Steinzeitansichten über Zukunfts-Journalismus

Wenn es nicht so ärgerlich wäre, dass viele  Journalisten dieses ahnungslose, schludrige und an einigen Stellen auch böswillige Machwerk wohl tatsächlich für das aktuelle Standardwerk  zum Thema Journalismus halten werden, wäre es fast komisch. Ist es aber nicht.  “Das neue Handbuch des Journalismus und des Online-Journalismus” wird von der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) empfohlen und für eine “Bereitstellungspauschale” von nur 4,50 Euro verschickt. Es wird schon allein wegen des günstigen Preises sicher gerne bestellt werden. Dazu kommt der Nimbus “Standardwerk”, den die bpb auch dieser Neuauflage verleiht. (Hat dort eigentlich jemand die neuen Abschnitte  zum Online-Journalismus gelesen?)

Zumindest die das Netz betreffenden Passagen in diesem Buch sind nicht viel mehr als eine zusammengequirlte Melange aus abgedroschenen Sprüchen und Vorurteilen: Im Internet herrscht “Krieg” zwischen Journalisten und Bloggern. Die Fülle der vielen unwichtigen Informationen im Netz verwirrt und überfordert die Menschen. Debatten mit Nutzern im Netz sind sinnlos, weil größtenteils “Schwachsinn und Dampfplauderei” abgesondert wird. Konzentriertes Lesen ermöglichen nur Texte in der Zeitung, nicht solche im Netz. Wer als journalistischer Einsteiger bei einer Zeitung keinen Erfolg mit seinen Beiträgen hat, sollte es einfach bei einer Online-Redaktion probieren – dort kommt es auf Qualität nicht so sehr an. Und so weiter, und so fort.

Zu vielen haarsträubenden Thesen in diesem Lehrbuch (und zu seinem seltsamen Titel) haben  Christian Jakubetz und Peter Schumacher (Nachtrag: auch Marcus Bösch und Holger Schellkopf, stellv. Chefredakteur der Mittelbayerischen Zeitung) das Meiste bereits treffend gesagt. Ihre Kritiken sollte jeder (angehende) Journalist, der erwägt, das Schneider/Raue Buch zu bestellen, erst einmal lesen.

Darüber  hinaus  sind mir noch ein paar weitere unsinnige Aussagen in diesem Buch aufgefallen.

Wer in den ersten Sätzen zum Lesen verführt, wird seinen Weg im Journalismus gehen, gleich welche Technik uns nach iPad und Web4.0 noch übarraschen wird. Er ist für alle Zeiten und alle Techniken gewappnet.

Ein journalistisches Lehrbuch schreiben, kann ja so einfach sein. Während der Rest der Branche mehr oder weniger intensiv darüber nachdenkt, wie sich der Journalismus verändern wird und muss, um den digitalen Wandel zu überstehen und vielleicht sogar gestärkt daraus hervorzugehen, während an Universitäten und Journalistenschulen begonnen wird, Ausbildungsgänge zu modernisieren, damit das Gelernte auch in vier oder fünf Jahren noch anwendbar ist, haben Schneider und Raue die Geheimformel längst entdeckt: Der Einstieg muss stimmen, der kleine Rest ergibt sich von ganz alleine.

Doch nebenbei ist Fernsehen im Internet nicht zu machen. Notwendig sind eine teure Kamera nebst Mikrofon und Kopfhörer, ein Laptop mit großem Speicherplatz, ein gutes Programm zum Schneiden des Rohmaterials, Routine und viel Zeit.

Eine teure Kamera soll also notwendig sein? Da sich Schneider bekennendermaßen Blogs nur ausdrucken lässt, kennt er wahrscheinlich weder Markus Hündgen noch Marcus Bösch noch Richard Gutjahr mit ihren ebenso kenntisreichen wie nutzwertigen Beiträgen zum Thema Videojournalismus.

Im viel zu knappen Kapitel über Podcast ist nur die Rede davon, ob gesprochene Sätze kürzer sein müssen als geschriebene. Erläuterungen zur Technik, zu Plattformen, zur Abonnierbarkeit? Fehlanzeige. Ist ja auch unnötig, wenn Podcast laut Schneider/Raue das gleiche ist wie Radio, nur dass es im Internet anders heißt.

