Die bessere Kommentarkultur: Stärkt die Guten


Kommentare

 

Die Kommentarspalten auf Medienwebsites sind eine für alle Beteiligten oft frustrierende Angelegenheit: Für Journalisten (Autoren und Redakteure), die angesichts des abgesonderten Unrats zunehmend resignieren und die Kommentarfunktion auf ihren Seiten am liebsten abgeschafft sehen würden. Für Nutzer, die sich von prolligen Kommentaren abgestoßen führen. Und natürlich für alle an einer ernsthaften und niveauvollen Debatte interessierten Kommentatoren, die nicht einsehen mögen, dass sie wertvolle Zeit in einen intelligenten Kommentar investieren sollen, der zwischen vielen üblen, banalen oder langatmigen Äußerungen einfach untergeht.

Dieses Dilemma ist international, denn Trolle gibt es überall und niemand mag sie. Was bei der Debatte allerdings auffällt: Im deutschsprachigen Netz geht es vor allem um die Thematisierung des Negativen. Es werden viele Beispiele und Argumente präsentiert, wie und warum Online-Diskussionen ausarten oder was für und gegen eine Klarnamenpflicht spricht. Aber nur selten geht es um gute Kommentare oder um einen konstruktiven Austausch zwischen Journalisten und Nutzern und wie man ihn stärken könnte.

Ingrid Brodnig, Redakteurin bei der Wiener Wochenzeitung Der Falter, befasste sich jüngst mehrfach mit der Frage: “Wie sollen wir mit all dem Hass umgehen, der tagtäglich in Zeitungsforen veröffentlicht wird?” Ihr neuester Beitrag listet fremdenfeindliche und sexistische Kommentare in österreichischen Onlinemedien auf, befasst sich mit der Legitimität von Medien, Kommentatoren, die sich nicht an Regeln halten, in ihre Schranken zu verweisen und plädiert am Ende kurz dafür, dass Moderatoren sich an Debatten stärker beteiligen und unbotmäßige Kommentatoren stärker in ihre Schranken weisen sollen. Sie schreibt gerade ein Buch zu diesem Thema (“Keine Macht den Rüpeln” Der Titel steht noch nicht fest) und will daraus vielleicht nicht allzuviele konstruktive Vorschläge vorwegnehmen.

Die Wiener Schriftstellerin Julya Rabinowich zitiert in einem Beitrag für Standard.at ebenfalls einige drastische Kommentarausfälle und fordert eine Klarnamenpflicht für alle. Michael Vosatka nennt, ebenfalls bei standard.at , die Kritik an der Online-Kommentarkultur stark übertrieben und gibt zu bedenken, dass eine Klarnamenpflicht wohl nur umständlich per Post-Ident-Verfahren zu bewerkstelligen wäre. Bei der taz hält Torsten Kleinz den “pöbelnden Pseudonym-Nutzer” für einen Mythos und bezieht sich dabei auf eine Studie des Kommentarsystems Disqus. ZDF-Redakteur Martin Giesler, der selbst kein Profil mehr bei Facebook hat, schildert auf seinem Blog den “Tag, als ich in die Abgründe der Facebook-Kommentarkultur blickte” und hält eine Debatte über Klarnamen im Internet für überflüssig, weil sie die von ihm präsentierten Auswüchse auch nicht verhindert habe.  Deef Pirmasens, bei der BR-Sendung “Quer”, für die Community zuständig, gibt in einem Interview mit Lousy Pennies Blogger Karsten Lohmeyer immerhin noch viele Tipps, wie man die schlimmsten Auswüchse  vermeiden und was man als Community-Redakteur tun kann, wenn die Kommentarkrise schon da ist.

Die Argumente sind zwar alle nicht falsch, aber sie betrachten nur mehr oder weniger angewidert die vollgeschmierten Klowände des Internet, ohne nach einer besseren Architektur zu schauen. Natürlich ist es generell richtig, dass Onlinemedien, die sich Community-Redakteure leisten, bessere Kommentare bekommen, als solche Viagra Online, wo Viagra Online Nutzer einfach unbeachtet in ein Kommentarghetto gepfercht werden, um sich dort als Klickvieh auszutoben (und es wenn sie zu doll treiben, sperrt man das Ghetto einfach zu). Doch auch die meisten Tipps für ein bessere Community-Führung gehen stark vom Weltbild des unreifen Users aus, der im Zaum gehalten und zu besseren Manieren bekehrt werden muss. Dabei sollte es doch vor allem um jene Nutzer gehen, die von vornherein und von sich aus mit  intelligenten und konstruktiven Beiträgen Debatten anregen und damit auch den Journalismus weiterbringen. Auch Lehrer in der Schule tun sich und den lernwilligen Schülern keinen Gefallen, wenn sie sich vor allem auf die Störenfriede konzentrieren. Besser läuft es umgekehrt: In der Pädagogik nennt man dieses Prinzip “positive Verstärkung”.

