Wie Journalisten mit B

Gastbeitrag von

Verlagssuche, Listungsgebühr, Druckkostenzuschuss: Solche Begriffe können Journalisten davon abschrecken, endlich das lang gehegte Buchprojekt anzugehen. Eine Alternative ist die Print-on-Demand-Plattform Blurb*. Dort haben Autoren keine Investitionskosten und können Verkaufspreis und Gewinnspanne selbst bestimmen. Geld verdienen mit Print-on-Demand: Ich habe es ausprobiert.

Ob es um eine Sammlung der besten Reportagen geht, einen Blick hinter die Kulissen des eigenen Fachgebiets, illustrierte Erklärbücher oder Fotobände – die meisten Journalisten haben wohl schon einmal mit dem Gedanken gespielt, ein Buch herauszugeben. Schön wäre es, wenn dabei am Ende auch noch ein paar Euro Verdienst herausspringen.

Dank Angeboten wie Blurb oder Amazon Createspace ist es kein Problem mehr, jenseits der klassischen Verlage ein Buchprojekt zu realisieren. Und anders als beim herkömmlichen Selbstverlag muss der Autor auch keine Druckkosten aus eigener Tasche subventionieren.

Bücher veröffentlichen bei Blurb

Auf den ersten Blick erinnert Blurb* an Anbieter für selbstgestaltete Fotobücher. Die entscheidenden Unterschiede:

  • Es gibt eine vernünftige Textverarbeitungs-Funktion, so dass Autoren Fotos und Texte kombinieren können. Sogar reine Schwarz-Weiß-Taschenbücher sind möglich.
  • Das fertig gestaltete Buch können Autoren sich nicht nur selbst nach Hause schicken lassen, sondern auch mit einem selbst gewählten Preisaufschlag frei verfügbar machen. Bestellt jemand nun das Buch über den Webshop von Blurb, landet die Differenz als Gewinn auf dem persönlichen Konto.
  • Neben gedruckten Exemplaren sind auch E-Books möglich.

Meine selbst veröffentlichten Taiwan-Bücher

Mein erstes Taiwan-Buch: Tschüß Deutschland, ni hao Taiwan!*

Ich habe bereits zwei Bücher über Taiwan per Blurb veröffentlicht. Ein mögliches neues Buchprojekt möchte ich gerade über die neue Journalismus-Crowdfunding-Plattform krautreporter.de an den Start bringen. (Interview mit dem Gründer hier im Blog)

Wie die gedruckten Bücher real aussehen, sieht man in diesem Video zum neuen Taiwan-Buchprojekt:

Das eigene Buch: Eine Frage des Formats

Auf Blurb gibt es die Möglichkeit, Bücher online zu gestalten. Mehr Möglichkeiten bietet aber das Programm BookSmart, das gratis heruntergeladen werden kann.

Ganz am Anfang muss der Autor eine folgenschwere Entscheidung treffen: Welches Format soll das Buch haben? Diese Frage beeinflusst später ganz entscheidend den Mindest-Verkaufspreis. Und ein paar Euro mehr oder weniger haben auf die Kaufentscheidung möglicher Kunden großen Einfluss.

Bei meinen Büchern setze ich neben dem Inhalt auch auf die Wirkung der Fotos und das Zusammenspiel von Text und Bild. Farbdruck war für mich also ein Muss. Aber wie groß? So schön ein klassisches Coffee Table Book sein mag, ich habe mich für das vergleichsweise günstige Format “Quadratisch klein” (18 x 18 cm) mit Softcover entschieden. Mit bis zu 40 Seiten kostet ein Exemplar den Autor bei Eigenbestellung 14,95 Euro. Dazu kommen Mehrwertsteuer und Versandkosten.

Bei einem Umfang von 60-80 Seiten würde das gleiche Buch 19,95 Euro kosten. Bei maximal 20 Seiten nur 10,95 Euro, aber zu dünn soll es ja auch nicht werden. Die größeren Formate (bis 33 x 28 cm) schlagen so sehr ins Geld, dass hier wohl nur wahre Pracht-Fotobände Abnehmer finden würden.

Taschenbücher: Deutlich günstiger

Bei Blurb können Autoren auch Taschenbücher im Format 13 x 20 oder 15 x 23 cm wählen. Selbst habe ich das noch nicht ausprobiert. Sie unterscheiden sich zunächst durch das Papier, das als “Textpapier” bezeichnet wird. Farbdruck ist trotzdem möglich.

Ein kleines Schwarz-Weiß-Taschenbuch mit bis zu 80 Seiten kostet nur 4,50 Euro. Wer also ein textlastiges Buch plant, in dem Bilder eine untergeordnete Rolle spielen, sollte sich die Taschenbuch-Formate genau ansehen.