Systematisch ziehen sich grammatisch falsche Verwendungen von Worten wie Twitter, Blog oder Internet-Forum durch die Online-Passagen dieses Buches. Sie wirken wie eingestreute Begriffe aus einer Fremdsprache, derer die Autoren nicht mächtig sind.

Rückblickend: Warum sich so viele Fehler, sprachliche Schludrigkeiten und Vorurteile in den Abschnitt über Online-Journalismus häufen, wird eigentlich schon in der Einleitung klar:

Den Online-Journalismus dagegen behandeln wir als bloße Spielart des klassischen Handwerks – nur dadurch unterschieden, dass auf dem Bildschirm noch ungeduldiger gelesen wird als in der Zeitung; die letzte Zeile eines Textes erreichen die wenigsten.

Das schreiben also zwei Autoren, denen nicht nur das Thema fremd ist, sondern die sich auch offensichtlich nicht wirklich damit befassen mögen, ein paar Absätze zum Online-Journalismus mal eben mit in ein Buch , damit es in der Neuauflage auch irgendwie berücksichtigt ist. Das ist wirklich arm für ein Standardwerk.

Offenlegungen:

  1. Ich habe nicht das ganze Buch gelesen, sondern nur die Passagen, die man bei Amazon in der Digitalbuchausgabe von Rowohlt frei lesen kann. Das sind die ersten drei Kapitel (“Einleitung”, “Die journalisten” und “Online-Journalismus”). Den Rest des Buches kann ich nicht beurteilen. Die E-Book-Ausgabe mit anderem Cover kostet übrigens mit 14,99 € mehr als das Dreifache als bei der bpb.
  2. Ich bin Co-Herausgeberin des Buches “Universalcode” und deshalb nicht unbefangen. Unser Buch ist ein Nonprofit-Projekt. Ich hätte allerdings auch ohne Beteiligung am “Universalcode” meinem Ärger über das Buch von Schneider/Raue Raum gegeben – das sehe ich genauso wie Christian Jakubetz.
  3. Paul-Josef Raue kenne ich nicht persönlich, Wolf Schneider bin ich einmal begegnet. Das war im Januar 1993, beim traditionellen Kaminabend mit Wolf Schneider im Rahmen meines vierwöchigen Kompaktkurses für Volontäre an der Hamburger Akademie für Publizistik. Schneider hat der Abend damals mit Sicherheit ebenso wenig gefallen wie uns Volos. Wir fühlten uns von oben herab belehrt, er fand uns “aufsässig” (er benutzte tatsächlich dieses Wort), weil wir es wagten, ihm kritische Fragen zu stellen. Seitdem betrachte ich Publikationen von Wolf Schneider mit vorsorglicher Skepsis.


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40 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Um gleich noch einen Schritt weiter Richtung Zukunft zu denken: Kann man euer Buch auch irgendwo als ebook kriegen? Ich würde es gerne kaufen, allerdings lieber in digitaler Form. Ist das noch geplant?

  2. Tja, erst wollte ich nur kommentieren, aber die Belehrung durch die Päpste des Guten Journalismus (“…nur dadurch unterschieden, dass auf dem Bildschirm noch ungeduldiger gelesen wird als in der Zeitung; die letzte Zeile eines Textes erreichen die wenigsten.”) hat mich dann doch dazu gebracht, den ganzen erfreulichen Text zu lesen. Da freue ich mich ja auf meine Lektüre – ich habe mein exemplar just heute eingesteckt, um mir mal ein Bild von dem Buch zu machen ;-)

  3. Raue und Schneider sind toll, wenn es um den Einsteig in den (Print-) Journalismus geht, aber auch dort schon veraltet und muss dementsprechend gelesen werden, denn natürlich geht auch dort nichts mehr ohne medienübergreifende Arbeit. Die neuste Ausgabe vom “Handbuch des Journalismus und des Online-Journalismus” kenne ich noch nicht, werde sie mir aber aus Neugier holen. Bin sowieso arg irritiert, wie die beiden Autoren stehengebleiben sind – vor 15 Jahren fand ich sie noch wahnsinnig inspirierend, innovativ und Wortgewaltig. Heute finde ich die neueren Auswüchse (zB. Speak German!) unsachlich, langweilig und arrogant. Aber na gut, der Autor könnte auch mein Opa sein ;)