Zwar wird auch in den USA das Niveau von Nutzerkommentaren häufig kritisiert. Aber darüber hinaus gibt es auch Ansätze, die Nutzer stärker an Debatten und an der Entstehung von journalistischen Beiträgen zu beteiligen und somit den “Guten” mehr Aufmerksamkeit zu widmen – Stichwort Open Journalism. Die Modelle gehen weit über die hierzulande vorwiegend disktutierte Klarnamenpflicht und Moderation hinaus. Hier sind vier amerikanische Ansätze, die ich besonders interessant finde:

NYT Kommentare

Eingebettete Kommentare in einem New York Times Beitrag

  • Die New York Times experimentiert seit einigen Wochen mit Beiträgen, bei dem redaktionell ausgewählte Kommentare direkt eingebettet in den redaktionellen Text zu sehen waren. Es ging um wissenschaftsjournalistische Themen, und die ausgewählten Kommentare bringen interessante neue Perspektiven. Einige sind vor allem fundierte Meinungen, andere aber könnten ebenso gut von Experten stammen. Allein durch die sehr sichtbare Positionierung gibt die Redaktion schon den Kommentatoren zu verstehen, dass ihre Ansichten wertvoll sind.

Kinja

  • Mit seiner Diskussionsplattform Kinja verwischt Gawker weitgehend die Grenzen zwischen Autoren und Nutzern, professionellen Journalisten und Amateuren. Auf Kinja können Nutzer nicht nur eigene Beiträge publizieren und redaktionelle Beiträge nach ihren eigenen Bedürfnissen anordnen, sondern den Beiträgen auch eigenen Überschriften und Einleitungen geben – bevor sie diese beispielsweise bei Facebook empfehlen. Der Gedanke dahinter: Die Nutzer wissen besser als Redakteure, was in ihren eigenen Kreisen für relevant erachtet wird.
  • Bei Medium, gegründet von Evan Williams (Mitgründer von Twitter) können Nutzer Kommentare wie Randnotizen direkt an thematisch passender Stelle hinterlassen. Die Autoren wiederum können auswählen, welche Kommentare sie dort stehen haben wollen und welche nicht.
  • Branch, ebenfalls von Evan Williams, ist eine Plattform, die es ermöglicht, Diskussionen plattformübergreifenden von überall zusammenzuführen. Ähnlich funktionieren auch Storify und ScribbleLive.

Gemeinsam ist diesen Ansätzen, dass sie kein Aufhebens um schlechte Kommentare machen, sondern Nutzern, die wertvolle und konstruktive Beiträge liefern, bessere Möglichkeiten geben, wahrgenommen und ernstgenommen zu werden.

Links zum Thema:

New York Times elevates comments from below the line (journalism.co.uk)

Why Nick Denton could be the most disruptive force in online media right now (GigaOm)

Titelfoto: Shutterstock

Welche Ansätze für eine konstruktive Kommentarkultur findet Ihr gut?

 

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17 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Das alles setzt voraus, dass sich prinzipiell intelligente Menschen mit den Themen befassen. Aber wenn das nicht der Fall ist, dann nutzen auch diese eigentlich guten Ideen nichts. Wenn jemand bei einem Mordfall “das Schwein einfach öffentlich aufhängen” will, bei jugendlichen Handtaschenräubern schreibt “ab ins Arbeitslager nach Siberien (sic)”, beim Thema Hunde schreibt “ich habe in hundeverseuchten Gegenden mein Pfefferspray dabei, um mich gegen die bellenden Verdauungsschläuche zu verteidigen” – alles Originalzitate!!! dann ist doch über den Intelligenzquotienten, die Abstraktionsfähigkeit, die Fähigkeit zum Diskurs usw. doch alles gesagt. Da hilft m.E. nur, zu Artikeln über solche Themen die Kommentarfunktion zu sperren. Denn was soll man zu einem Mordfall auch “sinnvoll” kommentieren? Alle, die ohne Unflat kommentierten, schrieben auch nur “Herzliches Beileid” oder sowas. Das ist doch auch vollkommen überflüssig. Meine Meinung: Nicht alles muss von jedem kommentiert werden – und wenn doch, dann nicht so, dass es alle lesen können/müssen.