Layout mit BookSmart

Der eigentliche Entstehungsprozess, also das Befüllen der leeren Seiten mit Inhalt, die Gestaltung von Seitenlayout und Schrifttypen, Auswahl und Bearbeitung von Fotos, geht mit der BookSmart-Software flüssig von der Hand und macht sogar Spaß. Wer schon mal erfolgreich mit Word einen Flyer oder eine Einladung zur Geburtstagsfeier gestaltet hat, wird sich hier nicht überfordert fühlen.

Das Programm bietet neben einer großen Auswahl an Standard-Layouts auch die Möglichkeit, Bild- und Textfelder millimetergenau festzulegen und als Vorlagen abzuspeichern. Fotos kann man per Drag & Drop ins Layout ziehen und dort vergrößern und verschieben. Die Vorschau-Funktion liefert einen exakten Eindruck davon, wie das gedruckte Buch später aussehen wird.

Die Software läuft nach meiner Erfahrung sehr stabil. Auch bei vielen eingebetteten Fotos und Textblöcken werden Layout-Veränderungen (neu eingefügte Seiten, ausgetauschte Fotos, veränderte Schrifttypen) flüssig umgesetzt. Bei meinen zwei bisherigen Buchprojekten kann ich mich an keinen Absturz oder gar Datenverlust erinnern.

Festlegen des Verkaufspreises

Sind alle Texte geschrieben und das Layout abgeschlossen, wird es ernst. Bevor der Autor das Buch in den Verkauf stellen kann, muss er selbst mindestens ein Exemplar bestellen. So können krasse Fehler noch in letzter Minute ausgebügelt werden.

Bei der Wahl eines angemessenen Verkaufspreises kann sich dann jeder Autor Gedanken machen, wie er die Variablen Gewinnspanne, Kaufbereitschaft und Schwellenpreis in Einklang bringt. Sind ein oder zwei Euro als Einnahme pro verkauftem Exemplar genug? Oder verlangt man lieber ein paar Euro mehr und geht dafür das Risiko ein, mögliche Käufer zu abzuschrecken?

Nicht vergessen: Käufer zahlen später zusätzlich noch Steuern und Versandkosten. Die Bestellung eines 19,95-Euro-Buches nach Deutschland kostet unterm Strich 27,75 Euro. Bei gleichzeitiger Bestellung mehrerer Exemplare sparen die Käufer: Zwei Bücher kosten dann 50,17 Euro.

Verkauf als E-Book

Käufer können Bücher auch als E-Books herunterladen. Dabei kassiert Blurb 20% des Verkaufspreises als Gebühren, der Rest landet beim Autor.

Die E-Books haben das Dateiformat EPUB. Das ist eigentlich ein offenes Format, das alle möglichen Geräte und Programme lesen können. Die von Blurb erstellten Dateien werden aber meiner Erfahrung nach nur auf iPhones und iPads problemlos angezeigt. Andere Plattformen stellen das Layout teilweise fehlerhaft dar. Blurb verkauft die E-Books allerdings auch explizit als “iPad-Format”.

Autoren können ihre E-Books auch für den Apple iBookstore einreichen. Dort kassiert Apple noch einmal 30% des Verkaufspreises als Gebühren.

Um das eigene E-Book als PDF-Datei zu erhalten, müssen Autoren selbst einmalig für 2,49 Euro eine PDF-Version kaufen.

Ein Export direkt aus der BookSmart-Software ist nicht möglich. Nur Korrekturfahnen mit Wasserzeichen lassen sich abspeichern.

Zahlen und Kassieren

Kunden können bei Blurb per Paypal oder Kreditkarte zahlen.

Autoren bekommen ihre Einnahmen monatlich per Paypal ausbezahlt, wenn mindestens 17,50 Euro zusammengekommen sind.

Vor- und Nachteile von Print on Demand mit Blurb

Das Veröffentlichen über Blurb* hat im Vergleich mit anderen Arten des Selbstverlags oder dem Createspace-Programm von Amazon sowohl Stärken als auch Schwächen.

Vorteile:

  • Keine Investitionen nötig (bis auf Eigenbestellungen)
  • Unkomplizierte und leistungsfähige Layout-Software, besonders für Text-Bild-Kombinationen
  • Endpreis und Gewinnspanne lassen sich frei festlegen
  • Verkauf gedruckt oder als E-Book, Integration mit Apple-Geräten und Apple-iBookstore

Nachteile:

  • Bücher im Farbdruck werden schnell recht teuer
  • Bestellung ausschließlich über Blurb möglich, nicht bei Amazon, im Buchhandel etc.
  • Keine ISBN-Nummern

Mein persönliches Fazit: Es ist einen Versuch wert. Vielleicht hört man schon bald vom ersten journalistischen Buchprojekt, das über Blurb* voll eingeschlagen ist.

Über den Autor: Klaus Bardenhagen berichtet seit 2009 als freier Korrespondent für deutsche Medien aus Taiwan. Davor war er beim NDR und beim ZDF. Er schreibt ein deutsches Taiwan-Blog und praktiziert als Taiwanreporter Markenbildung und Selbstvermarktung u.a. auf Facebook, Twitter, Youtube und .

* Affiliate-Link.


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