Datawrapper – Daten verpacken leicht(er) gemacht

Datenjournalismus kann am Anfang ganz schön abschreckend sein. Daten scrapen, säubern, visualisieren, interaktivieren – für alle diese Schritte gibt es spezielle Programme. Viele davon sind kostenfrei im Netz verfügbar, aber auch der Umgang mit der Software will erstmal erlernt werden. Der Aufwand erscheint vielen Journalisten und Redaktionen dann doch unvertretbar hoch (ich wollte doch nur mal eben eine Grafik bauen, die so aussieht wie bei der “New York Times”…).

An diesem Punkt setzt ein neues Tool des Informationsarchitekten Mirko Lorenz und des Programmierers  Nicolas Kayser-Bril an. Ihr für die ABZV (Bildungswerk der Zeitungsverlage) konzipiertes Open-Source-Projekt Datawrapper soll die Erstellung und Publikation (das Einbetten) einfacher Grafiken erleichtern.

In nur vier Schritten (1. Daten einfügen, 2. Daten prüfen, 3. Visualisieren, 4. Veröffentlichen) können Daten auf sechs verschiedene Weise dargestellt werden: als Säulen, multiple Säulen, Linien, Torte, variable Tabelle oder experimenteller aussehend als Streamgraph.

Als Datensatz kann fast jede Tabelle aus Excel oder dem Web kopiert und eingefügt werden. Datawrapper enthält Beispieldaten zum Ausprobieren und ein sehr übersichtliches Tutorial.

“Wir wollen damit nicht signalisieren, dass Datenjournalismus insgesamt ganz einfach ist”, betont Mirko Lorenz. “Wir haben schlicht eine Barriere weggeräumt – die Publikation ist mit Tools wie Datawrapper deutlicher leichter.” Die Software schütze  Journalisten allerdings nicht davor, neugierige Fragen an Daten zu stellen, die Daten und ihre Quellen sehr genau zu prüfen und Auslassungen richtig zu deuten.

Die Software ist ab sofort für Blogger und Verlage in einer webbasierten und einer herunterladbaren Version frei verfügbar.

Datawrapper kann im Design an das eigene Layout angepasst werden und ist damit somit auch für Verlage nutzbar. Die Downloadversion ermöglicht die volle Kontrolle über die Daten. (Kommerzielle Webseiten, welche die Downloadversion nutzen und die bearbeiteten Daten auf einem eigenen Server ablegen wollen, müssen zuvor allerdings eine Lizenz der von Datawrapper genutzten Visualisierungsbibliothek Highchart erwerben.)

Für die ABZV ist die Veröffentlichung dieses Tools Neuland, aber auch ein Schritt zu einem recht umfassenden Ausbau der Trainingsangebote für Datenjournalismus. In den nächsten Wochen, so kündigt Mirko Lorenz an, soll noch eine Webseite mit Tutorials für Datenjournalismus folgen, unter der Adresse Datastory.de.

Mirko Lorenz erarbeitet seit längerem für die ABZV und die Deutsche Welle Innovationsthemen im Journalismus und wie man sie vermitteln kann. Nicolas Kayser-Bril war bis 2011 Datenchef beim französischen Webportal OWNI, bevor er sich in Berlin als Datenjournalist selbstständig machte.

Zusammen mit dem amerikanischen Journalisten Geoff McGhee veröffentlichten Kayser-Bril und Lorenz vor einem Jahr ein lesenswertes Datenjournalismus-Manifest bei Nieman Journalism Lab: Voices: News organizations must become hubs of trusted data in a market seeking (and valuing) trust

Für einen Überblick über das Thema Datenjournalismus empfehle ich meine kuratierten Links bei Scoop.it.

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