinem Blog eingebettet (Überschriftenlink). Frappierend (Folie 10): “Etwa zwei Drittel der Befragten [Journalisten] halten Twitter für die tägliche Arbeit für eher unwichtig.” Die Ergebnisse werden laut Krischak ab Montag, 22.11. auf der Homepage des IFK-Münster zu finden sein. Auf der Homepage der LfM kann man die Studie kostenfrei beziehen. Eine Zusammenfassung zum Herunterladen gibt es bei der LfM hier.

Alan Rusbridger: Why Twitter matters for media organisations

Twitter und Medien 2: Guardian-Chefredakteur Alan Rusbridger benennt und begründet 15 gute Gründe, warum Twitter für Medienorganisationen wichtig ist. Von “It’s an amazing form of distribution” bis “It is an agent of change”. Am besten gefällt mir Nr. 10: “It’s a level playing field: A recognised “name” may initially attract followers in reasonable numbers. But if they have nothing interesting to say they will talk into an empty room. The energy in Twitter gathers around people who can say things crisply and entertainingly, even though they may be “unknown.” They may speak to a small audience, but if they say interesting things they may well be republished numerous times and the exponential pace of those re-transmissions can, in time, dwarf the audience of the so-called big names. Shock news: sometimes the people formerly known as readers can write snappier headlines and copy than we can.

News-Gebläse Twitter: Diesen Medien sind ihre Follower völlig egal

Twitter und Medien 3: André Vatter teilt Medien und ihre Twitteraccounts in zwei Kategorien ein: In diejenigen, die ihre Follower als “stimmloses Leservieh” betrachten (wenn auch teilweise sehr erfolgreich wie Spiegel Online) und diejenigen, die einen echten Dialog mit ihren Followern suchen. In beiden Kategorien stehen jetzt schon gut charakterisierte (und in der ersten Kategorie auch süffisante) Beispiele. Weitere Beispiele sollen in den Kommentaren ergänzt werden.

How Spot.Us Doubled Its Grant Money with Community-Focused Ads

David Cohn, Gründer und Betreiber von Spot.Us (einer Plattform, auf der Journalisten von Bürgern Spenden für umzusetzende Themenideen einsammeln können), erläutert in einem Gastbeitrag bei Mediashift, warum sein einzigartiges Werbemodell so gut funktioniert und wie es damit weitergehen wird. Was sind “Community-Focused Ads”? Die kurze Antwort laut Cohn: “We sell the sponsoring organization a form of engagement on our site (a quiz, survey, etc). Anyone who engages with the sponsor gets a slice of our sponsorship budget. They decide where the funds go. The sponsor gets the anonymized information from community members. Each side creates value for the other.” Mehr dazu in diesem Blogpost bei Mediashift und in einem Videointerview (mit deutscher Abschrift), das ich im Juli 2010 mit David Cohn in Oakland geführt habe.

Government spending over £25,000: download the data and help analyse it with our new app

Die britische Regierung legt im nationalen Haushalt jetzt jede Ausgabe offen, die 25.000 britische Pfund übersteigt. Und wieder einmal entwickelt der Guardian eine App und bittet seine Nutzer um Hilfe, um der Datenflut Herr zu werden:

Get the data
Explore the data with our search and download app
INTERACTIVE: guide to the spending

What Should An iPad Newspaper Look Like?

Medien-Apps 1 : Techcrunch nimmt Rupert Murdoch’s Projekt Daily – eine Zeitung nur für das iPad ohne Print- oder Webausgabe – zum Anlass, zu fragen, wie eine Medien-App aussehen und ob sie überhaupt noch Anleihen beim Medium Print machen sollte. Laut Techcrunch bietet eine aus Nutzerperspektive gute Medien-App diese Funktionen:

  • Social: It should show you what your friends and the people you trust are reading and passing around, both within that publication and elsewhere on the Web.
  • Realtime: News breaks every second, and publications need to be as realtime as possible to keep up.  A “daily” already sounds too slow.
  • Local: The device knows where you are and should serve up news and information accordingly, including, weather, local news and reviews.

Das sehen die von Techcrunch zitierten Komentatatoren bei Twitter ganz ähnlich.

iPad design: the importance of that first “door” screen in your app

Medien-Apps 2: Printdesigner Mario Garcia vergleicht in seinem Blog die Einstiegseiten der iPad-Apps von Medien. Eine Screenshot-Sammlung mit ersten Eindrücken – von bestechend simpel bis mit der Tür ins Haus fallen (= gleich einen Beitrag auf der ersten Seite anbieten).

Don’t call it Social Media

Sachar Kriwoj, der bei der E-Plus für digitale Kommunikation zuständig ist, kritisiert die Einbahnstraßenkommunikation, die viele Unternehmen “Social Media” nennen, sowie dubioserweise preisgekrönte Konzepte von teuren “Social Media Experten”, die selbst in sozialen Netz kaum unterwegs sind: “Social Media – das ist für mich eine angenehme, authentische, unverkrampfte, direkte, schnelle, zuvorkommende, dialogische und menschliche Art der Kommunikation. […] Aber das ist kaum das Bild, das sich mir im Jahr 2010 bietet. Stattdessen schießen Seiten von großen Marken bei facebook aus dem Boden, die nur eins im Sinn haben: Reichweite. Diese werden durch Verlosungen, Ads oder Newsletter erreicht. Wenn man sich diese Seiten anschaut, dann findet man keinen oder kaum Dialog. Stattdessen lustige Gewinnspielaktionen, Coupons, Spiele und anderen Kram, der mich eher an das Verkaufsfernsehen erinnert denn an das, was ich unter Social Media verstehe.” Angenehm: Trotz des offenbar lang aufgestauten Ärgers schreibt Sachar Kriwoj ebenso kompetent wie sachlich.

„Der Long Tail von Blogs ist schon vorhanden.“ – Frank Westphal über Rivva

Stephan Mey interviewt auf seinem Medien-Ökonomie-Blog den Betreiber des Blog-(und Webseiten)-Aggregators Rivva Frank Westphal zum Rivva Leitmedienindex, über die Selbstreferenzialität der Blogszene und zu den Gründen, warum sich Rivva nicht monetarisieren kann (Überschriftenlink). Im zweiten Teil geht es unter anderem darum, wie sich Links von Blogs und Twitter unterscheiden und warum Facebook bei Rivva nicht berücksichtigt wird.

History of Social Media – History of Social Media Bookmarking

Eine ausführliche Infografik bei Skloog zu einem noch jungen Kapitel in der Netzgeschichte.