Linktipps zum Wochenstart: Die redaktionelle Suchmaschine

Top-Tipp:

The editorial search engine

Jonathan Stray (auf interaktive Technologien spezialisierter Redakteur bei der Nachrichtenagentur AP) mit einer brillanten Analyse auf seinem privaten Blog. Quintessenz: Werdet wie Google, aber mit redaktionellen Filtern. Stray argumentiert, dass die Nachrichtenlage zu berichten und zu analysieren, zwar sehr wichtige journalistische Aufagaben sind, aber auch ein Modell des analogen Journalismus, das im digitalen Zeitalter alleine nicht mehr genügt. Angesichts der Fülle bereits vorhandener  Inhalte muss Journalismus heute viel stärker filtern, kuratieren und Wegweiser-Funktion einnehmen. Wenn Medienunternehmen diese Aufgabe nicht erfüllen, werden es Technologieunternehmen tun, so Stray: “Like a web search engine, journalism is about getting people the accurate information they need or want. But professional journalism is built upon pre-digital institutions and economic models, and newsrooms are geared around content creation, not getting people information. The distinction is important, and journalism’s lack of attention to information filtering and organization seems like a big omission, an omission that explains why technology companies have become powerful players in news. […] Rather than writing stories, we should be trying to solve the problem of comprehensively informing the user on a particular topic.

weitere Tipps:

Think Quarterly

Kein Marketingpamphlet, sondern ein erstaunlich tiefgründiges Magazin über Daten im Zusammenhang mit Menschen, Medien und dem Netz , das Google in Großbritannien in einer Auflage von 1500 Stück an seine Geschäftspartner verteilt hat. Das Heft gibt es nicht zu kaufen, es kann aber unter dem Überschriftenlink als pdf-Datei heruntergeladen werden. Es lohnt sich. Einige Anmerkungen dazu macht der Guardian.

It’s Tracking Your Every Move and You May Not Even Know

Eine beunruhigende Datenvisualisierung aus Zeit Online zum Thema Vorratsdatenspeicherung – sechs Monate im Leben des Grünen-Politikers Malte Spitz getrackt aus gespeicherten Handydaten und frei zugänglichen Geodaten – hat jetzt auch den Weg in einen Bericht in der New York Times gefunden. Die NYT zitiert als Experten Matthew Blaze, Professor für Computer- und Informationswissenschaften an der University of Pennsylvania, der zum Thema Tracking und Datenschutz bereits auch schon vom US-Kongress angehört wurde. “This is really the most compelling visualization in a public forum I have ever seen,” so Blaze, “it shows how strong a picture even a fairly low-resolution location can give.”

Craig Newmark: CraigConnects for journalism

Craig Newmark gilt unter US-Verlegern als der Mann, der mit seinem 1995 gestarteten kostenlosen Kleinanzeigenportal neuen Projekt CraigConnects das Gemeinwohl fördern, auch den Qualitätsjournalismus – für ihn allerdings nicht gleichbedeutend mit dem klassischen verlagsgebundenen Journalismus. Justin Ellis von Nieman Journalism Lab hat mit Newmark gesprochen und glaubt: “Talking with Newmark, I get the sense he hasn’t fully defined the extent of how CraigConnects can help journalism, but he senses it’s an important time to start backing the journalism you use and can trust.” Im eingebettetem Video spricht Newmark eine (etwas dürre) “Welcome Message”.

Bob Herbert resigns as New York Time Columnist

New York Times Kolumnist Bob Herbert hört nach 18 Jahren auf (Meldung bei Poynter). Der Grund, den er nennt, klingt nicht zwingend (er will auch mal mehr als 800 Worte zu einem Thema sagen und schreibt deshalb jetzt ein Buch), aber die zeitliche Nähe zur Paywall der New York Times, die nach Kanada nun am Montag, 28.3., auch für den Rest der Welt hochgezogen wird, fällt schon auf. Vor wenigen Wochen verabschiedete sich mit Frank Rich bereits ein anderer renommierter NYT-Kolumnist (zum New York Magazine). Als Murdoch in London die Times hinter einer (allerdings viel rigideren) Paywall versteckte, gab es einen kleinen Exodus von Autoren.

29 social networks that have at least one million visitors per day

Royal Pingdom setzt die täglichen Besucherzahlen der 29 größten sozialen Netzwerke in aller Welt zueinander in Beziehung (= alle Netzwerke mit mehr als einer Million täglichen Besuchern). Wie erwartet deklassiert Facebook alle Verfolger. Interessant ist vor allem, wie weit MySpace abgerutscht ist.

Award-winning journalism job post

Matt Doig von der US-Zeitung Sarasota Herald Tribune sucht einen investigativ arbeitetenden Reporter und fühlt sich offenbar bemüßigt, die Jobbeschreibung etwas aufzupeppen, um die Position beim einem Provinzblatt in Florida attraktiver scheinen zu lassen. Ein Auszug:

  • […]if you’re the type of sicko who likes holing up in a tiny, closed  office with reporters of questionable hygiene to build databases from scratch by hand-entering thousands of pages of documents to take on powerful people and institutions that wish you were dead, all for the glorious reward of having readers pick up the paper and glance at your potential prize-winning epic as they flip their way to the Jumble… well, if that sounds like journalism Heaven, then you’re our kind of sicko.
  • We have all kinds of corruption, violence and scumbaggery.
  • The 9/11 terrorists trained here.
  • Bush read My Pet Goat here.
  • Our elections are colossal clusterfucks.

via Vera Bunse



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