Linktipps zum Wochenstart: Was Universal und deutsche Verlage eint

Leistungsschutzrechte schaden – auch den Verlagen

Matthias Spielkamp hat seinen genialen Vortrag über die Unsinnigkeit eines Leistungsschutzrechts für Presseverlage, den er am 31. März beim Cologne Web Content Forum hielt, beim Perlentaucher eingestellt. Weil noch immer kein Gesetzesentwurf öffentlich bekannt ist und es deshalb in der Sache seit über einem Jahr kaum Neues zu sagen gibt, greift Spielkamp zur Historie und zieht eine Parallele zum Fall Universal City Studios gegen Sony aus den frühen 80er Jahren in Sachen Mitschnitte auf Videokassetten. Sein Fazit: Nicht nur wäre bestenfalls ein Nullsummenspiel die Folge (was den einen gegeben wird, muss den anderen genommen werden). Zudem würde ein Leistungsschutzrecht nicht zuletzt auch den Verlagen selbst schaden: “Valenti [Lobbyist der Filmindustrie] und die Filmbosse hätten eigentlich jeden Tag den Richtern des Supreme Court auf Knien für ihr Urteil danken müssen – um hier ein inzwischen recht populäres Motiv zu zitieren. Manchmal müssen Unternehmen offenbar vor sich selbst geschützt und dazu gezwungen werden, die Chancen neuer Entwicklungen zu ergreifen.

The newsonomics of oblivion

Zeitungssterben 1: Ken Doctor, US-Medienanalyst, sieht den amerikanischen Zeitungsmarkt trotz jüngster Erholungstendenzen in einer Todesspirale. Das sei der Grund, warum digitale Geschäftsmodelle von vielen Verlagen jetzt mit Nachdruck verfolgt würden. Die Frage sei allerdings, ob die Kluft zwischen den noch vergleichsweise geringen digitalen Erlösen und den stetig schrumpfenden Printerlösen noch rechtzeitig geschlossen werden könne. Interessant: Doctor zitiert den Ex-Springer-Strategiemanager Gregor Waller mit Prognosen offenbar für den deutschen Markt. Laut Waller werden im Jahr 2020:

  • die Printauflagen nur noch halb so hoch sein wie heute
  • der Umsatz mit Kleinanzeigen auf zehn Prozent gegenüber 2011 schrumpfen
  • der Umsatz mit großflächigen Anzeigen um 30 Prozent sinken
  • Bei einem kumulierten  jährlichen Wachstum der Online-Werbeumsätze von 11 Prozent werde es unmöglich sein, die entstehenden Umsatzlücke allein mit Onlinewerbung zus schließen.

Zeitungen und das Warten auf einen abgefahrenen Zug

Zeitungssterben 2: Christian Jakubetz sieht im Ende der Frankfurter Rundschau als eigenständige Zeitung den Anfang vom Ende vieler Tageszeitungen, auch solcher, die heute noch nicht wahrhaben (wollen), dass sie als nächste dran sein werden: “Das werden wir in Zukunft noch öfter sehen. Für viele Blätter ist der Zug schon abgefahren, sie wissen es nur noch nicht. Sie stehen am Bahnsteig und wundern sich, wo dieser verdammte Zug eigentlich bleibt.

Das Recht auf die letzten Fragen

Stefan Niggemeier nimmt sich wohltuend sachlich der Causa Twitter und die Hauptstadtjournalisten an und dringt zum eigentlichen Problem vor: “es geht um mehr als um technische Abläufe. Es geht um die Frage, wie sich politische Kommunikation verändert, wenn sie plötzlich nicht mehr auf Mittelsleute wie Nachrichtenagenturen oder Journalisten generell angewiesen ist. Einerseits können die kurzen Botschaften zum Beispiel eines Regierungssprechers helfen, Politik begreifbar, interessant und zugänglich zu machen. Wenn, wie bei Seibert, echte Dialoge entstehen, kann das einer Demokratie nur gut tun. Wie grotesk wirkt es da, dass ausgerechnet Journalisten, deren Beruf Kommunikation ist oder sein sollte, sich neuen technischen Formen verweigern und versuchen, Seibert als jemanden zu verunglimpfen, der durch seine Präsenz bei Twitter nur auf cool und modern machen will?”

So lief meine verdeckte Schleichwerbe-Recherche

Sebastian Heiser erläutert im taz Hausblog, wie er’s gemacht hat: Zehn Tageszeitungen vorspielen, er sei daran interessiert, bei ihnen Schleichwerbung zu schalten. Es lohnt sich, unbedingt auch die Ergebnisse der verdeckten Recherche zu lesen, die bei der Frankfurter Rundschau und bei Neues Deutschland besonders krass ausgefallen sind.

Arbeitswelt 2.0: QSC-Zukunftsgespräch mit Markus Albers

Daniela Eckstein hat im QSC Blog ein Gespräch über die Zukunft der Arbeitswelt mit Markus Albers geführt, Journalist und Autor der Bücher “Meconomy” und “Morgen komm ich später rein“. Albers argumentiert, dass so wie heute schon die meisten Freiberufler die meisten “Wissensarbeiter” arbeiten werden. Menschen also, die ihren Arbeitalltag zum größten Teil hinter einem Computerbildschirm verbringen. Albers: “Zum ersten Mal in der Geschichte können Festangestellte so arbeiten wie Freiberufler – ohne Anwesenheitspflicht und Schreibtischzwang. Ich nenne das die neuen ‘Freiangestellten’. Man geht immer noch manchmal ins Büro, aber vielleicht nur zwei Tage pro Woche oder nur drei Stunden am Tag.

Clara Jeffery: What I Read

Eine neue interessante Folge aus der The Atlantic Wire Serie “What I read”. Diesmal gibt Clara Jeffery, Mitglied der Chefredaktion des Magazins Mother Jones Einblick in ihre typische Mediendiät und in ihre Informationsfilter. Twitter, NPR und Al Jazeera English sind ihre bevorzugten Kanäle, vor allem über Twitter lässt sie sich von menschlichen Aggregatoren aus ihrem Netzwerk die Nachrichten vorselektieren. Jeffery: “I’m mystified by how few magazine and newspaper editors are themselves on Twitter. Social media is becoming a main traffic driver for us, and certainly the online audience most likely to convert to subscribers or donors. I think you need to be in that mix to understand the implications it has for both your newsgathering and your revenue streams.

Das Datenschutzproblem

Thomas Stadler, IT-Fachanwalt, hält das geltende Datenschutzrecht für ein Relikt aus der Zeit der Großrechner, ungeeignet um Aspekte des Cloud Computing oder der Social Media Nuthzung angemessen zu berücksichtigen: “Würde man das geltende Datenschutzrecht tatsächlich eng und konsequent anwenden, dann müsste Deutschland offline gehen.

Foto: caribb, cc-Lizenz

Share

3 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: Medienlinks zum Wochenstart: Was Universal und deutsche Verlage eint — CARTA

  2. Hallo Frau Langer, wollte Ihnen nur mal auf diesem Weg sagen, wie sehr mich als Aachen-Blogger und klassischer Zeitungsredakteur Ihre Arbeit im Netz beeindruckt. Kompliment auch für die Keynote und Dank für manch spannenden Linktipp. Beste Grüße aus Aachen Bernd Büttgens

  3. Hallo Herr Büttgens,

    vielen Dank für das Kompliment, das freut mich jetzt wirklich!