Wie ist die Resonanz auf IGEL? Ein Test mit blueReport

Seit einiger Zeit habe ich einen Testzugang für blueReport, ein Online-Medienbeobachtungstool des Schweizer Unternehmens Cognita.  Die Agentur beliefert größere Unternehmen, Verbände und Organisationen sowie PR-Agenturen personalisiert mit den für sie jeweils relevanten Informationen und betreibt die beiden Blogs politReport.de und politReport.ch. Mit der NZZ  unterhält blueReport eine Medienpartnerschaft mit der NZZ. Die wichtigsten Funktionen dieses Dienstes werden in diesem Screencast erläutert.

Ich habe mir für das Stichwort “Leistungsschutzrecht” (LSR) einmal näher angeschaut, was der kostenpflichtige Dienst blueReport über die kostenlosen Analysetools hinaus leistet. Der Begriff “Leistungsschutzrecht” erscheint mir aus zwei Gründen dafür gut geeignet:

  1. Die Berichterstattung über das geplante Verlagsrecht findet fast ausschließlich online statt. In den  gedruckten Publikationen der Verlage kommt der Begriff kaum vor.
  2. Am 13. Dezember 2010 startete als Gegenbewegung zum LSR die Initiative IGEL. Anzunehmen ist, das diese Aktion für einen deutlich sichtbaren Auschlag im Netz gesorgt hat. These: Dem LSR gegenüber kritisch eingestellte Blogs und Foren haben in großer Zahl über die Aktion berichtet, während Onlinepublikationen im Netz sie eher totgeschwiegen haben.

Und so sieht die Analyse aus, die der Suchagent von blueReport durchgeführt hat (zum Vergrößern bitte ins Bild klicken):

Man sieht einen deutlichen Ausschlag am 13. September und in den beiden Tagen danach. Anschließend fällt das Interesse am Thema LSR aber fast schon wieder auf den vorherigen Pegel zurück. Man sieht auch sehr deutlich welche wichtige Rolle Twitter bei der Verbreitung der Nachricht zum Start von IGEL gespielt hat. Die Berichterstattung in Blogs ist ebenfalls kurzfristig stark angestiegen und ebenso schnell wieder abgeflaut:

Nicht ganz so deutlich ist die Kurve bei den Online-Medien, bei denen zum Stichwort LSR fast ausschließlich nicht-verlagsgebundenen Portale angezeigt werden:

Die wenigen Verlagsportale, die über den Start von IGEL berichten, tun das sehr kursorisch (z.B. Spiegel Online in zwei Sätzen über den Umweg des syndizierten Perlentaucher). Löbliche Ausnahme: taz.

In der Darstellung von blueReport kann man jeweils auswählen, ob man nur die Treffer angezeigt bekommen möchte oder auch gleich die Anläufe und Textpassagen mit dem betreffendem Stichwort (Snippets). Über dieses Tool bin ich auf circa zehn Blogbeiträge zum Thema LSR überhaupt erst aufmerksam geworden. Diese Beiträge wurden weder von Rivva, noch von Blogpulse oder Twingly gefunden. Das liegt wohl daran, dass blueReport in einem Datenstamm von über 20000 Quellen sucht und automatisch und algorithmisch erzeugte Suchergebnisse redaktionell prüft und ergänzt. Zwar ergänzt und filtert auch Rivva-Betreiber Frank Westphal die Ergebnisse manuell, aber als One-Man-Show mit einem nichtkommerziellen Dienst muss bei Rivva die Auswahl notwendigerweise kursorisch bleiben.

Redaktionen können die erzeugten Suchen grafisch darstellen und die auf diese Weise das öffentliche Interesse an Themen im sozialen Netz darstellen (zum Beispiel auch an Themen, die sie selbst aufgreifen). Oder sie können die Suchergebnisse in einen RSS-Feed leiten und damit Newsticker zu bestimmten Themen erstellen. Daten lassen sich auch exportieren und in externe Grafiken übernehmen. Die NZZ visualisiert mit diesem Tool das Interesse an politischen Themen. Das sieht dann beispielsweise so aus:

Mein Eindruck: blueReport kann ein nützliches Werkzeug für Redaktionen sein, die wenig Ressourcen haben, um Suchanfragen über kostenlose Tools wie Yahoo Pipes oder Google Docs einzurichten und zu visualisieren, was durchaus zeitaufwändig ist. Außerdem beobachtet blueReport neben den Onlinequellen auch über 1000 gedruckte Zeitungen und Zeitschriften. Allerdings hat die Dienstleistung natürlich auch ihren Preis (ab 129,- € monatlich, je nach Umfang des gebuchten Medienbeobachtungspakets). Für die meisten Blogger dürfte der Dienst damit unerschwinglich sein. Es gibt auch eine iPad App, (die allerdings sehr schlecht bewertet wird, leider ohne Rezensionen).

Bis zum 24. Dezember (Teilnahmeschluss) verlost blueReport über seine Facebookseite ein kostenfreies Jahresabo.


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2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Frau Langer, gestatten Sie mir bitte einen ergänzenden Hinweis zur iPad-App: Der Grund für die schlechte Bewertung ist in dem Umstand zu suchen, dass die App zwar kostenlos ist, aber ein kostenpflichtiges blueReport-Abo voraussetzt. Wer sich zuerst die App herunter lädt, aber unseren Dienst nicht kennt, mag sich hierdurch verschaukelt vorkommen. Freundliche Grüße, TE

  2. @Torsten Enders
    Danke für die Erklärung. Den Grund für die schlechte Bewrtung konnte ich nicht erkennnen, da es keine Rezensionen gibt. Aber Sie können die Erwartungshaltung doch leicht korrigieren, indem Sie in die App-Beschreibung den Hinweis mit aufnehmen, dass man ein Abo braucht.