Linktipps zum Wochenstart: Vertrauenswürdige Datenknoten

Top-Tipp:

Media Companies Must Become Trusted Data Hubs

Mirko Lorenz (deutscher Informationsarchitekt), Nicolas Kayser-Bril (Datenchef des französischen Journalismusportals OWNI, hier mein Interview mit ihm) und Geoff McGhee, Amerikaner und Produzent des Videoprojekts Journalism in the Age of Data) haben gemeinsam einen Beitrag für OWNI (s. Überschriftenlink und für Nieman Journalism Lab) veröffentlicht. In ihrem Manifest plädieren sie dafür, dass Verlage sich nicht länger hauptsächlich als Produzenten linearer Nachrichtentexte definieren sollten, sondern als Knotenpunkte für vertrauenswürdige Daten im Netz. Noch gehen erst wenige Verlage wie der Guardian, die New York Times und neuerdings auch Die Zeit diesen Weg. Doch die Autoren sind optimistisch: “There is hope. What we are seeing at The Guardian, The New York Times and some other news organizations are the early signs of a transformation. Right now, there are only a few stories based on deep data analysis in the stream of more traditional reporting. But some journalists already see that exploring data provides an important opportunity, and the practice is growing.”

weitere Tipps:

In den Fängen der digitalen Bürger

Florian Güßgen beschreibt anlässlich der Causa Guttenberg auf stern.de das Netz als “mächtiges Bürgermedium” und fragt sich, ob hier eine fünfte Gewalt entsteht (in Großbritannien wird zu dieser Frage schon seit dreieinhalb Jahren geforscht). Ein differenzierter und gut lesbarer Beitrag nicht nur für Netizens.

Kachingle and the Limits of Tip-Jar Journalism

Ein Beitrag von John Hendel in The Atlantic untersucht, warum das Crowdfunding StartUp Kachingle auch zwei Jahre nach seiner Gründung kaum genutzt wird. Sein Fazit: ” …ultimately, Kachingle falls prey to the ‘Wouldn’t it be nice?’ school of thought. On paper, it sounds terrific; the reality doesn’t lend much confidence.” Kachingle ist das US-Pendant zu Flattr, dem norwegischen schwedischen Spendenmodell für Blogs und Websites, bei dem von Akzeptanz bei der Masse der Internetnutzer auch noch keine Rede sein kann.

Texas Tribune databases drive majority of site’s traffic, help citizens make sense of government data

Die US-Tageszeitung Texas Tribune experimentiert erfolgreich mit Datenjournalismus und zieht damit enormen Traffic auf ihre Webseite. Mehr als 50 zumeist zeitlose Projekte, viele davon angereichert mit einem Blog oder Videos zum Thema, befassen sich mit öffentlich zugänglichen Daten texanischer Behörden. Die Webseite ist zur ersten Anlaufstelle für Bürger geworden, die zum Beispiel wissen wollen, ob sich ihre Schule im Verhältnis zur Qualität des Unterrichts einen Verwaltungs-Wasserkopf leistet. Die Datenbanken stehen unter Creative Commons Lizenzen, immer mehr Datenbanken können auf anderen Webseiten eingebettet werden. Mehr Details bei Poynter.

Neuer Marktplatz für Beiträge und Aufträge – diesmal von der Post

Das freienblog des Deutschen Journalisten Verbands (DJV) analysiert das Potenzial des neuen Marktplatz für journalistische Texte, das die Deutsche Post unter dem Namen dieredaktion.de gestartet hat. “Was neu am Projekt der Post ist, ist einerseits der Ausführende, andererseits die Konsequenz, mit der das Projekt angegangen wird. Für die Deutsche Post als Teil eines der größten weltweiten Logistikdienstleister, DHL, ist das Vorhaben ein wichtiger Schritt in das digitale Geschäft, das man sichtlich nicht Garagenbastlern aus Seattle und San Francisco überlassen möchte. Zu groß ist das Risiko, dass die Digitalisierung der Gesellschaft das Denken in Paketen und Papierbriefen gnadenlos abschafft – und kein wesentlicher Geschäftsbetrieb bleibt”, so Michael Hirschler, Freienbeauftrager des DJV.

5 predictions for journalism in 25 years

Online Journalism Blog wagt zur Zukunft des Journalismus einen Blick in die Kristallkugel. Eine der Vorhersagen: Es wird immer noch Vorhersagen zum baldigen Tod der Tageszeitungen geben.

Masterarbeit Hyperlokale Plattformen in Deutschland

Imke Emmerich hat ihre mit 1,0 benotete Arbeit “Hyperlokale Plattformen in Deutschland” zum Abschluss des Master-Studiengangs Journalistik und Kommunikationswissenschaft an der Universität Hamburg dankenswerterweise zum Download bereitgestellt. Die Studie kann auf der Plattform istlokal.de (Überschriftenlink) als pdf-Dokument heruntergeladen werden.

Christchurch Recovery Map

Ein interessantes Crowdsourcing-Projekt aus Neuseeland: Freiwilige Helfer, organisiert in der Gruppe CrisisCampNZ, tragen Informationen aus Medien, Datenbanken und Hinweisen von Nutzern auf einer Google-Karte von Christchurch ein. So entsteht eine interaktive Karte mit Ressourcen und gemeldeten Störungen nach dem verheerenden Erdbeben vom 22. Februar 2011. Das Projekt beruht auf der Open Source Software von Ushahidi.

Illustration:Marion Boucharlat, CC-Lizenz.