Daniel Fiene: “Das Schaufensterprinzip lohnt sich”

Daniel Fiene, Radiojournalist und Podcaster, ist experimentierfreudig und ein Paradebeispiel für meine These,  dass Journalisten (vor allem freie) eigenständige Netzprojekte als Portfolio ihrer Expertise betreiben sollten. Daniel nennt es das “Schaufensterprinzip”. Für das Gemeinschaftprojekt “Was mit Medien”, das von Daniel mitproduziert wird, hat sich sich dieses Prinzip schon mehrfach ausgezahlt – ab Juni läuft der erfolgreiche Podcast bei DRadio Wissen.

Daniel, bald gibt es “Was mit Medien” bei DRadio Wissen. Wie kam es dazu?

Wir haben ja mit “Was mit Medien” 2004 angefangen als kleine Sendung beim Campusradio in Münster und damit weitergemacht, als wir eigentlich schon aus der Campusradiozeit herausgewachsen waren. Und jetzt sind wir schließlich bei DRadio Wissen gelandet. Ab Juni 2012 senden wir regelmäßig beim digitalen Programm des Deutschlandradio Kultur, was eine große Freude für uns ist, denn wir haben ja wirklich schon Jahre durchgehalten mit über 270 Folgen, die wir eigenständig produziert haben. Das ist wirklich eine coole Sache, dass die uns gefragt haben: “Wir würden gerne ‘Was mit Medien’ haben, wollte Ihr nicht zu uns kommen?”

Wäre das auch passiert, wenn Ihr mit einem Konzept oder einer Idee für eine Radiosendung auf die Redaktion zugegangen wärt?

Da bin ich mir nicht so sicher. Das Interessante ist – und das wissen die bei DRadio WIssen wahrscheinlich gar nicht mehr – als die vor zwei Jahren an den Start gegangen sind, sind wir auf sie zugegangen. Wir glaubten, dass wir mit unserem Format sehr gut zu ihnen passen würden. Sie wollen ja jung und frisch sein, und Sachen ausprobieren, ein bisschen anders sein als die anderen Radiosender. Das sind eigentlich Attribute, die wir uns auch auf die Fahne schreiben – zumindest versuchen wir, sie zu erfüllen. Wir haben uns bei DRadio Wissen gemeldet und “Was mit Medien” vorgestellt. Es kam aber keine Reaktion. Dass die Kooperation jetzt mit so großem zeitlichen Verzug von deren Seite kam, ist irgendwie cool. Es zeigt aber auch, dass es sich für und gelohnt hat, durchzuhalten. Wir hatten ja zwischendurch auch eine gute Phase, als wir anderthalb jahre bei Welt Online waren. Die haben uns Woche für Woche den Podcast abgekauft. Bis auf diese anderthalb Jahre haben wir den Podcast aber ehrenamtlich produziert, weil wir einfach Spaß an der Sache hatten. Und weil wir auch merkten: “Was mit Medien” ist ein Schaufenster. Wir haben ein Produkt, das uns Spaß macht. Man kann nie kalkulieren, was an Kooperationen dabei herauskommen wird. Aber das ist nicht schlimm, weil immer etwas passiert ist, und am Ende waren das richtig coole Sachen.
Habt Ihr denn nach dem Ende der Kooperation mit Welt Online nicht auch erwogen, mit “Was mit Medien” aufzuhören?

Das war schon ein kleiner Schlag in die Magengrube. Wir hatten natürlich Sorgen, wie weitergehen würde, denn wir hatten uns natürlich daran gewöhnt, Geld zu bekommen haben für die Arbeit, die wir da hineingesteckt haben. Aber zum Glück begann in der Zeit auch die Kooperation mit Radio Eins. Wir haben seitdem Beiträge für Radio Eins, WDR 5, das Medienmagazin des Deutschlandfunk, das “Medienecho”, “Breitband” vom Deutschlandradio Kultur produziert, für Radio Eins sogar sehr regelmäßig. Die sind alle über unsere eigene Seite auf uns aufmerksam geworden. Daraus habe ich etwas gelernt: Redakteure in Sendern sind auf Vorschläge von außen angewiesen, aber sie haben auch bestimmte Ideen und Konzepte im Kopf. Wenn sie dann im Netz unterwegs sind und Ansprechpartner suchen, finden die es cooler, wenn sie uns selbst entdecken. Deshalb lohnt es wirklich, das Schaufensterprinzip beizubehalten.

