Linktipps vom Pazifik: Chefredakteure sollten twittern

Why editors should be active on Twitter

Steve Buttry, Social Media Director bei der US-Tageszeitungskette  Journal Register, redet Chefredakteuren ins Gewissen, warum sie das Twittern nicht den Redaktionspraktikanten überlassen sollen: “You don’t lead change from your comfort zone. You lead change by showing your staff that you are willing to learn a new skill and suffer the discomfort of learning publicly. [...] And the editor needs to use Twitter as an example to the staff. The staff needs to be using Twitter to connect with sources, stay on top of breaking news, listen to the community conversation and engage with the public. And if the editor is lazy, timid or arrogant in using or shunning Twitter, the staff will be more likely to be lazy, timid or arrogant in using or shunning Twitter.” Für Buttry ist Twitter zwar nicht das allein selig machende Werkzeug, aber derzeit ein guter Gradmesser dafür, wie zukunftsfähig eine Redaktion ist.

Data journalism at the Guardian: what is it and how do we do it?

Simon Rogers, Chef-Datenjournalist beim Guardian, zieht in zehn Punkten Bilanz, wie sich in zwei Jahren im anglo-amerikanischen Journalismus der Datenjournalismus entwickelt hat. Seine Präambel vor der ersten Punkt: “Two years ago, when we launched the Datablog, all this was new. People still asked if getting stories from data was really journalism and not everyone had seen Adrian Holovaty’s riposte. But once you’ve had MPs expenses and Wikileaks, the startling thing is that no-one asks those questions anymore. Instead, they want to know, ‘how do we do it?’” Sein Fazit: “If data journalism is about anything, it’s the flexibility to search for new ways of storytelling. And more and more reporters are realising that. Suddenly, we have company – and competition. So being a data journalist is no longer unusual. It’s just journalism.” Soweit sind wir im deutschen Journalismus allerdings noch lange nicht.

The new structure of stories: a reading list

Eine relevant zusammengestellte Linkliste von Jonathan Stray zu den Trendthemen, die momentan in der anglo-amerikanischen Medien-Webszene diskutiert werden – von Jeff Jarvis’ Infragestellung des (Fließtext-)Artikels als journalistischem Kernprodukt bis zu Eli Parisers Warnung vor der “Filterblase” (verengte Themenwahrnehmung durch personalisierte Suchergebnisse und Empfehlungen). Nicht alles neu, aber alles substanziell.

How Chartbeat wants to help save the media industry

Newsbeat ist ein neuer Dienst des Anbieters Chartbeat, der Medien Metriken zur Erfolgsmessung  auf ihren Webseiten an die Hand gibt. Nach einem sechsmonatigen Probelauf mit Time, Wallstreet Journal, Forbes, Fast Company und weiteren Testmedien ist der Dienst  nun im offenen Betatest. Newsbeat erinnert an ein Cockpit, bei dem das Wichtigste auf einen Blick zu erkennen ist (und an das Google Analytics Interface). Newsbeat zeigt in Echtzeit unter anderem an, welche Beiträge über welche sozialen Plattformen weiterverbreitet werden. Bei ungewöhnlichen Zugriffsspitzen können automatische Warnmeldungen an die Redaktion per SMS oder Email eingestellt werden. Eine erste Einschätzung zu Newsbeat gibt es bei Matthew Ingram von GigaOm (Überschriftenlink). Ingram glaubt, dass Newsbeat zwar dazu beitragen wird, dass Onlineredakteure noch mehr auf massentaugliche Inhalte setzen. Der Dienst könne ihnen aber auch dabei pregnancy test hcg HCG helfen, ihre größten Fans zu erkennen und falsch platzierte Beiträge hervorzuheben. Ähnlich sieht das Alexis Madrigal in The Atlantic: “From an editor’s perspective, ChartBeat — and I’m assuming NewsBeat, though I haven’t personally used it — is fantastic. You can see at a glance how and why something is generating a lot of traffic.”

