Linktipps zum Wochenstart: Entpixelung

Ich nehme mir ein Recht

Rechtsanwalt und Lawblogger Udo Vetter fragt sich, warum das “demokratische Prinzip der Hausgemeinschaft” bei Einspruchsverfahren gegen Google Streetview ausgehebelt wurde. Es reicht es ja schon, wenn einer von Dutzenden Parteien  in einem Haus  Widerspruch einlegt um das ganze Haus zu verpixeln. “Man hätte das ja mal besprechen können. So wie die Eigentümer ja auch darüber sprechen, ob das Treppenhaus saniert oder das Dach erneuert wird. [...] Statt aber kurz Bescheid zu sagen und sich vielleicht sogar einer Diskussion zu stellen, werden vollendete Tatsachen geschaffen. Aus dem Hinterhalt. Und anonym. Das ist zwar formal nicht zu beanstanden. Aber trotzdem feige.” Udo Vetter schafft jetzt über den Bilderdienst Panoramio ebenfalls Tatsachen. Und Rechtsanwalt Carsten Ulbricht klärt darüber auf, ob es ein Recht auf “Entpixelung” gibt. (Die kurze Antwort lautet: Nein).

More from the cables: “9/11 of diplomacy” identifies Putin as Batman and Medvedev as Robin

BoingBoing mit einer etwas anderen Zusammenstellung von Berichten über den neuesten WikiLeaks-Scoop mit 250.000 Dokumenten aus dem US-Außenministerium. Eine ernsthafte Übersicht gibt s bei WL Central, ein Live-Blog bei Zeit Online. Und Pascal Paukner erzählt, wie es zum Twitter-Wikileaks-Leak beim Spiegel kommen konnte.

NUI und die Gamification

Marcus Bösch erklärt im lab Ausbildungsblog der Deutschen Welle, wie sich die grafische Benutzeroberfläche von Computern zur natürlichen Oberfläche weiterentwickelt hat und was das mit “Gamification” zu tun hat – die Kunst, Journalismus mit interaktiven Elementen so anzureichern, das er Nutzer involviert wie ein spannendes Computerspiel.

5 Myths about digital journalism

Mark S. Luckie räumt im 10000 words Blog mit fünf gängigen Irrtümern über Multimedia-Journalismus auf:

  1. Journalisten müssen alle neuen Techniken beherrschen (nein, aber sie sollten alle zumindest grob kennen, und dann entscheiden, welche sie beherrschen sollten).
  2. Social Media ist die Rettung (nein, aber einer neuer Weg Nachrichten zu verteilen, Communities zu organisieren und den Informationsfluss in beide Richtungen zu erleichtern).
  3. Journalisten müssen programmieren können (nein, wer es nicht ernsthaft lernt, wird ohnehin nicht konkurrenzfähig sein. Man sollte aber wissen, welche Programme was können um mit Experten zu kooperieren.)
  4. Nutzerkommentare sind Müll /essentiell für die Demokratie (weder noch, und sie bedürfen aktiver Moderation).
  5. Es gibt keine Jobs im Journalismus (nein, aber es ist wichtig, dass man sich mit Spezialkenntnissen von der Masse absetzt und Nischen besetzt).

8 Key Lessons the CBC Learned Working with Citizen Journos

Kim Fox analysiert bei Mediashift die Erfahrungen, die der öffentlich-rechtliche kanadische Rundfunk CBC mit dem Einbeziehen (Kuratieren) von Nutzerbeiträgen gemacht hat. Zwei davon:

  • Survey your potential citizen contributors: [...] The survey shouldn’t be long but it should ask specific questions about contributors’ familiarity with the topic, their writing and social media experience, and their technical proficiency and access to tools (cameras, smartphones, laptops). It’s also helpful to ask them to write a bio and tell you the type of stories they’re interested in filing. This last point will clearly illustrate both their potential and commitment level.
  • Educate your contributors: You may notice volunteers feel a little intimidated after you notify them they’ve been selected to participate in your project. To avoid this, create an open and supportive environment from day one: Take time to call each person and discuss what it’s like to collaborate with your newsroom; demystify terms and processes they may encounter [...]

Interessante Studie zur Nutzung von Twitter durch Redaktionen wirft Frage nach Bürgerjournalismus auf

Andreas Lerg wundert sich über den seltsamen Dreh  im Zusammenhang mit der Berichterstattung über die Twitter/Journalismus-Studie der Düsseldorfer Landesanstalt für Medien (LfM): “Mit einer Konkurrenz durch Twitter rechnen die Redaktionen nicht: “Anzeichen für einen ‚Bürgerjournalismus’, der den professionellen Journalismus ersetzen könnte, haben wir auf Twitter nicht finden können”, stellt Christoph Neuberger als Leiter des Projektes fest. Dafür seien andere Formate wie Web-Blogs und Communities besser geeignet. (Quelle: kress.de) Neuberger spricht hier von Bürgerjournalismus, der den professionellen Journalismus “ersetzen” könne. Den sieht er nicht bei Twitter, sondern eher in Blogs und Communities. Aber er irrt! Meiner Überzeugung nach kann Bürgerjournalismus den professionellen Journalismus überhaupt nicht ersetzen. Mehr noch, er will es auch garnicht!” Lerg zeigt, wo sich vor allem im Lokaljournalismus Schnittstellen zur Zusammenarbeit mit den Bürgern ergeben können.

“Grenzgänger 2.0″: Interviewpartner und -themen

Sonja Kaute  stellt in ihrem Blog die Ergebnisse ihrer Diplomarbeit “Grenzgänger 2.0 – Warum Journalisten Weblogs nicht länger ignorieren sollten” (PDF, Vollversion, 2MB) vor. Kaute befragte 66 Citizen-, Audience-, Media- und Journalist-Blogger zu ihrem Selbstverständnis als Blogger und zur Rolle von Blogs im Journalismus. Es gibt auch eine Kurzversion.

Awesome visualizations of internet and web tech

Royal Pingdom stellt 16 verschiedene Tools zur interaktiven Datenvisualisierung vor, alle bestückt mit Beispielen aus der Web-Tech-Szene. Besonders imposant sind die globalen Aufrufe der New York Times im Tagesverlauf, Wortwolken bei Twitter und die Location Check-Ins als Streams während der SWSX Konferenz in Austin, Texas.

Illustration: The Information Flow on Twitter via Royal Pingdom


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