  4. Um es gleich vorweg zu sagen: oh ja, das neue „Handbuch des Journalismus“ ist ein Ärgernis. Es ist nicht zu glauben, wie solche hier und in anderen Beiträgen zur Genüge zitierten – sagen wir mal: „Meinungsäußerungen“ – ihren unredigierten Weg in ein aktuelles Journalismus-Lehrbuch geschafft haben.

    Mir liegt das komplette Werk vor und ich ärgere mich über weitere Passagen, die bisher noch gar nicht erwähnt wurden. Beispielsweise im Kapitel „Wie Journalisten Leser und Hörer informieren“ mit den Unterkapiteln „Die meisten Journalisten sind unkritisch“ oder „Viele Journalisten manipulieren“….Die Autoren haben sich in den seltensten Fällen wirklich Mühe gegeben, das Buch auf den neuesten Stand zu bringen. Da werden munter Negativ-Beispiele aus FAZ, Tagesschau, Süddeutsche etc. zitiert, die bereits 20 Jahre und mehr zurückliegen – viele der heutigen Journalistenschüler waren da noch nicht einmal geboren. Wie viel mehr könnten sie lernen, würde man sie mit aktuellen Beispielen konfrontieren, an die sie sich selbst noch erinnern könnten…

    Ein weiterer Satz, bei dem man aufschreien möchte, „erklärt“ im Vorwort, warum sich die Autoren nicht mit den Teilen des Handwerks beschäftigen, die allein für Funk und Fernsehen typisch sind: „Auch geriete man, zumal bei Hörfunk und Fernsehen, alsbald in Definitionsprobleme: Wer zieht die Grenze zwischen dem Journalisten und der bloßen Plaudertasche?“ – Eine unglaubliche Anmaßung!

    Nicht ganz fair finde ich allerdings die Vorwürfe in Richtung bpb, die viele interessante Bücher in Lizenzausgabe zu erschwinglichen Preisen herausgibt und durchaus nicht nur die über 70jährigen im Visier hat, wie beispielsweise an Projekten wie http://www.hanisauland.de, http://www.fluter.de oder http://werkstatt.bpb.de – um nur einige zu nennen – unschwer zu erkennen ist.

    Das Lokaljournalistenprogramm der bpb ,seit vielen Jahren verantwortet von Berthold Flöper, bietet viele zukunftsgerichtete Seminare und Workshops an, die stets mit Profis aus der Praxis konzipiert werden. Das jährliche Forum Lokaljournalismus, das die bpb seit 20 Jahren in Zusammenarbeit mit Regionalzeitungen ausrichtet, wird in großen Passagen per Livestream übertragen, schon 2009 gab es eine Twitterwall und die Impulse in Richtung Zukunft, die von der bpb-Multimedia-Abteilung, der das Lokaljournalistenprogramm unterstellt ist, ausgehen, zeigen ganz eindeutig: Hier sind keine „Ewiggestrigen“ am Werke.

    Schneider/Raues Handbuch wird seit vielen Jahren als Standardwerk bezeichnet und steht in der Bibliothek jeder Ausbildungseinrichtung für Journalisten. Die bpb hat bereits ältere Ausgaben dieses Werkes in Lizenz herausgegeben, es ist nur folgerichtig, dass sie dies auch mit der überarbeiteten Version tat, in der zu lesen ist: „Diese Veröffentlichung stellt keine Meinungsäußerung der Bundeszentrale für politische Bildung dar. Für die inhaltliche n Aussagen tragen die Autoren die Verantwortung.“

