Das 100 Dollar Startup


SXSW-2013Wer sich als Journalist oder Medienarbeiter selbstständig macht, hat gegenüber Gründern in anderen Branchen einen Riesenvorteil: Freier Journalismus benötigt kein Startkapital. Sicher, es ist sehr hilfreich, ein Smartphone, einen Laptop und eine Internetflatrate zu haben. Doch welcher Informationsarbeiter hat diese Dinge nicht ohnehin? Schon eigene Büroräume sind optional und ein Auto ist wohl nur auf dem Land unentbehrlich. Weil Solo-Selbstständige in den Medien ohne teure Investitionen in Fertigungshallen, Büros, Fuhrpark, Maschinen und Mitarbeiter auskommen, müssen sie zum Start  ihrer Selbstständigkeit kein echtes finanzielles Risiko eingehen. Deshalb spricht nur wenig dagegen, den Schritt auf den freien Markt zu wagen, wenn man gerne frei und unabhängig arbeitet. Oder unzufrieden und unglücklich in seiner Festanstellung ist. Oder keine Chance auf eine feste Stelle sieht.

Gib Dir einen Ruck und wage den Sprung in die Selbstständigkeit. Du brauchst weder einen Kredit noch einen mehrseitigen Businessplan und es gibt keinen Grund, noch Monate lang darüber nachzudenken, was alles schiefgehen könnte – so lautet das Credo von Chris Guillebeau in seinem neuen Buch The $100 Startup (Affiliate-Link* zur englischen Originalausgabe).

Nachtrag: Am 8. April erscheint das Buch unter dem Titel Start-up!: Wie Sie mit weniger als 100 Euro ein Unternehmen auf die Beine stellen und Ihr eigener Chef werden
auch auf deutsch (Affiliate-Link* zur deutschen Ausgabe).

$100 StartupVorweg: In diesem Buch geht es nicht um Journalisten. Es geht um einen frisch auf die Straße gesetzten Vertriebsmitarbeiter, der eine Restlieferung Matratzen aufkauft und damit einen florierenden Handel mit individueller Beratung startet. Es geht um einen Wirtschaftsanalytiker, der seine ungeliebte Stelle aufgibt, um das zu tun, was er viel lieber macht: Ratgeber schreiben und Seminare geben zum professionellen Umfang mit Excel-Tabellen.

Es geht um einen Vielflieger, der nebenberuflich seine Perfektion in der Kombination von günstigen Meilenangeboten mit passenden Flugdaten  gegen Gebühr auch an andere Inhaber von Freimeilen vermarktet. Seine solventen, aber überlasteten Kunden müssen ihre Zeit nicht damit vertrödeln, sich stundenlang und dann womöglich doch erfolglos mit den komplizierten Buchungsbedingungen für Freiflüge zu befassen. Es geht um einen Globetrotter, der jede Sprache eines Landes, in dem er sich einige Monate aufhält, fließend beherrscht und seine ungewöhnliche Lernmethode nun an andere weitergibt. Es geht um ein Designerpaar, das Stadtpläne und Landkarten liebt, keine schönen Karten kaufen konnte und die Marktlücke kurzerhand mit einem eigenen Angebot schloss. Und es geht um viele weitere Beispiele für Menschen, die sich solo oder oder mit Mini-Unternehmen selbstständig gemacht haben. Sie stammen nicht längst nicht alle aus den USA, sondern aus der ganzen Welt, darunter auch einige aus Entwicklungsländern.

Alle die Beispiele haben gemeinsam, dass Menschen eine Schnittstelle gefunden haben zwischen dem, was sie können und/oderStartup_Chris_Guillebeau leidenschaftlich gerne tun und einem Angebot, für das andere zu zahlen bereit sind. Dies ist die jeweilige Marktchance. Im gesamten Buch geht es auch immer auch konkret darum, wie man mit einem Angebot Geld verdienen und seine Pläne verändern kann, wenn es im ersten Anlauf nicht klappt. Breiten Raum nehmen auch Tipps für die Vermarktung ein und für Pläne, wie ein kleines Unternehmen wachsen oder auch bewusst auf einen Solo-Selbstständigen beschränkt bleiben kann. Und da schließt sich wieder der Kreis zum freien Journalismus und vor allem zum Unternehmerjournalismus, dem es ebenfalls darum geht, eine Marktnische zu finden, sich darin breit zu machen, wohl zu fühlen, sich aktiv zu vermarkten und eigene Pläne zu entwickeln, anstatt sich von Auftragebern treiben zu lassen.

Chris Guillebeau Meetup

Chris Guillebeau beim Meetup im Buchladen Book People in Austin

Ich habe dieses unterhaltsame und dennoch nutzwertige Buch mit großem Gewinn gelesen und Chris Guillebeau vor wenigen Tagen während der South by Southwest Conference bei einem Meetup erlebt. Es war keine Buchlesung, sondern eher ein Treffen mit Musik, Cupcakes, Bier und Wein, bei dem der Autor einige eigene Erlebnisse und Kernelemente aus seinem Buch schilderte und dann die Zuhörer aufforderte, in knapper Form ihr eigenes Schüsselerlebnis oder ihre wichtigste Erkenntnis zu schildern.

Noch mehr Beispiele, Tipps und Erlebnisse und allgemeine Ratschläge für ein unkonventionelleres Leben gibt auch im lesenswerten Blog von Chris Guillebeau The Art of Non-Conformity. Es ist das Blog zum gleichnamigen Vorgängerbuch (dt. Die Kunst, anders zu leben: Erschaffe deine eigenen Regeln und führe das Leben, das du dir wünschst, Affiliate-Link*)
, das ich allerdings weniger gehaltvoll finde als das aktuelle Buch.

Die nachhaltigste Erkenntnis für mich nach dem Lesen des “100 Dollar Startup” und dem Meetup in Austin: Ich werde ein Projekt, dass ich seit Monaten im Kopf habe, nicht länger auf die lange Bank zu schieben. Details dazu werde ich demnächst hier auf diesem Blog verraten.

*Wenn jemand ein Buch über einen der Affilitate-Links bestellt, bekomme ich von Amazon ein paar Prozent Provision zur Refinanzierung dieses Blogs. Der Endpreis für Käufer bleibt unverändert.

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