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	<title>Medial Digital &#187; Kai Gniffke</title>
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	<description>Das Blog zur Zukunft der Medien und des Journalismus</description>
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		<title>Der App-Streit ist nur ein Symbol &#8211; es geht um einen Paradigmenwechsel</title>
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		<pubDate>Wed, 30 Dec 2009 14:50:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ulrike Langer</dc:creator>
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Es geschieht dieser Tage nicht oft, dass ich Verlegern, Verlagsmanagern und als Kommentatoren getarnten Verlagssprachrohren bei ihrem schrillen Geschrei rund um neue und alte Geschäftsmodelle Recht gebe &#8211; erst Recht nicht Matthias Döpfner, dessen Argumente beim Lobbyieren für ein Leistungsschutzrecht und bei der <a href="http://www.manager-magazin.de/it/artikel/0,2828,667250,00.html"><strong>Debatte um angebliche &#8220;Web-Kommunisten&#8221;</strong></a> ich absolut nicht nachvollziehen kann. Auch diesmal macht es einem der Springer-Chef nicht leicht mit seiner Pauschalisierung  <a href="http://www.focus.de/digital/computer/medien-springer-chef-doepfner-warnt-vor-und132tagesschauund147-app_aid_466012.html"><strong>„Wenn sich bezahlte Applikationen auf mobilen Geräten nicht durchsetzen, wird dies Tausende Arbeitsplätze in der Verlagsbranche kosten.</strong>&#8220;</a> (Anlass dieser Äußerung im &#8220;Focus&#8221; war die Ankündigung von ARD-Aktuell-Chef Kai Gniffke, im ersten Quartal 2010 werde es eine kostenlose &#8220;Tagesschau&#8221; App für das iPhone geben.)</p>
<p>Wenn Tausende von Arbeitplätze verloren gehen, dann wegen verlegerischen Versagens seit sich das Internet zur Massenplattform entwickelte, und nicht wegen einer proprietären mobilen Internet-Anwendung, deren wirtschaftlicher Erfolg für journalistische Inhalte bisher noch nirgendwo bewiesen wurde. Doch hinter Döpfners rhetorisch ungeschickter Übertreibung steckt viel mehr, denn letztlich geht es tatsächlich, wie Springers <a href="http://www.computerbild.de/artikel/cb-News-Internet-COMPUTER-BILD-Petition-Stoppen-Sie-die-GEZ-Abzocke-4940965.html"><strong>&#8220;Computer Bild&#8221; mit einer schrillen Kampagne</strong></a> suggeriert, auch um die Zukunft der Rundfunkgebühren (ich führe das weiter unten noch aus) und es geht tatsächlich, wie der <a href="http://www.ksta.de/html/artikel/1260194947547.shtml"><strong>&#8220;Kölner Stadt-Anzeiger&#8221; in einem undifferenzierten Kommentar schreibt</strong></a>, auch um &#8220;Machtansprüche&#8221;.</p>
<p>Warum es natürlich nicht wirklich geht, ist diese eine iPhone-App der &#8220;Tagesschau&#8221;. Dass der erwartbare Verlagsaufschrei trotzdem so laut und kampagnenhaft ausfällt, liegt zum einen am Timing. Man muss schon sehr naiv sein, um keinen Zusammenhang zu sehen zwischen Gniffkes Ankündigung und den ersten Springer-Bezahl-Apps, die nur wenige Tage vorher starteten.</p>