    Gerne möchte ich darauf verweisen, dass Paul-Josef Raue ein Blog zum neuen Handbuch des Journalismus eingerichtet hat: http://www.journalisten-handbuch.de. Dort heißt es:
    “Journalisten-Handbuch.de ist ein Marktplatz für journalistische Profis. Wir debattieren über “Das neue Handbuch des Journalismus”, kritisieren, korrigieren und ergänzen die einzelnen Kapitel, Thesen und Regeln, regen Neues an, bringen gute und schlechte Beispiele und berichten aus der Praxis. Kritik und Anregungen bitte an: mail@journalisten-handbuch.de.“

    Also bitte, vielleicht sollten wir die Chance nutzen und mit den Autoren in Dialog treten, anstatt uns nur öffentlich über sie zu ärgern. Wenn es von vielen in der Vergangenheit als „Standardwerk des Journalismus“ angepriesen wurde, kann ja nicht alles darin Makulatur sein. Vielleicht könnte eine solche offene Diskussion schon bald zu einer neuen Auflage oder einem ganz neuen Buch führen – vorausgesetzt, die Autoren meinen es ernst mit ihrem oben aus dem Blog zitierten Anliegen.

    Es fehlt noch ein Disclosure: Ich war selbst von 2003 bis 2010 Mitglied des Projektteams Hörfunk der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb, bin maßgeblich an der Konzeption der jährlichen Tutzinger Radiotage beteiligt, die von der bpb und der Akademie für politische Bildung Tutzing ausgerichtet werden und betreue die Site: http://www.hoerfunker.de für die bpb. Dies hier ist meine ganz persönliche Meinung .

  5. Liebe Inge,

    Danke für Deine Ergänzung zur bpb. Um das auch von meiner Seite klarzustellen: Ich schätze die Arbeit der bpb sehr. Es ist eine wichtige Einrichtung, deren Empfehlungen Gewicht haben. Wenn die bpb das Buch als “Standardwerk” zum Vorzugspreis über Ihre Seite vertreibt, dann ist das eine Empfehlung (das E-Book kostet bei Amazon mehr als das Dreifache). Auch wenn sich die bpb an anderer Stelle in einem Disclaimer grundsätzlich von den Inhalten der von ihr vertriebenen Bücher distanziert.
    Apropos: Gerade wenn man eine Einrichtung schätzt, muss man sie für einen Fehler auch kritisieren dürfen. Wir sind ja nicht im Absolutismus. Im Übrigen ist meine Kritk an der bpb nur eine Randkritik. Mein haupsächlicher Ärger betrifft das Buch.
    Zum erwähnten Dialog: Ich werde mir das anschauen, aber es geht ja nicht nur um korrigierende Fehler, es geht ganz wesentlich auch um die Haltung, welche die Autoren offenbaren. Deshalb bin da skeptisch.

  6. Ja, das ist geplant. Christian Jakubetz weiß Näheres. Ich werde ihn heute mal fragen und die Antwort dann hier posten.

  7. Liebe Ulrike,
    selbstverständlich sind wir nicht im Absolutismus ;-)
    Aber die – auch andernorts – geäußerte Kritik an der bpb, die sich in einem mir nicht ganz nachvollziehbar pauschalierten Anfangskommentar zu Deinem Artikel wiederfindet, hat mich dazu veranlasst, auch dazu ein paar Worte zu schreiben. Ansonsten bin ich ja durchaus der gleichen Meinung: das Werk der beiden Journalismuspäpste sollte nicht unkritisch als Evangelium vergöttert werden.

  8. Furchtbar, einfach furchtbar. Und das alles in einer Situation, wo sich eine ganze Branche überlegen muß wo es hingeht: Mit journalistischer Qualität weiter wirtschaftlich erfolgreich, oder ohne Qualität (und ohne gute Journalisten) ins Nischendasein: http://wp.me/phzNa-w9

  9. Pingback: Dieses Internet-Dings. | Dennis Ballwieser

  10. Liebe Frau Langer,

    eine überzogene Darstellung hat im Kern nicht selten einen Funken Wahrheit versteckt.
    Damit sollte man sich ebenfalls beschäftigen!

    Viele Grüße

    Sabine

  11. Zitat: „Die meisten Journalisten sind unkritisch“ oder „Viele Journalisten manipulieren“

    Ist das nicht immer noch so? Auch wenn die Beispiele 20 Jahre zurückliegen? Aktuell: Wulff. Hier wird doch sowas von manipuliert, nur damit sich irgendein Pseudo-Jornalist den Skalp an die Wand hängen kann.