  2. Das gilt nicht nur für Kommentare unter Internetartikeln sondern in allen Lebensbereichen. Wir müssen aufhören, unsere Gesellschaft ausschliesslich nach den (pardon) Arschlöchern zu gestalten. Alles ist nur noch Reaktion auf den unvermeidbaren Prozentsatz von Fehlentwicklungen in der Gesellschaft oder Mißbräuchen unserer Freiheit.

  3. @ f.gruen : Klar, solche Kommentare gehören gesperrt. Und wenn nötig, der Nutzer gleich mit. Aber dabei darf es nicht bleiben. Mir geht es darum, sich nicht immer nur mit dem Unrat zu befassen, sondern mehr auch mit dem anderen Ende des Kommentarspektrums. Und ja: Nicht jeder Beitrag muss überhaupt kommentiert werden.

    @ Daniel : D’Accord!

  4. Die mediale online-Revolution frisst ihre Kinder. Das sage ich als Print-Fossil.

  5. Das erste Problem besteht schon in der These, dass es einen Zusammenhang zwischen Intelligenz/Bildung/Niveau und Diskussionsbeitrag gibt. Man nehme sich einmal die Zeit, die nächste Kabarett-Sendung im Fernsehen mitzuschreiben – ich bin mir sicher, niemand hier würde die Intelligenz und den Scharfsinn z.B. eines Dieter Hildebrandt anzweifeln. Und danach zerpflücke man die Sätze und stelle sich diese als Kommentar zu einem Nachrichtenartikel vor.

    Philosophische Frage: Ist die Verwendung von “Arschloch” weniger primitiv, wenn man sich für die Verwendung vorher selbst entschuldigt?

    Primitiv sind a) die anderen und b) die zusätzlich noch die aus eigener Sicht falsche Meinung vertreten.

    Wie auch immer, die Idee, die “Guten” hervorzuheben ist sicher ein interessanter Ansatz. Schwieriger wird es bei der Fragestellung, wer denn nun die Guten sind. Wenn ein Asylbewerberheim angezündet wird und ich schreibe:”Asylbewerber sollten schnellstmöglich ausgewiesen werden.” – bin ich dann gut oder böse? Wenn ich schreibe:”Die Nazi-Schweine solte (sic) man selbs (sic) anzünden!11!!!” – bin ich dann gut oder böse?

    Was will man denn wirklich belohnen, wenn man “Gute Kommentierer” fördern will? Eine bestimmte Meinung? Korrekte Rechtschreibung? Niveauvolle Wortwahl? Was ist an der Meinung, dass Straftäter gleich welcher Art in ein Arbeitslager gehören, an sich verwerflich?

    Vielleicht ist das eigentliche Problem, dass das Internet offenbart, wie der Mensch ist – die Stammtische sind nun für alle Welt wahrnehmbar und nicht nur für diejenigen, die in 5 Meter Hörweite sitzen. “Sei Du selbst die Veränderung, die Du Dir wünschst für diese Welt.” Gandhi hat das Wesen des Menschen sehr gut erkannt.

  6. @ Lars:
    Die Verwendung des Wortes “Arschloch” an sich sagt gar nichts aus, da gebe ich Dir Recht. Wenn Dieter Hildebrandt hier kommentieren würde, wäre ich sicher, dass er diesen Ausdruck – falls er ihn benutzt – in den passenden Zusammenhang stellen würde.

    Die “Guten” von den “Schlechten” zu trennen, ist aber gar nicht so schwer. Es geht dabei nicht um abweichende Meinungen (im Gegenteil), sondern darum, wer ernsthaft mit diskutieren und wer rumstänkern will. Bestes Beispiel: Du bist nicht meiner Meinung, trotzdem finde ich Deinen Kommentar bereichernd.

    Mir geht es vor allem darum, dass Medien rigoroser die Stänkerer rausfiltern sollten, um die ernsthaften Diskutanten mit ihren Beiträgen sichtbarer zu machen. Zeit Online macht das sehr gut, da können die Stänkerer noch so sehr “Zensur” schreien – dann sollen sie halt woanders rumpöbeln. Allen anderen Nutzern und nicht zuletzt Zeit Online nützt diese Form von Zensur jedenfalls. Ich wünschte, mehr Medien würden von ihrem Hausrecht Gebrauch machen und dann überlegen, wie sie mit den verbleibenden Kommentatoren in eine sinnvollere Beziehung treten können. Bisher werden sie meistens ignoriert.