Journalistische Abwicklung, tariflich geregelt

Christian Jakubetz analysiert, was die Schwachsinnsmeldung, die Nutzer des Internet Explorer seien dümmer als die Nutzer anderer Browser, das äußerst freizügige Ausschlachten eines Handelsblatt-Beitrags bei Spiegel Online, die vermeintlichen Zeitungsretter Tabloid und Apps und der Streik der Tageszeitungsredakteure miteinander zu tun haben: “Zwei, drei willkürlich herausgenommene Beispiele sollen den Zustand des Journalismus und möglicherweise auch noch Rückschlüsse über dessen Zukunft geben? Empirisch gesehen würde das nicht funktionieren, wohl aber als Beleg dafür, dass es Dinge gibt, die sich Journalisten abseits aller Debatten über Tarife, Internet und all die anderen Buzzwords selber zuschreiben müssen. Die aber gleichzeitig – zugegeben – auch an Rahmenbedingungen liegen, die schlichtweg nicht mehr so sind, wie sie sein müssten, wenn man ordentlichen Journalismus machen will.”

In eigener Sache: Reaktionen auf den Beitrag im ARD-Morgenmagazin

Hardy Prothmann wurde vom ARD-”Morgenmagazin” interviewt – zum Tarifstreit der Tageszeitungs-Redakteure und -Verleger, zum Ideal der Objektivität, zur Zukunft der Mediengattungen Print, Radio und Fernsehen und zu weiteren Aspekten des journalistischen Alltags. Seine interessanten Antworten gibt es im Heddesheimblog zu lesen.

Blogs in der Defensive? Über den Kommunikationswandel in sozialen Medien

Matthias Schwenk macht sich auf bwl zwei null Gedanken über das aktuelle und künftige Rollenverständnis von Blogs: “So ‘heimelig’ die deutsche Blogosphäre noch vor 5 oder 6 Jahren gewesen sein mag, so wenig kann sie heute die Erfahrung eines homogenen Raums abbilden, die “gefühlte Mitte” ist nicht mehr vorhanden. Vernetzung gibt es daher tendenziell nur noch in den jeweiligen Nischen.” Ich stimme mit ihm überein, dass es komplizierter geworden ist, Diskurse zu führen, die plattformübergreifend bei Twitter, Facebook, Google+ und Co. stattfinden. Allerdings halte ich den Vorteil, über soziale Plattformen Aufmerksamkeit zu erzeugen und Teil von Diskursen zu werden, für größer als den Nachteil der Zerfaserung.

Ich mach, was mir gefällt

Der Fotograf und Webdesigner Johannes Klaus kehrte im Juni nach einer einjährigen Weltreise aus Südostasien zurück und bekam gleich am mächsten Tag in Köln den Grimme Online Award für sein tolles  Blog Reisedepesche überreicht. In seinem neuesten Eintrag beschreibt er seine neue Lebensphilosophie (s. Überschriftenlink) und hält ein beachtenswertes “Plädoyer für ein selbstbestimmtes Leben”, mit dem ich mich auch selbst sehr gut identifizieren kann. Johannes Klaus lebt vor, was Markus Albers in seinem Buch Meconomy propagiert: Wissensvermittler können zunehmend selbst entscheiden, wann, wo, wie und für wen sie arbeiten wollen. Mit dem frisch zurückgekehrten Reiseblogger habe ich am Abend der GOA Preisverleihung in Köln ein Videointerview geführt.

McLuhan meets YouTube: From “Annie Hall” to “The Today Show”

Nieman Journalism Lab verlinkt anlässlich des Endes seiner Marshall McLuhan Woche (der kanadische Medienvisionär wäre am 21. Juli 100 Jahre alt geworden) auf eine Auswahl von Videoclips mit TV- und Live-Auftritten von McLuhan. Großartig: Ein Cameo-Auftritt in Woody Allens Film “Annie Hall”.

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