    Zitat: “Wer in den ersten Sätzen zum Lesen verführt, wird seinen Weg im Journalismus gehen, gleich welche Technik uns nach iPad und Web4.0 noch übarraschen wird. Er ist für alle Zeiten und alle Techniken gewappnet.”

    Was ist daran falsch? Nicht die Technik sondern der Inhalt sollte das Produkt der Journalisten sein. Natürlich wird sich auch der Inhalt den neuen Lesegewohnheiten unterwerfen müssen, aber das meint er doch nicht. Es geht darum, dass nicht alles neu erfunden werden muss und das stimmt.

    Zitat: “Doch nebenbei ist Fernsehen im Internet nicht zu machen. Notwendig sind eine teure Kamera nebst Mikrofon und Kopfhörer, ein Laptop mit großem Speicherplatz, ein gutes Programm zum Schneiden des Rohmaterials, Routine und viel Zeit.”

    Da ich selber aus dem Fernsehbereich komme, weiß ich, dass er Recht hat. Natürlich spricht aus ihm komplette technische Unkenntnis. Die Kernaussage ist hier die Zeit. Und das stimmt. Guten Bewegtbild-Inhalt zu produzieren kann nicht jede Zweimann-Bude an der Ecke. Und das versuchen derzeit viele mit Youtube oder sogar eigenen Portalen.

    Zitat: “Den Online-Journalismus dagegen behandeln wir als bloße Spielart des klassischen Handwerks – nur dadurch unterschieden, dass auf dem Bildschirm noch ungeduldiger gelesen wird als in der Zeitung; die letzte Zeile eines Textes erreichen die wenigsten.”

    Ist doch auch nicht so falsch. Unterschiedliche Arten journlalistischen Inhalt zu konsumieren gab es doch schon immer. Online ist halt ein Teil davon.

    Ob diese Inhalte insgesamt in ein Standardwerk gehören oder eher der knorrigen Art eines Greisen, der nochmal seinen Senf dazugeben möchte, zuzuordnen sind, sei dahingestellt.
    Ich finde jedenfalls, dass die Journalisten sich ruhig auch mal etwas selbstkritisch geben dürfen. Da finde ich diesen Schritt des ausgedienten “Papstes” erfrischend.

  12. Ich studiere Technikjournalismus in Nürnberg und bin doch etwas schockiert ob der Tatsache, dass derartige Binsenweisheiten zu einem Standardwerk verklärt werden. Was mich aber am meisten ärgert ist das ständige Hauen und Stechen zwischen Print- und Onlineredakteuren. Schon im ersten Semester wurde uns in jeder Vorlesung vorgekaut, dass ein Kampf zwischen Internet und Print im Gange ist, und es wurde uns detailreich erklärt, was auf journalistischen Internetportalen alles falsch gemacht wird, anstatt Wege und Beispiele zu finden, wie man es richtig macht. Wenn derart rückständige Ansichten in Hochschulen und eben solchen Werken heutige journalistische Ausbildung bedeutet, bin ich jetzt doch im vollen Maße desillusioniert…

  13. Lieber Ludwig,

    das Buch hat circa 450 Seiten, Online-Journalismus wird auf den Seiten 23 bis 48 behandelt. Die sind nicht gelungen, stellenweise steht da tatsächlich Quatsch. Aber das heißt nicht, dass das ganze Buch aus “Binsenweisheiten” besteht – im Gegenteil.