  7. Wie mögen da erst die “alten Hasen” denken, wenn der relativ junge Zeitredakteur Sebastian Horn die Kommentatoren im Zuge einer “Untersuchung” von vornherein in vier fragwürdige Kategorien aufteilt. Alle beinhalten bei genauerer Betrachtung eine etwas lehrerhafte, negative Wertung. (Der Troll, der Musterschüler, der Bemühte, der Besserwisser.)

    “Letztendlich unterstellen sie so allen teilnehmenden Lesern bloß querulative Beweggründe zu haben…”

    http://www.drehscheibe.org/interview-mit-sebastian-horn.html

  8. Ein sehr schönes Beispiel liefert gerade Focus Online über das Problem zwischen Schreiber und Kommentierer. Da schreibt Focus Online darüber, dass Amazon Kundenkonten sperrt bei problematischen Retourenquoten. Dummerweise unterstützen aber nun die Kommentierer überwiegend die Position von Amazon – nicht die von Focus Online, wie dramatisch und gemein das Verhalten ist.

    Was macht Focus Online nun? Mir fallen ein paar sinnvolle Reaktionen für ein Medium in so einem Moment ein:
    1) Gar nix – Artikel ist geschrieben, Leute können sich äußern, nächster Punkt auf der Tagesordnung
    2) Nachlegen und ggfs. nachrecherchieren – z.B. mit einem Update oder Folgeartikel a la “Amazon sperrte wegen einem (1) zurückgesandtem Paar Turnschuhe, welche nicht passten!”
    3) Zugeben, aus einer Mücke einen Elefanten gemacht zu haben.
    4) Die Kommentare aufgreifen und eine neue Story machen – Niveau kann man ja nach Belieben festlegen von “Best of Was-Kunden-so-zurückgeschickt haben” bis zu einer mehrseitigen Story mit Interviews darüber, was für Menschen das so sind, die sich ein Kleid für eine Feier kaufen und dies nach der Feier zurückschicken.

    Aber was passiert stattdessen? Focus Online legt nach und erklärt kurzerhand die Kommentierer zum eigentlichen Problem. Die Kommentierer werden als Mob hingestellt, die es wagen sich zu weigern, sich über das böse Verhalten zu empören! Genau! Dieser Mob diskutiert nicht, kommentiert nicht, äussert auch nicht seine Erfahrungen, nein die lästern nur (so wie Frauen sich auch niemals streiten, sondern immer einen Zickenkrieg führen…).

    So…und jetzt soll Focus Online, mit einer beispiellosen Unfähigkeit zur Introspektion, anfangen, Kommentierer in `”gut” und “böse” zu unterteilen?

  9. @meykosoft @Lars:

    Die Einteilung bei Sebastian Horn (sie stammt noch aus seiner Zeit als Community-Redakteur bei Zeit Online) ist mir auch zu oberlehrerhaft. Aber immerhin befasst sich Zeit Online mit dem Thema und ist daran interessiert, gute Kommentare zu bekommen und mit denen zu arbeiten. Das kann man von Focus Online nicht behaupten. Mein Plädoyer richtet sich an Webportale, die an einem konstruktiven Austausch mit ihren Nutzern interessiert sind. Focus Online ist es völlig egal, was ihre Nutzer schreiben, solange das Portal dafür nicht belangt werden kann. Hauptsache, die Kommentatoren generieren möglichst viele Klicks.

  10. @Lars:

    Es geht meiner Ansicht nach weniger um “gut” und “böse” im Sinne der richtigen Meinung. Überhaupt halte ich es für problematisch, dass viele vor allem deshalb die Kommentarkultur im Internet kritisieren, weil sie mit anderen Meinungen ein Problem haben.

    Man könnte gute Beiträge hervorheben, die z.B. inhaltlich das Thema erweitern. Wenn beim brennenden Asylbewerberheim jemand eine Liste von bisherigen Bränden präsentiert und statistisch darlegt, dass es heute seltener brennt als früher (oder umgekehrt), dann könnte man den Beitrag hervorheben. Wenn jemand eine Quelle bringt, nach der Brandschutz in Asylbewerbeheimen nicht erforderlich ist oder sowas, ebenfalls.