<p>Und außerdem spielt auch öffentlich-rechtliche Überheblichkeit eine Rolle. Gniffkes geäußertes <a href="http://www.focus.de/digital/handy/iphone/ard-app-tagesschau-bald-auf-dem-iphone_aid_465013.html"><strong>&#8220;Verständnis für die Sorgen der Printkollegen und der Verlage, die auf der Suche nach tragfähigen Geschäftsmodellen im Netz sind“</strong></a>, dürfte von den Verlagen wohl eher als Ironie aufgefasst werden. Und mit seinem nachgelegten kleinen Seitenhieb (&#8220;Wir beschränken uns dabei auf das harte Nachrichtengeschäft und werden dem “interaktiven BILD-Girl” sicher keine Konkurrenz machen&#8221;) lenkt der ARD-Mann  <a href="http://blog.tagesschau.de/?p=7439"><strong>in seinem Blogpost </strong></a>natürlich auch davon ab, dass die &#8220;Tagesschau&#8221;-App sehr wohl in unmittelbarer Konkurrenz zur journalistisch gestalteten &#8220;Welt&#8221;<em>-</em>App steht. Ich bin skeptisch, ob Springers Apps über die erste Neugierphase hinaus bestehen können, zumal wenn jetzt ab dem zweiten Monat die vollen monatlichen Abo-Gebühren fällig werden (1,59€ / 3,99€ für Bild ohne/mit pdf; 2,99€ / 4,99€ ohne/mit pdf für Welt). Doch Gniffke signalisiert Springer und allen anderen Verlagen, die Pläne für kostenpflichtige Apps hegen: Egal, was ihr an Innovationen plant &#8211; wir werden es mit unseren Gebührenmilliarden sofort unterlaufen.</p>
<p>Richard Gutjahr ergreift <a href="http://gutjahr.biz/blog/2009/12/von-apps-und-apparatschiks/"><strong>in einem unterhaltsam geschriebenen Blogpost</strong> </a>Partei für die Öffentlich-Rechtlichen und entlarvt Döpfners Arbeitsplätze-Argument zu Recht als Heuchelei. Doch in einem zentralen Punkt liegt er falsch. Gutjahr schreibt:</p>
<blockquote><p>Auch Menschen, die arbeiten, die pendeln müssen und nicht pünktlich um 20 Uhr zuhause vor dem Fernseher sitzen können (oder wollen), haben ein Recht auf seriöse, öffentlich-rechtliche Nachrichten. Sie haben ein Recht darauf – denn sie haben dafür bereits gezahlt.</p></blockquote>
<p>Mit dem Argument, die Gebührenzahler hätten dafür bereits bezahlt, werden auch die Internet-Angebote von ARD und ZDF gerechtfertigt, inklusive Abruf-Mediatheken. Die nutze ich ebenfalls gelegentlich &#8211; und ärgere mich jedesmal, wenn ich einen von mir &#8220;schon bezahlten&#8221; Beitrag nicht finde, weil ich mal wieder die 7-Tage-Abruf-Frist verpasst habe. Allerdings: Je mehr sich die Nutzung von ARD- und ZDF-Angeboten weg vom linearen Fernsehen und hin zu individueller Abrufangeboten im klassischen und mobilen Internet verschiebt, desto brüchiger wird die Argumentation, das sei ja alles schon bezahlt. Wirklich transparent ist die Höhe der Online-Etats von ARD und ZDF nicht. Zuletzt zeigte sich beim Streit um die neue programmbegleitende Kinder-Onlineplattform KiKaninchen von ARD und ZDF, wie biegsam Etats berechnet werden können. Laut der federführenden Anstalt MDR kostet das gesamte Angebot für ein Jahr nur 320.000 Euro. <a href="http://www.horizont.net/aktuell/medien/pages/protected/Oeffentlich-Rechtliche-starten-TV-Format-Kikaninchen-und-umstrittene-Website_87634.html"><strong>Kritiker kommen aber auf mindestens 1,5 Millionen Euro</strong></a>.</p>
<p>Mit jeder Ausweitung der Online-Angebote lässt sich der Mythos von bereits bezahlten Angeboten schwerer rechtfertigen. Das wäre allerdings auch gar nicht nötig, wenn die Politik sich nur endlich zum Eingeständnis durchringen würde, dass wir einen aus allgemeinen Gebühren finanzierten öffentlich-rechtlichen Rundfunk im Internet nicht brauchen. Denn was Gutjahr schreibt&#8230;</p>