    Und dass Sie, Frau Langer, Ihre Kritik an einem Auszug aufhängen, ist irgendwie nicht fair. “Don’t judge a book by its cover” heißt es, und man könnte diese “Binsenweisheit” um Auszüge erweitern. Denn auch wenn Herr Schneider auf “ollen Kamellen” rumreitet, die seit 20 Jahren bekannt sind, macht sie das durchaus erwähnenswert.
    Auf den übrigen ~400 Seiten stehen durchaus Dinge, die Ludwig und ich uns zu Herzen nehmen können. Denn da geht es zum Großteil um die handwerklichen Grundlagen, die auch im Web4.0 ihre Richtigkeit behalten, auch wenn wir da noch zwei Schritte vor uns haben.
    Wenn man sie nur überfliegt und bei aller Kritik an Herrn Schneider als älterer, bessserwisserischer Sprachnörgler: Es steht Lesenswertes in diesem Buch und es kostet 4,50 Euro. Und man kann ja filtern – das macht ja auch dieses Internet aus, sollte die jüngere Generation als allemal können

    Ich freue mich auf ein Best-of aus Universalcode und dem Handbuch. Als Ebook. Möglichst schnell.

  14. Lieber he,

    ich finde schon, dass man auch auszugsweise ein Buch kritisieren darf – zumal wenn der Auszug so wie in diesem Fall komplett misslungen ist, aber auf dem Titel als wesentliche Erweiterung hervorgehoben wird. Über den Rest des Buches maße ich mir kein Urteil an. Wenn jemand das Buch vornverhein im Wissen bestellt, den Onlineteil lieber gleich zu überblättern, gut.

  15. Natürlich gibt es im Journalismus wie in jeder Profession „schwarze“ Schafe. Aber: Die „meisten“ Journalisten sind unkritisch – „viele“ Journalisten manipulieren: Was ist das mehr als eine Meinung, eine Behauptung? Wo sind die entsprechenden empirischen Untersuchungen? Wie viele sind „meisten“ und „viele“? Schlagen sich die Autoren in einem der beiden Kapitel nicht mit den eigenen Waffen, wenn sie den Zeitungen unterstellen „Wir sagen das einfach mal so, irgendwas wird schon hängen bleiben.“
    Ich empfehle mittlerweile ein anderes Buch, erschienen Ende 2011 , geschrieben von Henning Noske, Wissenschaftsredakteur der Braunschweiger Zeitung, Leiter der Stadtredaktion., ausgezeichnet mit mehreren Journalistenpreisen. Ein bescheidener Journalist, der seinen Beruf liebt und seine Leser achtet. Der Titel: „Journalismus. Was man wissen und können muss.“ Über „Online“ liest man in diesem Buch auch nicht all zu viel. Warum? Noske: „Online wird die gedruckte Zeitung ablösen, doch wann das ist, wissen wir alle nicht. Bloß, wozu ist diese Erkenntnis eigentlich wichtig? Sie ist für ein gutes Journalismus-Buch überflüssig wie ein Kropf. Es ist für das, was wir hier gemeinsam lernen wollen, weitgehend zweitrangig, ob die Früchte gedruckt werden oder am Bildschirm zu lesen sind.“

  16. Ich finde ehrlich gesagt, dass wir Journalisten uns manchmal zu wichtig nehmen. Das zeigen schon diese ganzen Preisveranstaltungen bei denen mir jedesmal die Galle hochkommt. In keiner anderen Branche wird soviel selbstbeweihräuchert wie im Journalismus oder im Medienbereich.

    Emperische Untersuchungen zu verlangen, finde ich etwas überzogen. Wir wissen doch alle was Statistiken aussagen… nämlich meistens nichts… Dafür brauche ich keine Untersuchung, um festzustellen, dass die meisten Journalisten unkritisch sind und viele manipulieren. Das sieht man jeden Tag.
    Mir fehlt in der derzeitigen journalistischen Arbeit zu oft das Konstruktive. Ist meine Meinung und das ohne Statistik ;-)

  17. schneider weiß bescheider

    jeden morgen druckt frau schneider
    tweets und blogeinträge aus
    die liest dann ihr wolf, doch leider
    kommt dem sprachpapst da der graus

    relevanz ist wohl ein fremdwort
    blogger, ihr seid alles schwätzer
    sprichts und wirft vor wut sein hemd fort
    wehe dem grammatikketzer!

    ihr wärt gerne selbstdarsteller
    die sich für unfehlbar halten?
    tut mir leid. auf diesem teller
    sitz schon ich beim haarespalten

    http://www.zwoelfzeilen.com/2010/05/06/schneider-weis-bescheider/