Linktipps zum Wochenstart: Schluss mit “Social Media Editor”

Top-Tipp:

Aron Pilhofer and Jennifer Preston on the new shape of social in The New York Times’ newsroom

Die New York Times hat den Posten des Social Media Editor wieder abgeschafft – aber nicht etwa, weil er sich als unwichtig erwiesen hat, sondern weil Social-Media-Verständnis nun zunehmend in alle Bereichen verlangt wird. Das Interactive News Team, geleitet von Aron Pilhofer, wird künftig vergrößert und die Social Media Aktivitäten der NYT koordinieren, schreibt Nieman Journalism Lab: “Pilhofer’s team is composed of developers who are at the vanguard of the journo-hacker movement [...], and they’ve already had a big hand in developing some of the Times’ most notable forays into social media: creative commenting systems like Health Care Conversations (which uses what the team internally calls a “bento box” structure to visualize commentary); crowdsourcing efforts like Survival Strategies, which asked for readers’ approaches to coping with the recessed economy; and other efforts. The move into social, in fact, isn’t a move at all. As Pilhofer notes, ‘It’s really more of an expansion of something that we’re already deeply involved in.‘ (Pilhofer war in diesem Jahr auch Keynote Speaker beim Hamburger Scoopcamp):

weitere Tipps:

iPad news apps may diminish newspaper print subscriptions in 2011

Eine Studie des Journalistischen Instituts der University of Missouri verheißt nichts Gutes für die Anhänger der Theorie, das iPad werde die Verlage retten. Demnach ist zwar die Zielgruppe der iPad-Nutzer demographisch sehr attraktiv für Verlage. Und vier von fünf der 1600 befragten Nutzer sagen, sie würden ihr iPad (neben anderen Dingen) vorrangig zur Hand nehmen, um sich über Nachrichten zu informieren. Aber gerade aus der Gruppe der Nachrichtenjunkies, die dafür täglich mindestens eine Stunde lang ihr iPad nutzen und zwar bevorzugt über die Apps der Verlage, bekunden 58%, dass sie wahrscheinlich ihr Printabo bald kündigen werden. Mehr als 10% haben das bereits getan. Nur 30 Prozent lesen bisher keine gedruckte Zeitung, können also als echte Zugewinne verbucht werden. Das Dilemma, das in diesen Zahlen steckt: Je größer der Erfolg der iPad Apps, desto schneller werden die Verlage ihre Printauflagen kannibalisieren. (Vgl. dazu auch Paid Content: Survey: iPad Newspaper Apps Could Slash Print Subscriptions ) In Deutschland liegen unterdessen die Ergebnisse einer Studie der dpa-Tochter News Aktuell und der PR-Agentur Faktenkontor vor : Journalisten sehen kaum Zukunft für redaktionelle Apps - bei Horizont.net)

Oxford study: What’s the future of foreign reporting?

Nieman Journalism Lab analysiert eine Studie zur Zukunft der Auslandskorrespondenten und zitiert den Leiter Richard Sambrook:“Are foreign correspondents redundant? By no means,” he writes. “But they will be very different from their predecessors and work in very different ways to serve the digital news environment of the twenty-first century.”

8% of online Americans use Twitter

Eine Studie des Pew Internet Research Centers (siehe dazu auch mein Blogpost: Was die Leute wirklich twittern…) Eher ernüchternd fällt die Interpretation einer weniger beachteten Grafik aus dieser Untersuchung bei The Next Web aus: Nearly half of all Twitter users don’t read a word you say.

Wikileaks-Tipps:

Seven Thoughts on Wikileaks

Jack Goldsmith, Jura-Professor und ehemals hochrangiger Beamter im US-Justizministerium unter Bush mag zwar Wikileaks nicht besonders, nimmt die Plattform aber in Schutz: “I do not understand why so much ire is directed at Assange and so little at the New York Times. What if there were no wikileaks and Manning had simply given the Lady Gaga CD to the Times?  Presumably the Times would eventually have published most of the same information, with a few redactions, for all the world to see.  Would our reaction to that have been more subdued than our reaction now to Assange?  If so, why?  If not, why is our reaction so subdued when the Times receives and publishes the information from Bradley through Assange the intermediary?” Interessant ist, dass Goldsmith es als Tatsache hinstellt, dass Finanz- und Internetdienstleister von der US-Regierung unter Druck gesetzt wurden: “The current strategy of pressuring intermediaries (paypal, mastercard, amazon, various domain name services, etc.) to stop doing business with wikileaks will have a marginal effect on its ability to raise money and store information.”

WAZ-Mediengruppe startet anonyme Upload-Seite

Die WAZ hat ab sofort ein eigenes Whistleblower-Portal für regionale Themen – Leiter ist David Schraven, der von den Ruhrbaronen als oberster Rechercheur zur WAZ kam. Laut WAZ hat er auch schon Wünsche, womit sich das Portal füllen soll: “„Ich brauche alles zur Loveparade, da gibt es Dokumente aus der Polizei und aus dem Innenministerium, deren Inhalt meiner Ansicht nach an die Öffentlichkeit gehören.