    Tatsächlich nehmen Redaktionen solche Kommentare allerdings eher als Grundlage für einen eigenen Folgeartikel. Wäre ja noch schöner, wenn der Pöbel selbst den Ruhm für substanzvolle Arbeit erntet.

    Ihr Focus Online-Beispiel passt nicht so recht: Hier sind nicht die Kommentare das Problem, sondern die vorgefasste Meinung. Wir leben in einer Welt des Kampagnenjournalismus’.

  11. @hiro

    Sie liefern hier leider ein gutes Beispiel für ein weiteres großes Problem der Diskussionskultur: Scheinargumente und Fehlschlüsse.

    “Überhaupt halte ich es für problematisch, dass viele vor allem deshalb die Kommentarkultur im Internet kritisieren, weil sie mit anderen Meinungen ein Problem haben.”

    Sie setzen hier (unbewußt?) die Kritik an der Kommentarkultur pauschal gleich mit mit einer Intoleranz gegenüber anderen Meinungen. Dieses Strohmann-Argument zwingt nun das Gegenüber in der Diskussion in eine Verteidigungshaltung: Sie/er muss nun belegen, dass dem nicht so ist, anstatt beim eigentlichen Thema zu bleiben.

    Ich denke sie werden mir zustimmen, dass dies ungesund ist für jeglichen Diskurs.

    Ich möchte hier übrigens keine Boshaftigkeit unterstellen, da ein solcher Trugschluss nur allzu menschlich und entsprechend häufig anzutreffen ist (Vgl.: gegen Internetsperren = für Kinderpornos; gegen Überwachung = für Terrorismus/hat was zu verbergen).

    Wie aber mit solchen Fehlern umgehen, die die Diskussion vergiften?

  12. Pingback: Wie gut, dass es Hasskommentare gibt … #trollforschung | Differentia

  13. Seit fast 10 Jahren bin ich alleiniger Autor des auf Grafikdesign und Typografie spezialisierten Fontblog (http://www.fontblog.de). Ich hatte in der gesamten Zeit nur äußerst selten Probleme mit Troll- und Proll-Kommentare. Viel häufiger entstanden wertvolle Diskussionen, die sogar Entscheidungen – zum Beispiel über Logos (Cottbus) oder den Sinn von Crow-Sourcing (Jovoto) – mitprägten. Dabei beteiligte ich mich stets als Mitkommentator, Moderator und »positiver Verstärker«. Sicherlich wende ich mich in einer professionellen und (vor-)gebildeten Lesergruppe, das alleine ist aber nicht der Grund für eine gehobene Kommentarkultur.

    Auch die Kollegen professioneller Special-Interest-Magazine (heise, chip, …) sprechen eine engagierte, gefilterte Lesergruppe an. Doch man ist bis heute schockiert, mit welcher Lieblosigkeit die Redakteur das Leserfeedback behandeln. Noch niemand hat die Ursache treffender formuliert als dieser Beitrag: Die Leser werden »unbeachtet in ein Kommentarghetto gepfercht, um sich dort als Klickvieh auszutoben«. Mit anderen Worten: Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es auch heraus.

    Danke für die klar formulierte Analyse und die daraus folgenden Weichenstellungen.

  14. Ergänzung zu meinem Fontblog: Die Kommentarfunktion stand seit dem erste Tag sperrangelweit offen, also keine Anmeldung und keine Prüfung der Kommentare durch den Administrator. So wie hier ;-)

  15. Die Guten zu unterstützen ist zwar ein sinnvoller Ansatz. Die angesprochen Probleme lassen sich damit vielleicht sogar mildern, jedoch nicht lösen. Von Troll-Kommentaren abgesehen liegt die Ursache darin, das viele Menschen einfach so denken. Und das kann einem schon Sorgen bereiten.

    Oder man akzeptiert einfach, welchen Reifegrad unsere Gesellschaft hat. Wenn das Volk ungefiltert seine Meinung zum Ausdruck bringt, kann man das als Teil des demokratischen Prozesses begrüßen. Insofern wäre es falsch, bestimmte Ansichten (die der Guten) zu bevorzugen, indem diese auf irgendeine Weise hervorgehoben werden. Für diese Position ließen sich einige Argumente vorbringen, aber ich vertrete einen rigorosen Disziplinierungsansatz, der sich nicht auf Löschen und Aussperren beschränkt. Strafrechtlich relevante Äußerungen sollten verfolgt werden – nicht gleich jede kleine Beleidigung, aber die schweren Fälle.

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