<blockquote><p>Die Zeitungs-Lizenz, einst erteilt von den Alliierten, war für die Verleger über Jahrzehnte hinweg eine Lizenz zum Geld drucken; seit Kriegsende kaum ein Jahr ohne ein neues Rekordergebnis. Welche Branche kann das schon für sich beanspruchen?</p></blockquote>
<p>&#8230; das gilt natürlich ebenso für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Seit ihrer Gründung besitzen ARD und ZDF ebenfalls eine Lizenz zum Gelddrucken. Und die ist sogar staatlich garantiert und krisenfest. Doch während die Gründungsväter unserer Republik völlig zu Recht das knappe Gut Rundfunkfrequenzen in den Dienst des Allgemeinwohls stellen und dort eine publizistische Vielfalt sicherstellen wollten, zählt dieses Argument im Internet nicht mehr, (was schon so oft diskutiert wurde, dass ich das hier nicht weiter ausführe). Es wäre also nur konsequent, wenn ARD und ZDF, die &#8211; wie auch Verlage schmerzhaft feststellen müssen &#8211; im Internet nur Einzelanbieter unter vielen sind, sich diesen veränderten Bedingungen im Internet ebenfalls stellen müssten. <strong>ARD und ZDF können im Web nur Teil einer publizistischen Vielfalt sein, aber sie sind nicht ihre alleinigen Garanten.</strong> Deshalb haben sie dort auch keine Sonderrolle verdient.</p>
<p>Der Streit um die Kosten von ARD/ZDF-Online und -Mobilangebote wäre hinfällig, wenn die Rundfunkgebühren mit der alleinigen Verwendung für klassischen Rundfunk (für den sie eingeführt wurden) gedeckelt würden und sich die öffentlich-rechtlichen Anbieter im Internet mit privatwirtschaftlich finanzierten Angeboten dem publizistischen und wirtschaftlichen Wettbewerb stellen müssten. Natürlich in Form von privaten Gesellschaften, die nicht aus Rundfunkgebühren querfinanziert werden dürfen, sich aber im Gegensatz zur heutiger Gesetzeslage auch auf dem Werbemarkt betätigen dürfen. Mit anderen Worten: ARD und ZDF sollen ebenso wie jeder Anbieter im Internet tun und lassen dürfen, was sie wollen, aber bitte nicht gebühren(quer)finanziert. Wenn &#8220;Spiegel Online&#8221; eigenständig schwarze Zahlen im Web schreibt und nicht mehr von der Printausgabe quersubventioniert wird, dann dürfte das den Qualitätsangeboten von ARD und ZDF mit einer selbstgewählten Kombination aus Werbe-, Abofinanzierung, freiwilligen Spenden etc. ja wohl ebenfalls gelingen. Auch eine &#8220;Tagesschau&#8221;-App könnte und müsste dann unter fairen Bedingungen gegen eine &#8220;Welt&#8221;-App konkurrieren.</p>
<p>Konsequent weitergedacht müssten in diesem Gedankenmodell die klassischen Rundfunkgebühren in einem angemessenen Zeitraum sogar sinken, wenn der Mediennutzungsanteil des klassischen Fernsehens in einigen Jahren absehbar ebenso deutlich so sinken beginnt, wie das heute schon bei Zeitungen und Zeitschriften der Fall ist. Die Programmvielfalt und die Zahl der Sender müsste gegenüber heute natürlich verringert werden, wenn letztlich kaum noch einer zusieht. Damit würde sich aber auch die Debatte, ob die allgemeine Rundfunkgebührenpflicht noch zeitgemäß ist, von selbst erledigen. Statt immer mehr nicht-fernsehende webnutzende Gebührenzahler über den Umweg einer konstruierten PC-Gebührenpflicht abzukassieren, um das Gebührenniveau auf dem heutigen Stand von rund sieben Milliarden Euro zu halten, würde die Kritik mit sinkenden Rundfunkgebühren jedes Jahr ein wenig leiser werden und schließlich ganz verstummen. ARD und ZDF wären dann wirklich im digitalen Zeitalter angekommen.<br />
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