Wieviel Zeit steckst Du in “Was mit Medien” ?

“Was mit Medien” ist eine einstündige Sendung mit jeweils drei Themen, das ist schon ziemlich aufwändig. Wir haben das mal ausgerechnet, als wir damals zu Welt Online gegangen sind. Es sind 20 Arbeitsstunden pro Sendung, auf drei bis vier Schultern verteilt. Wir haben außerdem im letzen Jahr damit begonnnen, viele stärker unsere Webseite zu pflegen. Wir produzieren jetzt nicht nur Podcasts, sondern transkribieren sie auch und stellen die Texte ins Netz. Dadurch wird man anders wahrgenommen. Wir hatten schon tolle Interviews zu Themen, wo wir uns anschließend gefragt haben: Warum ist das in der aktuellen Diskussion nicht richtig aufgegriffen worden? Als wir dann anfingen, die Texte zu trankribieren, dann ging das plötzlich ab. Jetzt werden wir darauf angesprochen: Ihr habt ja super Interviewgäste. Unsere Antwort ist dann: Eigentlich hatten wir die schon immer.  Das alles nimmt viel Zeit in Anspruch. In dem Moment, wo man sich noch hinsetzt, eine halbe Stunde, bevor man zur Arbeit fährt und denkt, jetzt muss ich noch dieses Interview zuende abtippen, dann hasst man sich so sehr. Aber am Ende des Tages zahlt es sich aus.

Wie groß ist “Was mit Medien”?

Wir haben jede Woche 10.000 Hörer, das sind 10.000 Abrufe innerhalb einer Woche. Ich weiß nicht, wieviele davon tatsächlich die Sendung hören, aber dieses Problem haben alle Podcaster. Wir sprechen von 10.000 regelmäßigen Hörern, denn nach einer Woche wachsen die Zahlen immer noch ein bisschen an. Mit der Zahl sind wir sehr zufrieden. Wir tauchen ab und zu auch in den Podcast Hitlisten von iTunes auf, das ist schon cool. Wir haben mittlerweile über 270 Folgen, alle so zwischen 45 Minuten und einer Stunde lang. Da hat sich schon einiges an Material zusammengesammelt.

Habt Ihr auch mal versucht, Sponsoren zu gewinnen?

Irgendwie stand das immer auf unserer Agenda. Wir hatten zweimal eine gesponserte Einzelsendung, einmal für das NRW Forum zum Thema Kriegsfotografie ging und einmal für die Landesanstalt für Medien in NRW zum Thema Bürgermedien. Das waren sozusagen akustische Verlagsbeilagen, die wir auch entsprechend gekennzeichnet haben. Aber darüberhinaus hatten wir nie wirklich Zeit, uns aktiv um Sponsoring zu kümmern. Deshalb haben wir es nicht gemacht. Wir probieren gerade ein Zeitungsprojekt aus. Wir bringen Inhalte aus den Podcasts verschriftlicht als Zeitung heraus und bilden damit den Crossmedia-Gedanken andersherum ab. Die Zeitung verkaufen wir für fünf Euro das Stück oder für acht Euro Unterstützerpreis. Für Verlage, die haben es ja nicht so dicke [grinst], kostet es nur 3,50 Euro. Unsere Autoren wollen wir auch bezahlen. Das machen wir, um mal zu gucken, wie Print wirkt [zwinkert]. Aber das ist jetzt kein großes Businessmodell. Wenn ich mehr Zeit gehabt hätte und beruflich mehr auf “Was mit Medien” angewiesen wäre, dann hätten wir garantiert eigene Werbeakquise gemacht, lieber als einem einem Werbenetzwerk anzugehören. Ich hätte lieber selbst kontret Leute angesprochen: Wollt ihr nicht zwei Monate lang zum Preis xy “Was mit mit Medien” sponsern? Ich glaube, das funktioniert auch, wenn man nicht fünf Millionen User hat.

Anmerkung: Dieses Interview ist die aktualisierte Fassung eines Videointerviews, das ich mit Daniel im März 2012 bei der SXSW Konferenz in Austin / Texas geführt habe.

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3 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: Rückblick: Die re:publica 2012 und mein restlicher Besuch in Berlin « Henning Bulka

  2. Ich find das spanned und gestehe zu meiner Schande, dass ich vorher davon noch nie was gehört hatte.

  3. Pingback: Was können Verlage von freien Journalisten lernen? — CARTA