Presserat-Beschwerde in der Sache Wikileaks

Christiane Schulzki-Haddouti hat beim Deutschen Presserat eine Beschwerde gegen den Spiegel wegen dessen Bevorzugung durch Wikileaks eingelegt: Die Begründung der Bonner Journalistin und Kooptech-Bloggerin:”Laut Richtlinie 1.1 des Pressekodex darf die ‘Unterrichtung der Öffentlichkeit über Vorgänge oder Ereignisse, die für die Meinungs- und Willensbildung wesentlich sind”, “nicht durch Exklusivverträge mit den Informanten oder durch deren Abschirmung eingeschränkt oder verhindert werden’. Dies sehe ich im Fall der Kooperation des “Spiegel” mit Wikileaks gegeben.”

How Wikileaks has woken up journalism

Emily Bell (früher beim Guardian, jetzt Journalimus-Professorin an der Columbia University in New York) über Wikileaks: “Wikileaks  has ignited a debate about the rights and responsibilities attached to freeing information.It has illustrated that Governments, however well intentioned, do not have the best judgement in terms of what it is right for  citizens to know. It has shown that the established media no longer necessarily gets to make that call either, and forces us all to think about the consequences of that shift.

Journalisten sind Staatsbürger, nicht Staatsträger – Warum Internetplattformen wie Wikileaks der Demokratie dienen

Monitor-Chefin Sonia Seymour Mikich nennt im WDR Blog die US-Botschaftsdepeschen schon aus diesem Grund bedeutsam: “Ein erschütterndes Ergebnis der Enthüllungen ist übrigens, dass so ziemlich alle NATO-Partner zugeben, wie schlecht es in Afghanistan bestellt ist. Einschätzungen, die man auf Konferenzen und in Nachrichten nie zu hören bekommt, auch nicht als kritisch fragender Journalist.” Und fragt sich: “Warum stehen auf so vielen Dokumenten, Studien, Gesetz-Entwürfen – und Depeschen “top secret”-Vermerke? Wohl auch, um Entscheidungsträger vor unangenehmen Fragen zu schützen.

Anti-Plagiat-Tipp:

Schmuck mit fremden Federn – Wie Ben Ahlfeld Blogger beklaut

Karrierebibel-Blogger Jochen Mai zeigt, warum es in den meisten Fällen gar nicht nötig ist, die Abmahn-Keule zu schwingen, um Plagiatoren in ihre Schranken zu weisen. Nach dem Blogpost inklusive Screenshots der geklauten Passagen aus diversen Blogs und akribisch dokumentierten Ausflüchten dürfte jener Ben Ahlfeld eine Weile brauchen, um seine Online-Reputation wiederherzustellen.

Videotipps:

Wikirebels – The Documentary

Ein sehenswerte einstündige englischsprachige Dokumentation des schwedischen Fernsehens SVT über Wikileaks und Julian Assange. Sehr aktuell (bis kurz vor der Verhaftung Assanges) und differenziert. Mit dem Anschauen sollte man sich allerdings beeilen. Die schwedische Regelung in Sachen öffentlich-rechtliche Medientheken ist nämlich genauso unsinnig wie die deutsche: Am Montag, 13. Dezember, 23.59 Uhr, wird die Doku depubliziert. (Bis sie dort eventuell gelöscht wird, kann man sich die Doku auch in mehreren Teilen bei YouTube ansehen.)

NASA Engineer Shows YouTube “Best of the Best” Shuttle Videos

Ein Fest für Raumfahrt-Fans. Ein 45-Minuten-Zusammenschnitt von Spaceshuttle-Starts, in Zeitlupe, aus verschiedenen Kameraperspektiven und kommentiert von NASA-Experten. Eingebettet in einen Beitrag bei Mashable.

Kartentipps:

Flow-Chart zum neuen Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV)

Wer braucht einen Jugendschutzbeauftraften? Wer muss sich mit “Sendezeiten” oder technischen Zugangssperren befassen? “Der neue JMStV ist so kompliziert und verwirrend, dass auch wir Juristen uns in vielen Punkten nicht einigen können, was der Gesetzgeber eigentlich regeln wollte”, sagt Thomas Schwenke. Deshalb hat der Jurist gemeinsam mit Telemedicus ein Flowchart erstellt. Sinnvoller wird das Ganze dadurch zwar nicht, aber etwas übersichtlicher. Und auf der Webseite des neugeschaffenen “Ministerium für Internet” etwas lustiger.

World Map Of Social Networks Shows Facebook’s Ever-Increasing Dominance

Wie Facebooks globale Dominanz jährlich immer weiter wächst, gut visualisiert in Vincos Blog.

Should You Accept Mom & Dad’s Facebook Friend Request?

Und noch ein Flowchart (von Mashable). Für diejenigen, die eine Entscheidungshilfe brauchen, bevor sie ihre Eltern leichtfertig als Facebook-Freunde akzeptieren und das vielleicht später bereuen.

Jahresrückblicktipp:

Der erste Jahresrückblick 2011 erscheint im Blog von Christian Jakubetz. Dass die Rhein-Zeitung im April 2011 “das Ende ihres Erscheinens auf Papier” bekanntgibt und künftig nur noch twittern will, ist zwar unwahrscheinlich. Dass hingegen Konstantin Neven DuMont im Januar 2011 ankündigt, “demnächst die Nachfolge des ZDF-Intendanten anzutreten und Apple kaufen zu wollen” (und im August noch RTL dazu) – die Chancen dafür stehen 50:50, oder? Interessante Ergänzung in den Kommentaren: “Christian Jakubetz wird Chefredakteur der Passauer Neuen Presse, nachdem diese vom aufstrebenden Portal Fu-Pa.de übernommen wurde.”

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